Das Leben erzählt

Du begegnest mir. Du setzt Dich zu mir, eine Weile. Oder Du begleitest mich gar, ein Stück des Weges. Du siehst mich an, und indem ich merke, dass Dein Blick nicht an mir vorbeigeht, sondern besteht, möchte ich, dass Du verstehst, verstehst, was ich war, was ich bin und wohin mein Schritt sich wendet.

So beginne ich zu erzählen, Geschichten, die geschehen sind, Geschichten, die wir sind, im Entstehen begriffen und Geschichten, die ich mir erhoffe, erträume und ersehne. Dir zeige ich erzählend meinen Schmerz und meine Freude, meine Angst und meine Zuversicht, meine Verlorenheit und meine Verbundenheit, meine Trauer und mein Sehnen, zeige Dir erzählend die Bilder in meinem Kopf. Ich erzähle mich Dir und öffne Dir darin eine Tür zu dem, was meine Wirklichkeit, meine Sicht der Dinge, meine Welt ausmacht, öffne Dir eine Tür zu meinem Selbst- und So-Sein.

Und indem ich mich Dir erzähle, wünsche ich mir, dass Du mir Dich erzählst, Geschichten, die geschehen sind, Geschichten, die wir sind, im Entstehen begriffen und Geschichten, die Du Dir erhoffst, erträumst und ersehnst. Mir zeigst Du erzählend Deinen Schmerz und Deine Freude, Deine Angst und Deine Zuversicht, Deine Verlorenheit und Deine Verbundenheit, Deine Trauer und Dein Sehnen, zeigst mir erzählend die Bilder in Deinem Kopf. Du erzählst Dich mir und öffnest mir darin eine Tür zu dem, was Deine Wirklichkeit, Deine Sicht der Dinge, Deine Welt ausmacht, öffnest mir eine Tür zu Deinem Selbst- und So-Sein.

Ich will eintreten dürfen, so wie ich Dich bei mir einzutreten bitte, zu erkennen und zu offenbaren, zu begreifen ohne festzuhalten, zu erkennen ohne darauf zu beharren, denn Sein ist immer Sein im Werden, ist Veränderung, ist Wachsen, ist Werden. Im Erzählen entwickeln wir uns. Ob aufeinander zu oder voneinander weg? Wer weiß das schon. Doch wir wollen es wagen! Denn ohne Wagnis kann es keine Annäherung, ohne die Vorgabe des mich-Dir-Anvertrauens geben.

Nur im Erzählen können wir einander verstehen, kann ein Wir wachsen. Es gibt keinen anderen Zugang zueinander, und ich will ihn nicht verlieren, diesen Zugang zu Dir, will ihn nicht verschließen, diesen Zugang zu mir. Ich wünschte, wir würden niemals aufhören Geschichten zu erzählen, niemals aufhören aufeinander zu-zu-gehen.

Die Tür steht offen, zu meiner Welt und zu mir. Lass Dich ein und los. Du wirst Dich neu finden und verändert, denn die Geschichten hinterlassen Spuren, formen Dich und Dein Verstehen neu. Dein Blick wird weiter und Deine Toleranz wird größer, vor dem Anderen und seinem Je-Eigen-sein, das sich Dir erzählend annähert um Dir Du zu werden.