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Life is too short for boring stories

Es war ein milder Wintertag. Die Sonne schien und verhieß reiche Ernte. Wir hatten uns bereits um das Feld positioniert, in dem sich die Fasane, der Voliere entnommen, versteckten. Wie dumm diese Tiere doch waren. Meinten, sie hätten was davon, wenn sie sich im nächsten Feld verkrochen. Aber mir sollte es recht sein. Die Treiber standen bereit. Dann gab der Jagdführer das Signal. Langsam gingen die Treiber vorwärts. Wir folgten am Rande des Feldes, so dass unweigerlich irgendwann diese Viecher auffliegen und direkt vor den Lauf geraten müssten. Dabei konnten sie noch nicht einmal richtig fliegen. Da nahm ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung hinter mir wahr. Rasch drehte ich mich um. Ich hatte gedacht, dass wir einmal in Ruhe unserem Hobby frönen könnten, ohne diese Störfaktoren, aber da halfen wohl die innigsten Gebete nichts.

Mit Wehmut dachte ich an jenen Tag zurück, da ich einmal an einer Fuchsjagd in England teilnehmen durfte. Eine Freundin hatte mich eingeschleust. Zum Glück konnte ich reiten. Das war schon immer mein Traum gewesen. Hoch zu Ross, das Vibrieren des Pferdekörpers zwischen den Schenkeln, die Landschaft erforschend, bis die Hunde den Fuchs entdeckten und ihn jagten, hetzten, bis er nicht mehr konnte. Wie drollig war es doch, wie der Kleine um sein Leben rannte. Wir hinterher. Der Stärkere gewinnt. So ist da nun mal im Leben. Das sollte man diesen Tierrechtsaktivisten mal ins Stammbuch schreiben, die die natürliche Ordnung völlig auf den Kopf stellen. Wer das phallische Gewehr in Händen hält und zu bedienen weiß, der ist der Herr und hat das Sagen. So einfach ist es. Und auch dort war ihr eine Bewegung abseits der Gruppe aufgefallen. Hinter ihr, direkt. Ihre Freundin rief ihr zu, sie solle doch die Peitsche nehmen. Was für eine grandiose Idee. Es war eine fließende, gekonnte, ästhetische Bewegung, die Peitsche zu nehmen, auszuholen und sie diesem verdammten Tierschützer um die Ohren zu knallen. Laut gellte das Geräusch über das hügelige Land, während die Haut auf seinen Wangen aufplatzte und das Blut hervorquoll, wie zu dünne Himbeermarmelade. Dieses Gefühl der Macht und der Überlegenheit durchfuhr meinen Körper, brachte ihn zum Erbeben, mich zum Orgasmus. Ich schäme mich nicht es zuzugeben, es ist ein orgiastisches Vergnügen, zu Töten. Doch ich musste mich beherrschen. Den Fuchs zu töten war eine Sache, auch wenn die Jagd auf Füchse schon längst verboten war. Niemand wagte es der Aristokratie ans Bein zu pinkeln. Das Gesetz sind die, die die Macht haben. So einfach ist das. Überall. Bei der Tötung eines Menschen würden sie es doch ein wenig strenger sehen. Und wenn es alleine das mühsame Gerichtsverfahren war.

Hier bei der Fasanenjagd im schönen Österreich war es nicht einmal möglich mit der Peitsche zu hantieren, um diese Störenfriede zu vertreiben. Da wurde immer alles dokumentiert und gefilmt. Man durfte sich nicht den kleinsten Verstoß zuschulden kommen lassen, schon wurde man vor Gericht gezerrt. Vielleicht sollte ich nach England ziehen, dachte ich noch, während ich mich wieder dem Feld zuwandte. Im selben Moment flog ein wunderschöner Fasan auf. Präzise traf ich ihn, so dass er sofort wieder zurückfiel. Was für ein Gefühl, zu töten. Eigentlich sollte jede Frau das machen, hatte ich schon angeregt, denn wer hätte mehr Recht darauf vom Leben zu befreien, denn die, die es auch schenkten. Der liebe Gott hat uns mit einer so reichen Vielfalt an Tieren umgeben, verbunden mit dem Auftrag nach Gutdünken mit ihnen umzugehen. Es war der Auftrag sie zu beherrschen. Sie waren schließlich für uns da. Was für einen Sinn hätten Tiere sonst, als nicht darum von uns gegessen oder getragen zu werden. Vielleicht noch für unser Amüsement. Doch nichts war so schön, nichts so aufregend, wie diese Macht in Händen zu haben, diese Macht über Leben und Tod zu entscheiden. Eine Henne flog auf. Nichtssagend, bedeutungslos, viel zu klein geraten. Dafür war es nicht wert einen Schuss zu vergeuden. Mein treuer Weimaraner hatte mir inzwischen den Hahn gebracht und ich hängte ihn lässig an meinen Gürtel. Drei sollten ihm noch folgen, bevor wir im Wirtshaus einkehrten. Ich war erfüllt von der Freude und dem Hochgefühl der Natur und den Menschen einen großen Dienst erwiesen zu haben. Doch um das zu verstehen, muss man es erlebt haben. Weidwerk ist Gottes-, Menschen- und Naturdienst. Und dennoch gibt es immer noch Kreaturen, die unsere wichtige Arbeit schlecht machen. Ich konnte es nicht begreifen. Aber sei es darum, jetzt wurde gefeiert.

(Nach dem Originalbericht einer Jägerin, die nicht namentlich genannt werden will)

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