An dem Tag, an dem ich den wichtigsten Satz lernte,

Inspiriert von Kieran Halpin „Mission Bell“ von der CD „Doll“

haderte ich mit dem Schicksal, den Gegebenheiten, den Umständen und mit mir sowieso. Von all den Menschen, die ich kenne, bin ich selbst wohl diejenige, die ich am öftersten nicht mag. Dann wünsche ich mich doch schon mal zum Teufel oder an irgendeinen unnetten Ort, aber es nützt nichts. “Ich kann mir selbst nicht entkommen”, hatte schon Sartre gesagt, und er musste es schließlich wissen. Aber selbst wenn ich mit mir gerade mal auskam, so wollte ich doch nicht dort sein wo ich gerade war.

Deshalb haderte ich, nicht nur zeitweilig, sondern generell und immer, scheinbar schon aus Prinzip, und weil es mir schon gar nicht mehr auffiel. War es mir doch so selbstverständlich geworden wie das Atmen. Wenn ich etwas machte, wollte ich eigentlich etwas Anderes machen, und wenn es dann so weit war, dass ich etwas Anderes machte, wünschte ich mich zum nächsten. Wenn ich mich an einem Ort befand, wünschte ich mich an einen anderen, und wenn ich dann an diesem oder einem anderen anderen Ort war, begann ich zu lamentieren, natürlich nur im Geheimen und ganz für mich, wie schön es doch am ersten gewesen sei. So war ich an vielen Orten und tat viele Dinge, und doch tat ich sie nicht und war nicht da.

 

Es geschah, dass ich innehielt, an jenem besagten Tag, tatsächlich innehielt, und einfach da war, nicht von einem Irgendwie oder Irgendwann zurückkehrte. Da fand ich, dass ich tat was ich eben tat und war wo ich eben war. Ich bemerkte auch, dass ich nicht mehr haderte, weder mit Schicksal, noch mit den Gegebenheiten, noch mit den Umständen, ja noch nicht einmal mit mir selbst. Was ich tat, tat ich gerne, wo ich war, war ich gerne, und so war ich ausgesöhnt mit mir selbst.

 

“Ein wunderbarer Zustand, in dem ich mich befand, doch ich war noch nicht fertig, etwas fehlte noch”, meinte ich, als Du da warst und mir zuhörtest.

“Das hört sich ja alles furchtbar idyllisch an”, brummeltest Du, betont, vielleicht sogar übertrieben, auf jeden Fall herausfordernd skeptisch.

“Es war auch so idyllisch wie es sich anhört”, sagte ich lachend, und kniff Dir spielerisch in die Wange.

“Wofür war das denn jetzt?”, fragtest Du verdattert.

“Damit Du endlich aufwachst ins Hier und Jetzt”, erklärte ich, betont ernst, “Denn das Wichtigste kommt ja erst. Ich sagte doch, dass noch etwas fehlte.”

“Und was war das?”, stelltest Du doch endlich die richtige Frage.

“Es war der eine Satz, der alles zusammenfasste, kurz und bündig, der erfasste und alles beinhaltete”, sagte ich.

“Ein Satz? Bloß ein Satz?”, erwidertest Du kopfschüttelnd.

“Ja, aber nicht einfach irgendein Satz, sondern der Satz aller Sätze, zumindest in diesem Zusammenhang”, erläuterte ich.

“Würdest Du ihn jetzt bitte endlich sagen!”, sagtest Du, offenbar ungeduldig werdend.

“Es gibt keinen Ort auf der Welt an dem ich lieber wäre”, verriet ich es endlich, triumphierend.

“Das klingt doch sehr nach Fatalismus”, meintest Du nur.

“Vielleicht, wenn die Liebe zum Leben und zum Hier und Jetzt Fatalismus ist, dann soll es so sein, aber selbst wenn ich in den schlimmsten aller möglichen Situationen wäre, und mir diesen Satz denke, bleibe ich und kann es ändern. Eigentlich ist die Nicht-Akzeptanz der Fatalismus und nicht umgekehrt” , dachte ich laut weiter.

 

Es war der Moment, in dem Du mich ansahst und ich zum ersten Mal seit Langem nicht wusste wie ich Deinen Blick deuten sollte. Doch dann kam dieses jungenhafte strahlende Lächeln, das so guttut und sagtest:

“Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem ich lieber wäre.”

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