Dürfen

Bild: Dürfen - Daniela Noitz

Menschen wissen, was sie dürfen. Noch besser, was sie nicht dürfen. Man darf sich eine Arbeit suchen und wenn man sie gefunden hat, dann darf man dieser nachkommen. Dafür darf man Geld beziehen. Weil man etwas verkauft. Seine Arbeitskraft. Deshalb ist man eigentlich Arbeitgeber. Auch wenn immer die Rede davon ist, dass der, der die Arbeitskraft kauft der Arbeitgeber ist. Dabei gibt er nicht Arbeit. Wäre unsinnig. Es geht viel Unsinn um. Dennoch wird es immer nachgesprochen. Niemand stößt sich daran. Na ja, fast niemand. Bloß so ein paar linkslinkslinke Schwurbler. Die möchten immer die Dinge richtig stellen. Sie nennen die, die ihre Arbeitskraft verkaufen Arbeitgeber. Und die, die sie kaufen Arbeitnehmer. Das mag nett sein. In ihrer Blase. Aber ansonsten versteht das keiner. Und man kann doch nicht die Sprache ändern, also die Ausdrücke, an die wir uns über Jahrhunderte, gefühlt Jahrhunderte, gewöhnt haben. Nur weil es stimmt.

Aber bleiben wir bei dem Menschen in einer freien Gesellschaft, in der man fast alles darf. Man hat also einen Arbeitsplatz. Darauf könnte man sich einigen. Einen Platz, an dem man seine Arbeit verrichtet. Das kann ein Büro sein oder ein Geschäft oder eine Fabrik. Aber auch die Straße oder eine Baustelle. Sogar zu Hause kann das sein. Also das Heim des Menschen. Wenn er Heimarbeit macht, Arbeit vom Heim aus. Dafür erhält der Mensch Geld. Das Geld braucht er, weil er dann noch mehr darf. Er darf sich Dinge anschaffen. So wie ein Heim. Oder, wenn er nicht genug von diesem Geld hat, es sich ausborgen. Quasi. Man nennt es beim Heim nicht ausborgen, sondern mieten. Der Mensch gibt dem, dem das Heim, das er sich vorübergehend zur Nutzung, also zur Wohnnutzung borgt, das Geld, das er verdient, weil er arbeitet. Der Vermieter nimmt das Geld, weil er ja etwas dafür gibt. Er darf das nehmen. Wie viel er dafür nimmt, das legt er fest. Das darf er. Der, der sich das Heim borgt, darf auch aussuchen. Wenn ihm die Miete, die er zu zahlen hat, zu hoch ist oder auch zu niedrig, dann darf er sich dafür entscheiden, einen anderen Vermieter mit anderen Angeboten zu suchen. So wie der Vermieter den, der mieten möchten, nicht nehmen muss, wenn er meint, er könne die Miete nicht zahlen. Das nennt sich freier Markt. Aber wenn man sich einigt, der der das Heim zur Verfügung stellt und der, der das zur Verfügung gestellte in Anspruch nimmt, schließt man einen Vertrag. Dann gibt der Mieter dem Vermieter jeden Monat Geld, einen Teil von jenem Verdienst, das er erhält, weil er seine Arbeitskraft verkauft. Aber der Mensch braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf und ein paar Wände um sich und was eben sonst noch alles aus einem Gebäude bewohnbaren Raum macht, der auch Sicherheit schenkt. Bis zu einem gewissen Grad. Einbrecher können einbrechen. Polizisten können sich gewaltsam Zutritt verschaffen. Die Einbrecher dürfen es nicht, tun es aber trotzdem. Oftmals aus ebenfalls nachvollziehbaren Gründen. Aber das darf man nicht gelten lassen, denn eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn man nur das tut, was man darf. Und das lässt, was man nicht darf. Die Polizei darf, was ein Einbrecher nicht darf, nämlich einbrechen, unter gewissen Umständen. Z.B. wenn der Verdacht begründet ist, dass es sich um einen Verdächtigen handelt, der diese Wohnung in Anspruch nimmt. Auch das Recht, die Türe zu verschließen. Die Exekutive bricht die Türe auf. Das darf sie bei eben jenem begründeten Verdacht. Und wenn sich der Verdacht als unbegründet herausstellt, dann war das eben ein Versehen. Die Exekutive durfte sich entschuldigen. Aber sie musste nicht. Schließlich kann man nie wissen. Aber der Mensch, der arbeitet, um Geld zu verdienen, damit er dem Vermieter was zahlen konnte und dem Supermarkt, bei dem er die Lebensmittel kaufte und dem Energiekonzern für den Strom und noch manches andere. Auch die Exekutive zahlt er mit den Steuern, die von dem, der seine Arbeit nimmt, pardon, dem er die Arbeitskraft geben darf, gleich einbezieht. Trotzdem können Fehler passieren. Da darf man sich nicht beschweren. Aber man darf als braver Bürger arbeiten, zahlen und sich freuen, dass es die Exekutive gibt. All das darf man. Wie schön es doch ist, in einem freien Land zu leben, in einem Land, in dem man das Dürfen darf.

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