„Ich war umgeben von interessanten Tieren. Sie ‚gaben‘ alle etwas: Ein Pferd zog den Pflug, ein anderes zog den Einspänner, die Kühe gaben Milch, die Hennen gaben Eier und der Hahn war eine nützliche Alarmanlage – zu dieser Zeit hatte ich noch nicht erkannt, dass er auch eine andere Funktion innehatte. Die Schafe gaben Wolle. Ich konnte nie verstehen, was die Schweine hergaben, aber sie waren so freundliche Kreaturen – immer froh mich zu sehen.“
So beschreibt Donald Watson (1910 bis 2005) seine Eindrücke vom Bauernhof seines Onkels, auf dem er oft auf Besuch war. Er war 14 Jahre alt, als er erfuhr, was die Schweine gaben, als er mitansah, wie eines geschlachtet wurde. Er wurde Vegetarier, am Neujahrstag 1925. Da war er gerade 15 Jahre alt. Knapp 15 Jahre später, nachdem er sich darüber kundig gemacht hatte, wie die Produktion von Milch funktionierte, verzichtete er auch auf diese. 1944 gründete er gemeinsam mit ein paar Freunden eine Gesellschaft. Wie sollten sie ihren Lebensstil beschreiben? Wie ihn in Worte fassen? Donals Watsons Vorschlag war „vegan“, ein Wort, das er aus den ersten und letzten Buchstaben des Wortes „vegetarian“ zusammensetzte, also den Anfang und das Ende des Vegetarismus. Die Gemeinschaft nannte sich entsprechend „Vegan Society“. Er wurde 95 Jahre alt. Ein Meilenstein in der Geschichte der Tierrechte und -befreiung. Tiere waren nicht da, um zu geben, sondern um zu sein. Nichts weiter. Der Nutzen der Tiere, aller Tiere, war ihr Leben an sich, dessen sich niemand zu Unrecht zu bemächtigen hatte.
So gesehen ist der Veganismus tatsächlich eine junge Erfindung. Doch alle, die meinen, es sei eben bloße eine Torheit der Moderne, dem sei gesagt, es gab Menschen, die sich vegan ernährten schon seit der Antike, nur hatten sie keinen Begriff dafür. Aber nur, weil es keinen Begriff für etwas gibt, heißt das nicht, dass es das nicht gibt.
Menschen, die sich mit der Natur, dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier, also zwischen allen Tieren, will man es korrekt bezeichnen, auseinandersetzten und aus diesem Grund zu der Überzeugung gelangten, es steht uns nicht zu, das Leben zu nehmen, das wir nicht brauchen, die ungeborenen Babies zu töten, um an ihr Essen zu gelangen oder den geborenen Babies zu entfernen, um an das zu gelangen, was für sie und nicht für uns bestimmt ist. Denn keines dieser Tiere „gibt“ etwas, weder sein Leben, noch seine Arbeitskraft, weder seine Babies, noch seine Nahrung für die Babies, sie „geben“ nicht, wir nehmen es ihnen weg, wir stehlen es und eignen uns an, was uns niemals gehört hat. So sehr wir das auch juristisch zu verschleiern suchen, doch die menschengemachten Gesetze sind derart gestalten, um diese Art der Enteignung und der Unterdrückung zu legitimieren. Wir schreiben also Gesetze, um zu legalisieren, was niemals legal werden hätte dürfen.
Ausgehend vom persönlichen Erleben, der Begegnung mit Personen in einer anderen Gestalt, erkannte Donald Watson, dass es nicht notwendig war, zu nehmen. In seinem Leben, seinem Wirken sagte er nicht nur, er lebte es, dass wir sehr gut und gesund in einem Miteinander mit allen Tieren leben können. Und weil wir es können, gibt es keinen Grund es nicht zu tun.


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