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Life is too short for boring stories

Hr. Fleißig schnappte sich den Kuchen, den er höchstselbst gebacken hatte, während seine Frau arbeitete. Aber wann tat sie das nicht? Es war ihm aber beinahe schon egal, auch wenn er die Hoffnung noch immer nicht ganz aufgegeben hatte. Natürlich hatte er gewusst, dass seine Frau ambitionierte Pläne gehabt hatte noch bevor sie verheiratet waren, aber für ihn hatte sich das wunderbar verbunden. Eine Frau, die er liebte und mit der er seine Lebenspläne erfüllen hätte können. Das mit den Plänen war auch aufgegangen, nur dass für seine Frau nur diese zählten, nicht aber die Liebe. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass seine Frau gar nicht lieben konnte. Rasch verbannte er diesen Gedanken wieder, denn er spürte, dass es nach wie vor schmerzte, weil sie ihn eigentlich nur benutzt hatte. Jetzt jedoch war keine Zeit für trübe Gedanken, sondern für Freude und Heiterkeit. So verließ er wohlgemut das Haus, ging die paar Schritte den Gehsteig entlang und wäre fast über ein wuselndes Etwas gestolpert, das ihm vor die Füße gelaufen war. Überrascht sah er hinunter, doch als dieses kleine Etwas ein durchdringendes Kläffen von sich gab, war kein Zweifel mehr möglich.

„Was bist denn Du für ein süßer Kleiner“, sagte Hr. Fleißig, während er in die Knie ging, um den Hund zu streicheln, der sich auch sehr erfreut über diese Zuwendung zeigte.
„Es tut mir so schrecklich leid!“, hörte er von oben die Stimme von Fr. Schön zerknirscht, „Ich war so in Gedanken, dass ich nicht achtgab.“
„Ist ja nichts passiert“, versuchte Hr. Fleißig sie zu beruhigen, „Ich hatte nur Sorge, dass ich dem Kleinen weh getan haben könnte. Wie heißt er denn eigentlich?“
„Jimmy“, meinte Fr. Schön, die sich ebenfalls in die Hocke begab, „Und er ist so übermütig. Ich muss besser auf ihn achtgeben.“
„Ist mit Ihnen alles in Ordnung?“, fragte Hr. Fleißig, nachdem er den Blick vom Hund weg auf seine Besitzerin gerichtet hatte. Sofort fielen ihm die geröteten Augen auf.
„Geht schon wieder“, erwiderte sie matt, auch wenn sie den Drang in sich verspürte, ihm ihr Herz auszuschütten, doch etwas hielt sie zurück. Schließlich kannten sie sich so gut wie gar nicht. Klar, sie wussten ihre Namen und wo sie wohnten, aber das war schon alles. Man hatte mit den Nachbarn nichts zu tun, denn alle waren immer sehr beschäftigt, „Aber danke der Nachfrage“, schob sie mit einem müden Lächeln hinterher. Damit wollte sie sich mit einem dezenten Kopfnicken verabschieden, doch Hr. Fleißig hatte spontan entschieden sie nicht so gehen zu lassen, mit dem betrübten Blick und den hängenden Schultern.
„Wissen Sie was?“, fragte er unvermittelt, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, denn woher sollte sie es denn wissen, was auch immer es war, „Sie kommen jetzt mit mir mit zu den – jetzt weiß ich noch nicht einmal, wie sie heißen – neuen Nachbarn eben.“
„Sie meinen aber nicht die, die in das Haus der alten Frau Wichant eingezogen sind?“, entfuhr es Fr. Schön entgeistert, als hätte ihr Hr. Fleißig ein unanständiges Angebot gemacht.
„Genau die“, bestätigte er erfreut, um sie an der Hand und mitzunehmen.
„Aber das geht doch nicht, wir können nicht so einfach …“, lamentierte Fr. Schön so lange, bis Lisa ihnen die Haustüre öffnete. Erstaunt sah sie die beiden unerwarteten Gäste an.
„Guten Tag“, meinte Lisa, „Kann ich was für Sie tun?“
„Ja, das können Sie!“, erklärte Hr. Fleißig forsch, was ihn über sich selbst staunen ließ, „Ich habe hier einen Kuchen und den werden wir zusammen essen. Wenn Sie uns reinbitten drinnen und wenn nicht, dann hier.“
„Sehr gerne“, meinte Lisa und bat die beiden ins Haus, um sie gleich auf die Terrasse zu bugsieren.
„Ben, Nina, Leo“, rief sie, um auf sich aufmerksam zu machen, was gar nicht so leicht war, weil sie gerade ins Spiel vertieft waren, „Schaut mal, wir haben Besuch.“ Alle drei kamen, um die Neuankömmlinge zu begrüßen.
„Ich mache Kaffee und hole Teller“, meinte Lisa und verschwand im Haus.
„Sie haben Kuchen mitgebracht?“, fragte Ben neugierig.
„Ja“, bestätigte Hr. Fleißig stolz, „Der ist selbstgebacken und vegan. Weiß ich doch.“
„Woher wissen Sie das?“, zeigte sich Ben überrascht, denn sie gingen damit nicht hausieren.
„Nun, ich habe ab und zu mit der alten Fr. Wichant gesprochen. Eine wunderbare Frau übrigens“, erklärte Hr. Fleißig. Da kehrte Lisa mit einem Tablett mit einer großen Kaffeekanne und Tellern zurück. Gemütlich setzten sie sich zusammen und schnitten die Torte an.

2 Gedanken zu “Die Anständigen, die Fleißigen, die Ehrgeizigen, die Schönen und die Anderen (6)

  1. Na also, es besteht noch Hoffnung. Bin schon gespannt, wie sich das entwickelt…

    Gefällt 1 Person

    1. novels4utoo sagt:

      Hoffnung gibt es immer – vor allem, wenn man mit Menschen zusammenkommt, die über Voreingenommenheiten hinweghelfen können.

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