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Life is too short for boring stories

Gelassen stand er an der Bar und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Eine harte Woche lag hinter ihm. Nun wollte er einen Stich landen. Das hatte er sich verdient, wie er meinte, quasi zur persönlichen Entspannung. Grundsätzlich hatte er in dieser Bar gute Erfolge erzielt, so dass sie seine erste Wahl war, aber heute schienen sich die brauchbaren Mädels andernorts zu vergnügen. Eine geschlagene Stunde und zwei Bier hatte er bereits verbraucht, aber kein Opfer zeigte sich. Er beschloss das angefangene Malzgetränk noch fertig zu trinken, um anschließend eine andere Wirkungsstätte aufzusuchen. Da ging die Türe auf und eine Horde schnatternder, kichernder Frauen betrat den Raum, gerade in jenem Moment, da er den letzten Schluck hinunterspülte.

Sein Blick folgte der Gruppe, die sich am anderen Ende der Bar platzierte. Ein Durcheinander von High Heels, langen Beinen, kurzen Kleidchen, wippenden Hüften und Brüsten bestellte beim Kellner. „Man sollte eben nie zu früh aufgeben“, dachte er bei sich, während seine Zunge genießerisch über seine Lippe fuhr. Er bemerkte es gar nicht. Das geschah ganz automatisch beim Anblick frischen Wildes. Eigentlich war es im egal welche er aufriss, aber er wollte sich die Angelegenheit auch nicht unnötig schwer machen, deshalb musterte er die Herde genau. Auf sein Gespür konnte er sich verlassen. Zielsicher würde er jene herausfinden, die ihm willigst folgte. Unattraktiv durfte sie natürlich nicht sein. Da hatte er seine strikten Regeln. Schließlich hatte er einen Ruf zu verlieren. Es gab nicht wenige, die sich von seinen Künsten beeindruckt zeigten, ja sich Rat bei ihm holten.

Fünf Stück waren es, an der Zahl. Rasch unterzog er sie seiner Prüfung, nach der nur eine übrigblieb. High Heels trug sie, wie alle anderen auch, aber diese Absätze waren so hoch und spitz, dass man andernorts dafür einen Waffenschein tragen musste. Sie glänzten silbern im Licht der Bar, wie zwei Messer. Die langen, geraden Beine, nicht zu fest, aber auch nicht zu dünn, eben gerade richtig, waren in schwarze Nylons gepackt, wozu sie ein schwarzes Minikleid trug, das so kurz war, dass man den Ansatz der Spitze an den Strümpfen mehr als nur erahnen konnte. Auch das Dekolleté ließ tief blicken. Die Lippen waren sinnlich geschwungen, aber nicht zu voluminös. Das war ihm wichtig, weil er einen guten Blow-Job zu schätzen wusste. Da waren aufgespritzte Lippen oft hinderlich, wie ihn die Erfahrung gelehrt hatte. Die Würfel waren gefallen, so dass er aufstand und direkt auf sein Opfer zusteuerte.

In seiner ganzen Größe baute er sich direkt vor ihr auf. Eindrucksvoll war seine Erscheinung, davon war er überzeugt. Sein Körper war gestählt, mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Eigentlich gehörte er zu jenen Männern, bei denen sich jede Frau geehrte fühlen müsste, wenn sie auch nur seine Beachtung fand.

„Süße“, begann er, sie fixierend, „Dein nicht unansehnliches Äußeres kommt nur neben meinem Luxuskörper so richtig zur Geltung.“ Gespannt wartete er auf die übliche Reaktion. Ein verhaltenes Kichern, ein koketter kurzer Blick, bevor sie verlegen die Augenlider senken würde und der neiderfüllte ihrer Freundinnen folgte, die sich im Stillen fragten, warum er gerade sie und nicht irgendeine von den anderen auserkoren hatte. Doch irgendetwas stimmte nicht, denn sie zeigte keine dieser Reaktionen, mehr noch, sie reagierte gar nicht, als hätte sie ihn noch nicht einmal bemerkt. Was sollte er tun? Den wohlgeordneten Rückzug antreten? Nein, diese Blöße konnte er sich nicht geben. Deshalb trat er noch einen Schritt näher an sie heran und wiederholte seinen so ausgeklügelten Satz. Da wandte sie sich ihm endlich zu, doch auch diese Reaktion war ganz anders als vorgesehen, denn sie sah ihn an, einfach nur an, offen und unverhohlen. Mehr noch, sie musterte ihn von Kopf bis Fuß, so dass er sich wie ein Stier bei der Fleischbeschau fühlte. Sie hatte die Kontrolle, mit diesem Blick und es war offensichtlich, dass er bei dieser Prüfung durchfiel. Er spürte wie er immer kleiner wurde.

„Süßer“, erwiderte sie endlich, „Geh zurück in die Sandkiste mit Deinesgleichen spielen.“ Dann wandte sie sich wieder ihren Freundinnen zu, die ihn auch nicht weiters beachteten.

Jetzt hatte er tatsächlich eine von diesen Emanzen erwischt. Es war auch unfair. Früher, da hatte man sie sofort erkannt, an ihrem maskulinen, verbissenen Auftreten, doch jetzt verkleideten sie sich schon wie echte Frauen, heiß und sinnlich und begehrenswert. Und dann machen sie einen fertig, nur mit diesem Blick, der die Rollen umdrehte, indem sie die Kontrolle beanspruchte, sich nicht nehmen ließ, sondern nahm. Er war entmachtet, entthront, und nein, Frauen dürfen so etwas nicht.

2 Gedanken zu “Frauen dürfen das nicht

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