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Life is too short for boring stories

Finally he fell asleep, the sweet little one. Raphael was eight months old and the cutest baby in the world, his mother Nina was convinced, and she was right, like every mother, but as happy as she was, she also suffered. On the one hand under permanent lack of sleep, because the little one challenged her at any time of the day or night, and on the other hand under the constant absence of her husband. Since the little one was born, she hardly got to see Roman. He worked overtime all the time and was often on business trips. Nina knew that he was doing this for her, for Nina and Raphael.

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Endlich war er eingeschlafen, der süße Kleine. Raphael war acht Monate alt und das süßeste Baby der Welt, war seine Mutter Nina überzeugt, und sie hatte recht, wie jede Mutter, doch so glücklich sie auch war, so litt sie auch. Einerseits unter permanentem Schlafmangel, denn der Kleine forderte sie zu jeder Tages- und Nachtzeit, und andererseits unter der ständigen Abwesenheit ihres Mannes. Seit der Kleine auf der Welt war bekam sie Roman kaum mehr zu Gesicht. Er machte permanent Überstunden und war auch oft auf Dienstreise. Nina wusste, dass er das für sie machte, für Nina und Raphael.

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Dr. Karl Wackwitz, seines Zeichens Generaldirektor eines der einflussreichsten und größten Unternehmens unseres Landes, dessen Namen ich hier nicht nennen will, Harvard Absolvent und leidenschaftlicher Verfechter des freien Marktes, war beständig auf der Suche nach etwas, das es ihm ermöglichte sich von der Masse abzusetzen. Er hatte einen Hang zum Elitären und Extravaganten, nicht weil er es wirklich mochte, sondern weil es der eleganteste Weg war zu zeigen, was er besaß. Wie bei so vielen hatte dies damit begonnen, dass er Golf spielte. Danach kam das Jagdwesen und letztlich die Yacht an der Cote d’Azur. „Jetzt machen das Kreti und Pleti auch schon“, pflegte er zu sagen, wenn der Zustrom zu einst Elitärem zu groß wurde. Das war der Moment, in dem er sich abwandte und was Neues suchte, und jetzt meinte er das Ultimative gefunden zu haben.

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Dr. Karl Wackwitz, General Manager of one of the most influential and largest companies in our country, whose name I will not mention here, Harvard graduate and passionate free market advocate, was constantly on the lookout for something that would enable him to stand out from the crowd. He had a penchant for the elitist and extravagant, not because he really liked it, but because it was the most elegant way of showing what he had. As with so many, this had started with him playing golf. Then came hunting and finally the yacht on the Cote d’Azur. „Now Kreti and Pleti are already doing it,“ he used to say when the influx of what was once elitist became too great. That was the moment when he turned away and looked for something new, and now he thought he had found the ultimate.

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On this Saturday in May my mother decided to play the lottery for the first and last time in her life, because she was actually a thrifty woman and a little bit mathematical. She used to say that the chance of being hit by a plane in the subway was greater than winning the lottery. That was an exaggeration, of course, because the probability was greater than zero, but it was very illustrative. Nevertheless, on this day she jumped over her shadow and took a lottery ticket from the tobacco shop.

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An diesem Samstag im Mai beschloss meine Mutter Lotto zu spielen, zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben, denn eigentlich war sie eine sparsame Frau und ein klein wenig mathematisch begabt. Sie pflegte zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit von einem Flugzeug in der U-Bahn getroffen zu werden größer sei, als die einen Lottogewinn zu machen. Das war natürlich übertrieben, denn schließlich war die Wahrscheinlichkeit größer als null, aber es war sehr anschaulich. Dennoch, an diesem Tag sprang sie über ihren Schatten und nahm sich einen Lottoschein aus der Trafik mit.

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Max no longer understood the world and none of the allegedly clever people who surrounded him could explain it to him. Even though he was only eleven years old, he sensed only one thing out of all her words, pure helplessness. No explanation, but all the more indignation about his act. But what did he do? If he had at least done something really bad, then he would understand that he had to sit here in this strange class while all the others in his class were on their way to school sports week. Otherwise he had only experienced such restrictions when someone was hurt or something was destroyed, but he had neither hurt someone nor destroyed something, on the contrary, he had shown affection and healed.

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Max verstand die Welt nicht mehr und niemand von all den angeblich so gescheiten Menschen, die ihn umgaben, konnte es ihm erklären. Trotzdem er erst elf Jahre war, spürte er aus all ihren Worten nur eines, pure Hilflosigkeit. Keine Erklärung, aber umso mehr Empörung über seine Tat. Aber was hatte er getan? Wenn er doch wenigstens etwas wirklich Schlimmes angestellt hätte, ja dann würde er es einsehen, dass er jetzt hier in dieser fremden Klasse sitzen musste, während all die anderen aus seiner Klasse auf dem Weg zur Schulsportwoche waren. Sonst hatte er solche Restriktionen nur erlebt, wenn jemand verletzt oder etwas zerstört wurde, aber er hatte weder jemanden verletzt noch etwas zerstört, ganz im Gegenteil, er hatte Zuneigung gezeigt und geheilt. Dennoch, als sein Klassenvorstand von seiner Tat erfuhr, wohlgemerkt durch eine wohlmeinende Mitschülerin, die sich hämisch ins Fäustchen lachte über ihre Tat, die nun dazu führte, dass er alleine nicht mitfahren durfte.

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You turned away from me, my colleagues. If I spoke to someone directly, I got a brief, evasive answer. They seemed to be embarrassed by my presence. I went through the last few days in my mind, checking if anything had happened that could justify this behavior, but with the best will in the world, I found nothing. My conscience was clear when I knocked on the door that led into the director’s room. After a short wait, during which I saw no reaction, I entered cautiously. The director’s room was small and the many people who stood in it, talking and gesturing wildly, made it look even smaller. That’s why nobody noticed my knocking. Not a word could be understood, but it was amusing to watch the people, but then my presence was discovered and there was an embarrassed silence. It was interesting because it was like a secret command. All eyes were on me, and that attention was by no means benevolent. You didn’t need to be a clairvoyant to do this. I recognized the mothers of some of my students, first and foremost Max mother, with their wonderful Scottish accent, which she was able to bring out so wonderfully.

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Sie wandten sich von mir ab, meine Kolleg*innen. Wenn ich direkt jemanden ansprach, so bekam ich eine knappe, ausweichende Antwort. Peinlich berührt schienen sie durch meine Anwesenheit zu sein. Ich durchlief in Gedanken die letzten Tage, prüfte ob irgendetwas vorgefallen war, was dieses Verhalten rechtfertigen konnte, doch ich fand beim besten Willen nichts. Mein Gewissen war rein, als ich an die Türe klopfte, die in das Zimmer des Direktors führte. Nach einer kurzen Wartezeit, in der ich keine Reaktion bemerkte, trat ich vorsichtig ein. Das Zimmer des Direktors war klein, und die vielen Leute, die darin standen, wild durcheinander sprachen und gestikulierten, ließen es noch kleiner wirken. Deshalb hatte wohl auch keiner mein Klopfen bemerkt. Kein Wort war zu verstehen, aber es war amüsant den Leuten zuzusehen, doch da wurde meine Anwesenheit entdeckt und betretenes Schweigen trat ein. Es war interessant, denn dies geschah wie auf ein heimliches Kommando. Aller Augen waren auf mich gerichtet, und diese Aufmerksamkeit war keineswegs wohlwollend. Dazu brauchte man kein Hellseher zu sein. Ich erkannte die Mütter einiger meiner Schüler, ganz vorneweg Max Mutter, mit ihrem wunderbaren schottischen Akzent, den sie so wunderbar zur Geltung zu bringen vermochte.

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