Zum Internationalen Tag des Lachens
Es gibt Tage,
an denen alles funktioniert.
Der Wecker.
Der Ablauf.
Die Antworten.
Die Termine.
Alles greift ineinander,
wie es soll.
Und man selbst auch.
Man kommt durch den Tag
wie durch ein System,
das einen kennt.
Oder zumindest erwartet.
Und am Abend
bleibt manchmal etwas zurück.
Kein großer Schmerz.
Kein Drama.
Nur eine leise Frage:
War ich heute eigentlich da?
Wir leben in einer Zeit,
die uns viel ermöglicht.
Und viel verlangt.
Nicht laut.
Nicht immer sichtbar.
Aber ständig.
Sei verlässlich.
Sei erreichbar.
Sei produktiv.
Sei gut.
Und wenn du es nicht bist:
Sei besser.
Wir haben gelernt,
uns einzufügen.
In Abläufe.
In Erwartungen.
In Bilder von dem,
was ein gelungener Mensch ist.
Und irgendwann
verschiebt sich etwas.
Ganz leise.
Wir funktionieren nicht mehr nur.
Wir werden Funktion.
Selbst die Pausen
tragen plötzlich ein Ziel.
Erholung,
damit es weitergeht.
Ruhe,
um wieder zu leisten.
Nichts bleibt unberührt.
Nicht einmal das Glück.
Und irgendwo
zwischen all dem
verschwindet etwas.
Nicht ganz.
Aber genug,
um es zu spüren.
Vielleicht ist es das Lachen.
Nicht das kleine,
das man zeigt.
Sondern das,
das kommt.
Ungefragt.
Unpassend.
Unkontrolliert.
Das Lachen,
das den Moment sprengt.
Es hat keinen Zweck.
Es bringt nichts.
Es verbessert nichts.
Und genau darin liegt seine Kraft.
Wenn Menschen lachen,
fällt etwas weg.
Die Rolle.
Die Haltung.
Die Anspannung.
Für einen Augenblick
sind wir nicht jemand.
Wir sind einfach.
Das ist selten geworden.
Nicht verboten.
Aber verdrängt.
Denn eine Welt,
die alles misst,
weiß nichts anzufangen
mit dem,
was sich nicht messen lässt.
Mit einem Lachen,
das keinen Grund braucht.
Mit einem Moment,
der nichts will.
Vielleicht ist genau das
die leise Unruhe,
die viele spüren.
Nicht, dass etwas fehlt.
Sondern dass etwas
keinen Platz mehr hat.
Der Mensch ist nicht gemacht
für ein Leben
ohne Unterbrechung.
Nicht für Dauer.
Nicht für ständiges Dazwischenpassen.
Er braucht das,
was nicht passt.
Ein Innehalten.
Ein Blick.
Ein Lachen.
Nicht als Ausgleich.
Als Gegenwelt.
Denn in diesem Lachen
liegt etwas Unverfügbares.
Etwas,
das sich entzieht.
Ein kurzer Moment,
in dem nichts gefordert ist.
Und genau deshalb
alles da ist.
Vielleicht ist das
die eigentliche Vernunft.
Nicht die,
die ordnet.
Nicht die,
die optimiert.
Sondern die,
die unterbricht.
Die sagt:
Hier.
Jetzt.
Das reicht.
Und vielleicht
beginnt eine andere Welt
nicht mit großen Ideen.
Sondern mit kleinen Rissen.
Mit einem Lachen,
das nicht geplant war.
Und genau deshalb echt.
Denn solange wir lachen können,
gibt es etwas,
das sich nicht einfügt.
Und genau das
ist es,
was uns hält.

Daniela Noitz
Autorin – Aktivistin – Vegan


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