Der Kiebitz

Foto: Kiebitz - vegane österreichische Autorin aus Österreich

Zum Internationalen Tag der Vögel

Die Kiebitze sind wieder da. In einem großen Zug kamen sie aus ihren Winterquartieren zurück nach Österreich, gemeinsam mit Staren und Goldregenpfeifern, denn gemeinsam ist man stärker. Deshalb ist es auch gut, in der Kolonie zu nisten. Man kann sich helfen. Es fand sich auch recht schnell ein Acker, der optimal für die Aufzucht der nächsten Generation schien. Die Paare suchten sich eine Mulde, die ein wenig mit Gras ausgekleidet wurde. Mehr Nestbau haben Kiebitze nicht notwendig. Schließlich kann bei einem Bodenbrüter kein Ei zu Boden fallen. Aber dafür gibt es andere Gefahren. Als die Eier, in Tarnfarbe, so dass sie sehr schwer erkennbar sind, in den Nestern lagen, streunte ein Fuchs herum. Ein hungriger Fuchs, was diese befellten Tiere meistens sind. Zunächst wurde er von den Vögel misstrauisch beobachtet. Die nächste Eskalationsstufe war ein Warnruf, aber als der auch nichts nutzte, gingen die Vögel gemeinsam auf den viel größeren Feind los. Und siehe da, es klappte. Der Fuchs lief davon und suchte sich woanders was zum Essen. Was für eine Aufregung, doch es ging gut aus.

Gerade als die Bodenbrüter dachten, das Schlimmste wäre überstanden, hörten sie ein anderes Geräusch. Es kam nicht von einem Tier, sondern von einer Maschine. Diese kam genau auf die Stelle zu, an der das Nest war. Verzweifelt flogen die Eltern auf und versuchten das heranrollende Ungetüm zu vertreiben, doch der Lärm übertönte ihre Rufe. Sie mussten hilflos zusehen, wie ihre Eier zermalmt wurden.

Nein, nicht der Fuchs ist das Problem, dass die Kiebitzpopulation in den letzten 25 Jahren um 50% eingebrochen ist, sondern die industrielle Landwirtschaft. Doch nicht nur die schweren Maschinen, die die Gelege direkt zerstören, weil Kiebitze gerne auf Ackerflächen ihre Nestmulden anlegen, sind problematisch. Mehr noch ist es das zurückdrängen von Wiesen, Mooren und Flussniederungen. Begradigung, Entwässerung und Intensivierung des Anbaus führen dazu, dass die feuchten Böden, die die Kiebitze brauchen, um darin nach Insekten, Würmern und kleinen Wirbellosen zu stochern, immer weniger werden. Und wo das Nahrungsangebot schwindet, dort schwinden die Vögel. Beim Kiebitz wird es besonders deutlich, wenn er auch nicht der einzige Vogel ist, der seines Lebensraumes beraubt wird. Dennoch meinen wir, es gäbe keine Alternative zur Intensivnutzung der Böden, Ausweitung von Ackerland und damit einhergehender Verdichtung und Austrocknung. Die Natur wird ihrer Eigenart beraubt, ihrer Besonderheit, um dem Menschen noch mehr zu dienen. Nicht nur als landwirtschaftliche, sondern auch als bebaute Flächen. Was nicht reguliert ist, wird es früher oder später. Was nicht bebaut ist, wird es früher oder später. Was nicht für Monokulturen vernutzt wird, wird es früher oder später. Meist früher als später. Und das trifft letztlich den Menschen, der sich an der Spitze der Nahrungskette wähnt, wobei er vergisst, wer an der Spitze steht, ist abhängig von allen davor, angefangen bei den Regenwürmern und anderen Insekten in der Erde bis hin zum Homo Sapiens. Tote Böden bringen keine Erträge, aber auch kein Futter für andere Tiere. Wenn der Boden stirbt, stirbt letztlich der Mensch.

Doch immer noch sehen zu wenige die Zusammenhänge und verspotten Menschen, die sich für solche Tiere einsetzen als Ökospinner, die bloß dem wirtschaftlichen und technischen Fortschritt im Weg stehen. Oftmals geht es um Land, das die Eigentümer*innen so nutzen wollen, wie es ihnen beliebt. Wahlweise, weil es ja alle so machen und es keinen Unterschied macht, wenn ich etwas ändere oder weil es auf mich ja nicht ankommt. So wie es wichtig ist, genügend zusammenhängende Brutgebiete für den Kiebitz bereitzustellen, damit die Kolonie gemeinsam effektiv gegen Feinde wie den Fuchs vorgehen können, ist es dringend notwendig, dass man über den Zaun des eigenen Grundstücks hinaussieht und gemeinsam Lösungen findet, die die Natur so schützen, dass auch unsere Kinder noch gesunde Nahrung bekommen können. Und das darf auch die interessieren, die selbst keine Kinder haben, außer man ist ein Egomane, den nur das eigene Fortkommen interessiert. Aber davon gibt es zum Glück (hoffentlich) nicht allzu viele.

Die Anzahl der Kiebitze hat sich in den letzten 25 Jahren um 50% verringert und wenn wir genauso weitermachen wie bisher, dann wird es keine 25 Jahre mehr dauern, bis wir ihn nur noch in Lehrbüchern oder Filmen finden. Das Verschwinden dieses Vogels passiert lautlos, wie das tausender anderer Arten. Und es spielt eine Rolle, auch wenn ich nicht direkt im Moment davon betroffen bin, es spielt eine Rolle für die Zukunft der gesamten Natur, aller Pflanzen und Tiere, zu denen auch der Mensch zählt. Der einzige Unterschied zwischen dem Menschen und anderen Tieren ist, dass er es in der Hand hat, ob die Zerstörung ungebremst weitergeht oder angehalten wird.

Und ich würde mir wünschen, dass auch meine Enkelkinder noch Kiebitze sehen. Deshalb ist er die beste Wahl für den Vogel des Jahres 2026. Rücken wir ihn in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und machen ihn bekannt. Nicht nur, weil er ein schöner Vogel ist, sondern vor allem, weil er einen wichtigen Beitrag für eine intakte Natur bedeutet.

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