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Life is too short for boring stories

Fr. Fleißig war im Morgengrauen aufgestanden, wie an jedem anderen Tag der Woche, hatte sich nur rasch einen Kaffee gemacht und sich mit ihrem Laptop auf die Terrasse gesetzt. Nach und nach erwachte das Leben um sie.
„Verdammte Vögel“, dachte sie, als diese zu ihrem Morgenkonzert anhoben, „Und zu verdanken haben wir diese Lärm diesen Schmarotzern, die nun in Fr. Wichants Haus leben.“ Ganz unrecht hatte sie nicht, denn der naturbelassene Garten bot viele Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrungsquellen für Insekten, die das auch gerne annahmen. In ihrem Gefolge kamen die Vögel zurück, die Fr. Fleißig nun bei der Arbeit störten, aber auch das ging vorbei und am Vormittag kamen alle vier, Ben, Lisa, Nina und Leo in den Garten, um zu plantschen und zu spielen. Das war bereits das zweite Mal an diesem Vormittag, dass sich Fr. Fleißig in ihrer Konzentration gestört fühlte. „Du liebe Güte, hört das denn nie auf? Wie ruhig ist es hier gewesen, bevor die herzogen!“, dachte sie, während sie naserümpfend einen grimmigen Blick zu der Meute warf, die offensichtlich viel Spaß hatte, „Ich meine, dass die alte Fr. Wichant nichts gearbeitet hat, das ist noch irgendwie verständlich. Obwohl, wofür sind Menschen gut, wenn sie nicht arbeiten? Aber diese Sippe da unten, die ist das Schlimmste. Die arbeiten nichts, haben sie doch Zeit mit ihren Kindern zu spielen. Übermäßig verwöhnt werden die Fratzen außerdem.“ Dann wandte sie sich wieder ihrem Laptop zu.

„Guten Morgen!“, sagte Hr. Fleißig, als er auf die Terrasse trat, um sich neben seiner Frau an den Tisch zu setzen.
„Hast Du denn nichts zu tun?“, fragte sie schroff, seinen Gruß geflissentlich überhörend, „Kann es denn sein, dass ich die einzige in diesem Haus bin, die irgendetwas arbeitet, während Du da in Ruhe sitzt und Kaffee trinkst?“
„Na Du arbeitest eh für uns beide“, erklärte er amüsiert, während er sich eine Zigarette anzündete und den blauen Rauchschwaden versonnen nachsah.
„Wirklich, das scheint eine Art Virus zu sein, diese Faulheit, keiner arbeitet mehr was. Dort unten dieses Pack und ich habe selbst so einen Arbeitsscheuen im Haus sitzen“, sagte sie gereizt, woraufhin ihr Mann seine Aufmerksamkeit auf das muntere Treiben im Nachbargarten lenkte.
„Wie schön, wenn man eine Beziehung zu seinen Kindern hat“, erklärte er versonnen und ein Lächeln huschte über sein Gesicht, „Apropos, wo sind denn eigentlich unsere Kinder?“
„Keine Ahnung und es interessiert mich auch nicht!“, entgegnete seine Frau pikiert, „Diese Undankbarkeit, das brauche ich nicht. Da rackert man sich sein ganzes Leben lang ab und tut alles für sie. Und was ist der Dank? Sobald sie sich ihre Ausbildungen bezahlen ließen, kehren sie einem den Rücken und lassen sich nie wieder anschauen.“
„Du hast alles für sie getan?“, fragte Hr. Fleißig amüsiert, „Nein, Du hast immer alles nur für Dich getan, weil Du besessen bist. Im Aufbau, das war ok. Du weißt, wir hatten ein gemeinsames Ziel und dafür habe ich auch gerne Tag und Nacht gearbeitet, aber dieses Ziel haben wir erreicht. Dennoch hast Du weitergemacht, wie eine Irrsinnige. Darüber haben wir uns entfremdet und die Kinder wollen nichts mit Dir zu tun haben. Und nein, es ist nicht notwendig, was Du machst. Du kannst nur nicht anders, denn sonst würde Dein Leben wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Die Arbeit ist alles, was Du hast. Das Leben hast Du schon längst verlernt.“
„Was heißt, die Kinder wollen mit mir nichts zu tun haben?“, zeigte sich Fr. Fleißig irritiert.
„Dass ich mich sehr wohl um sie gekümmert habe“, erklärte ihr ihr Mann lapidar, „Du hast bloß nie was davon mitbekommen, vor lauter Arbeit. Und ich habe sogar mit ihnen gespielt. Stell Dir mal vor. Während Du mit Dir selbst und Deinem Wahnwitz beschäftigt warst.“ Fr. Fleißig lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und sah ihn durchdringend an.
„Du hast mich also betrogen!“, entfuhr es ihr.
„Du meinst, ich habe Dich mit unseren Kindern betrogen?“, präzisierte er amüsiert, „Weißt Du, es hat eine Zeit gegeben, da hat es mir weh getan, dass Du mich immer und immer wieder zurückgewiesen hast, als wäre ich nur eine lästige Fliege. Und die Kinder haben unter Deiner Hartherzigkeit gelitten, aber sie haben ihren Weg gefunden und ich denke, jetzt schaue ich mal dort hinüber, zu diesen Leuten, von denen Du meinst, dass sie nichts arbeiten, bringe ihnen Kuchen und lade mich zum Kaffee ein.“ Sprachs und ging. Fr. Fleißig sah ihrem Mann einen Moment lang nach, aber dann fiel ihr wieder ein, dass sie arbeiten musste. Im nächsten Moment starrte sie wieder in ihren Laptop und hatte alles rundherum vergessen. Weil sie nicht anders konnte.

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