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Life is too short for boring stories

„Ich habe, glaube ich, noch nie so einen guten Kuchen gegessen“, sagte Ralph, während er sich das fünfte Stück des Kokoskuchens einverleibte. Alle sechs hatten sich in Zoes Wintergarten zusammengefunden. Liv und Nanna lagen auf dem Teppich, Zoe saß neben ihnen, während Leo, Pippa und Ralph die Couch okkupierten.

„Und der ist tatsächlich vegan?“, wollte sich Ralph nochmals vergewissern.

„Klar ist der vegan. Bei mir gibt es nichts anderes“, erwiderte Zoe lächelnd, „Gutes Essen gibt es auch völlig tierleidfrei.“

„Wenn ich das früher gewusst hätte, dann hätte ich das schon immer so gemacht“, meinte Leo, ebenfalls Kuchen kauend.

„Aber es ist gut, dass Du es jetzt weißt und machst“, meinte Zoe, „Es ist nie zu spät um damit anzufangen. Aber jetzt erzählt mir, was war mit der Klage?“

„Die Gardinenpredigt, die Sophie meinem Vater gehalten hatte, hat das offenbar bewirkt, dass er von einer Klage absah“, meinte Ralph.

„Und Deine Reaktion, dass Du für Dich eingestanden bist“, sagte Pippa, „Das war sehr mutig von Dir.“

 

„Wisst ihr was wirklich mutig ist?“, fragte Leo nun, das Stichwort aufgreifend, so dass aller Augen erwartungsvoll auf sie gerichtet waren. Nur Liv und Nanna blieben liegen, weil sie die Antwort wahrscheinlich schon kannten.

„Was Zoe macht“, verkündete Leo, „Ich meine auf die Straße zu gehen und all das, das ist mutig. Für das einzustehen, was man für richtig hält und es auch noch laut zu sagen. Sich für die Rechte derer stark zu machen, die das nicht selbst tun können. Gegen das Leid und das Elend auf der Welt. Gegen Ungerechtigkeit und Misshandlung.“

„Unsinn“, winkte Zoe ab, „Das wäre mutig, wenn wir in Saudi-Arabien wären oder in Nordkorea, aber nicht bei uns. Schließlich gilt bei uns noch immer Rede- und Meinungsfreiheit.“

„Trotzdem finde ich es ur-cool“, setzte Leo hinzu, „Ich würde das auch gerne machen.“

„Und warum machst Du es dann nicht?“, fragte Zoe rundheraus.

„Bin ich da nicht noch zu jung oder so“, erwiderte Leo verblüfft.

„So lange Deine Eltern nichts dagegen haben, sehe ich da kein Problem“, meinte Zoe.

„Dann bin ich dabei“, sagte Leo überzeugend, „Also, sobald ich wieder voll einsatzfähig bin.“

„Ich schau mir das mal an“, meinte Pippa ausweichend, „Ich möchte meiner Mutter auch mehr helfen.“

„Na dann kann ich mich wohl schwer ausschließen“, erklärte Ralph grinsend, „Und außerdem wird sonst der Überhang an Mädchen zu groß.“

 

Bereits wenige Wochen später konnte man drei neue Aktivist*innen dabei beobachten, wie sie, Seite an Seite mit den Alteingesessenen, einen Infostand in der Stadt aufbauten. Das wäre nun nicht weiters verwunderlich, wären da nicht zwei Schweine gewesen, die zwischen ihren Beinen herumwuselten, neugierig die Vorbeikommenden begrüßten und sich des Lebens freuten. Unvermittelt blieb ein älterer Herr stehen, korrekt in Anzug und Fliege.

„Gehören diese Tiere nicht an die Leine?“, meinte er sinnend, „Mehr noch, dürfen die überhaupt in der Stadt sein? Bei dem Dreck, den sie machen.“ Pippa stellte die Kiste ab, die sie in den Händen gehalten hatte, sich selbst aufrecht hin und sah den Herrn durchdringend an.

„Kein Schwein auf der Welt kann so viel Dreck machen wie ein Mensch“, entgegnete sie ruhig, um sich danach wieder ihrer Arbeit zuzuwenden. Der Herr, adrett vom Scheitel bis zur Sohle seiner handgenähten Lederschuhe, nahm einen kleinen Notizblock aus der Tasche und notierte sich:

„Ausweisung der immigrierten Schweine legalisieren“, dann steckte er seinen Notizblock wieder ein und ging weiter. Die würden ihn noch kennenlernen. Hätte Pippa anders reagiert, wenn sie gewusst hätte, dass sie gerade dem Bürgermeister der Stadt gegenübergestanden hatte? Sicher nicht, denn die Wahrheit bleibt die Wahrheit, ganz gleich wem gegenüber man sie äußert.

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