Zum Welttag für das Ende des Fischereiwesens
Der Fisch. Er schwimmt. Er ruht. Er isst. Er findet eine Partnerin. Er freut sich seines Lebens.
Dann wird er gefangen.
In einem riesigen Netz.
Gemeinsam mit vielen anderen Wasserbewohnern.
Das Netz wird eingeholt.
Das Gewicht der Mitgefangenen drückt ihn zusammen.
Er beginnt zu röcheln.
Ihm geht die Luft aus.
Er erstickt.
Langsam.
Vielleicht erst auf dem Deck.
Das Netz wird darauf entleert.
Die Arbeiter gehen herum.
Sie treten auf Holz oder auf Fische.
Es macht für sie keinen Unterschied.
Die Atemnot, die harte Sohle.
Die Verzweiflung.
Ein langsames, leidvolles Sterben.
Am Ende wird er gegessen.
Der Fisch. Er schwamm. Er ruhte. Er aß. Er fand sich eine Partnerin. Er freute sich seines Lebens.
Dann wurde er grausam ermordet.
Der Mensch. Er geht. Er ruht. Er isst. Er findet sich eine Partnerin. Er freut sich seines Lebens.
Er geht auf den Markt und kauft den Fisch.
Oder er bevorzugt den Supermarkt
Der Fisch ist tiefgekühlt.
Nichts erinnert mehr daran, dass er lebte.
Am Markt nicht und auch nicht im Supermarkt.
Der Mensch muss essen.
Omega 3 ist so gesund.
Deshalb bereitet er den toten Fisch zu und isst ihn.
Das Omega 3 ist nicht im Fisch.
Es ist in den Algen, die der Fisch gegessen hat.
Der Mensch könnte Algen essen.
Das will er nicht.
Das ist eklig.
Einen Kadaver essen ist nicht eklig.
Wenn man es ihm nicht ansieht.
Manche stört es auch nicht, wenn man es ihm ansieht.
Er muss schließlich auch von etwas leben.
Als hätte er keine Alternative.
Keine Wahl.
Es schmeckt ihm.
Das Schmecken wurde ihm beigebracht.
Auch die Ausreden fürs Essen von Toten.
Nur nicht seinesgleichen.
Oder denen, die er zu solchen erklärte, die man nicht essen darf.
Es gibt solche Lebewesen, die er isst.
Und solche, die er nicht isst.
Eingeteilt hat er das selbst.
Es gibt weder Plan noch Logik dahinter.
Fische isst der Mensch.
Seepferdchen nicht.
Schweine isst der Mensch.
Hunde nicht.
Enten isst der Mensch.
Raben nicht.
Hühner isst der Mensch.
Papageien nicht.
Biber isst der Mensch.
Meerschweinchen nicht.
Frösche isst der Mensch.
Kröten nicht.
Er hat es so beschlossen.
Deshalb muss es richtig sein.
Auch weil die Zeit vergeht.
Was man lange so gemacht hat, wird zur Norm erklärt.
Niemand hinterfragt es.
Oder nur wenige.
Der Mensch. Er geht. Er ruht. Er isst. Er findet sich eine Partnerin. Er freut sich seines Lebens.
Er stirbt auch.
Aber nicht, weil ihn jemand fängt, der ihn verspeisen will.
Aber es ist nicht nur ein Fisch.
Es sind Billionen.
Man nimmt sich nicht die Zeit, Individuen zu zählen.
Man wägt sie.
Tonnenweise tote Wasserbewohner.
Zusammengepfercht in Aquakulturen.
Zigtausende auf engstem Raum.
Aquakultur ist Massentierhaltung im Wasser.
Als verantwortungsbewusst wird es angepriesen.
Verantwortungsbewusst ist höchstens die Gabe von Antibiotika.
Anderen Medikamente.
Sie zumindest so lange am Leben zu halten bis sie zum Ermordet werden groß genug sind.
Damit sich das Investment lohnt.
Verantwortungsbewusst höchstens gegenüber den Kapitalgebern.
Wenn es jemand anders versteht, selber schuld.
Bald gibt es kein Leben mehr im Meer.
Viele andere Gewässer sind tot.
Es wird auch uns einholen.
Später.
Zu spät für die Billionen an Lebewesen.
Beraubt ihrer Freiheit.
Ihres Lebens.
Bis dahin lassen wir es uns schmecken.
Weil es schon immer so war.
Weil der Mensch immer schon ausbeutete, unterdrückte und tötete.
Das mag stimmen.
Aber noch nie hatte er diese technischen Möglichkeiten.
Billionen Leichen finden sich auf seinem Weg.
Und in seinem Magen.
Der Mensch braucht es nicht, das fremde Leben für sein eigenes.
Der Fisch braucht sein Leben, denn er hat nur das eine.
Der Mensch bildet sich ein, einteilen zu dürfen, ein Urteil zu fällen.
Der Fisch will nicht urteilen, nur seinen Weg schwimmen und tun, was Fische tun.
Der Mensch fühlt sich stark und groß, wenn er andere ausbeuten, drangsalieren und für seine Zwecke missbrauchen kann.
Der Fisch will sich entfalten, wie es Fische tun.
Der Mensch nutzt sein Denken, um die Ausbeutung immer effizienter zu gestalten.
Der Fisch nutzt sein Denken, um einfach Fisch zu sein.
Nicht der Mensch ist überlegen.
Der Fisch und alle anderen Spezies sind es.
Denn der Mensch kann nicht einmal einfach leben.
Er muss den größtmöglichen Schaden anrichten.
Der Mensch ist der größte Parasit auf dieser Erde.
Und der Fisch?
Er will schwimmen. Er will ruhen. Er will essen. Er will eine Partnerin finden. Er will sich des Lebens freuen.
Das ist alles.
Und doch viel mehr, als der Mensch zustande bringt.


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