Was für ein bezauberndes Paar, bestehend aus einem abgehalfterten Altcasanova, der mit den Hängebäckchen und der Schlaffhaut eines Siebzigjährigen, immer noch meint, die Frauenwelt, die sich ihm darbringt, beglücken zu müssen und jeder, die es hören will oder auch nicht, erklärt, dass es in den Genen eines richtigen Mannes liegt, andere Frauen, so viele und so oft wie möglich, zu besteigen. Sehr gut ersichtlich auch an dem halbgeöffneten Hemd, das das Brusthaar sehen lässt und die Testosterongeschwängertheit unterstreicht, ebenso wie der Gang mit dem sehr unsubtil vorgeschobenen Becken, was er für lasziv hält. Zumindest besteht er auf sein Neandertaltertum nur dann, wenn seine Frau nicht zugegen ist. Dann ist es natürlich nie gesagt worden und wehe, er wird verpetzt.
Während der weibliche Teil, der seit 30 Jahren beim Friseur sagt, bitte genau so schneiden, wie im letzten Jahrtausend und trotz jahrzehntelangen Hyaluronspritzen die Falten nicht mehr wegbekommt, was sie als die Siebzigjährige ausweist, die sie nun mal ist, während der Bauch immer fetter wird, was allerdings nicht so sehr auffällt, da die überdimensionierten Milchdrüsen, zwar deutlich schlaffer, aber immer noch groß genug sind, die Wölbung weiter unten zu überdecken. All dies wäre nicht tragisch, denn wir werden alle alt, hätten sie nicht beide die unangenehme Angewohnheit, alle Menschen ob ihres Aussehens zu diskreditieren. Oberflächlichkeit, Geschmacklosigkeit und Überheblichkeit vereint sie und macht sie zu einem bezaubernden Paar.
Ein bezauberndes Paar, bei dem er seine uralt, bis zum Überdruss aufgegossenen Schlager immer wieder aufwärmt, mit den ewig gestrig Themen wie Fraueneroberung und Männerdominanz, gut kaschiert hinter netten, aber abgedroschenen Worten, mit Melodien, die er mit den drei Akkorden, die er beherrscht, unfallfrei spielen kann, während sie ihre auf unterstes Mittelmaß getrimmten Liebesromane und Krimis als die 150 Auflage des ewig Gleichen der Welt präsentiert, was immer weniger Menschen zu interessieren scheint und dementsprechend daran vorbeigehen, was sie dazu verführt, für die eine Sekunde im Rampenlicht andere schlecht zu machen, was sie vereint und dazu werden lässt, zu einem bezaubernden Paar.
Irgendwann wird auch der gutmütigste Charakter merken, wie peinlich, oberflächlich, unterdurchschnittlich und letztlich langweilig ihre in vorgetäuschten Glamour gepackten öffentlichen Darbietungen sind und wenn nicht, dann ist es schön, dass es noch solche gibt, die sich davon beeindrucken lassen und ein ebensolch schlichtes Gemüt, einen genauso eingeschränkten Horizont und einen äquivalent beeinträchtigten Horizont haben, was sie aber sehr gut durch Präpotenz, Arroganz und Chauvinismus zu überdecken vermögen, zumindest für eine gewisse Zeit. Selten, dass die Eigenwahrnehmung so sehr von der Fremdwahrnehmung abweicht, was ich ihnen aber gönne, denn so merken sie nichts von der eigenen mentalen Eingeschränktheit und intellektuellen Unberührtheit, immerhin eine, denn auch das haben sie gemeinsam und macht sie zu einem wirklich bezaubernden Paar.

