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Life is too short for boring stories

„Lass Dich gehen“, fordere ich Dich auf.

„Wohin?“, antwortest Du postendend, „Ich bin doch gerade erst gekommen. Jetzt schickst Du mich schon wieder weg?“

„Lass Dich gehen …“, überlege ich, „Drei kleine Wörter, einfach so hingesagt in der festen Überzeugung, dass die Bedeutung eindeutig ist, und doch, sie ist es nicht.

Lass Dich gehen – ob hin oder her? Dahin oder dorthin? Weg oder zurück? Ist denn unbedingt eine räumliche Bewegung gemeint? Natürlich, es ist möglich, die innere Bewegung gepaart mit einer äußeren.

Lassen – frei lassen, los lassen, sich hinwegsetzen über die Barrikaden im eignen Kopf, dieses kleine Männchen, das einem ständig zuflüstert was man tun kann und was nicht, was legitim ist und was nicht, was sich gehört und was nicht, dieses kleine Männchen, das einem irgendwann eingepflanzt wurde, Tag um Tag mit vehementen Nachdruck, dieses Männchen zum Schweigen zu bringen, ja, drastisch genug, es zu morden, dass es endlich Ruhe gibt, wenn es denn nicht genügt es zu fesseln und zu knebeln, dass das Lassen endlich zum Zug kommt, dass ich mich wirklich lassen kann, frei lassen, gehen lassen, tun lassen und leben lassen, so wie es sein sollte, so wie es sein könnte. Wie viele Ideen, wie viele Pläne, wie viele Möglichkeiten wurden durch einen kleinen Wink dieses Männchens, bloß einen kleinen Wink, zu Nichte gemacht.

 

Mich – selbst zu sein. Endlich nicht zu fragen, was die anderen von mir wollen, was sie an Anforderungen und Aufforderungen an mich herantragen, sondern zu hören, auf das, was ich für mich selbst will. Mich selbst, ungeschönt und demaskiert, durchzudringen, zu meinem eigenen Wollen und Wünschen, zu mir selbst. Wie weit sind wir uns doch selbst entfremdet? Wie weit haben wir uns entfremden lassen? Wir sehen auf uns selbst, kurz, immer nur ganz, ganz kurz, doch wenn wir mal bereit sind ein wenig genauer hinzusehen, dann merken wir recht schnell, wie viel von dem da ist, was nicht wir selbst sind. Wie auf einer Müllhalde, auf der jeder, bei dem wir es zulassen, seinen Müll ablädt und uns erklärt, dass das zu uns gehört, dass das wir selbst sind, so lange, bis wir es selbst glauben, bis wir unser Selbstbild dem anpassen, was uns andere aufstecken. Radikal zu entrümpeln, und nur das zu lassen, nur das anzuerkennen, was in diesem Bild wirklich stimmig ist, endlich wieder zu finden, was dieses Selbst ausmacht.

 

Gehen – sich bewegen, an den Ort, an den Du sein möchtest, den Ort, an dem Du Dich wohl fühlst, und nicht an den, an den wir gestellt werden. Und auch wieder verlassen zu dürfen, wenn es Dir zu eng wird, wenn Du Dich nicht mehr wohl fühlst, wenn Du Dich vereinnahmt und ausgenommen fühlst. Aber auch Deine Gedanken gehen zu lassen. Das Wagnis auf Dich zu nehmen sie unzensiert bis zu Ende zu denken. Niemand vermag zu sagen wo die Gedanken enden, wohin sie Dich selbst führen. Vielleicht gefällt es Dir auch gar nicht, wohin sie Dich führen. Vielleicht entdeckst Du Seiten in Dir, die Dir gar nicht zusagen, aber wie kannst Du es wissen, wie kannst Du es ändern, wenn Du es nicht zulässt dort anzukommen? Gehen lassen, ohne Einschränkung und ohne Rücksicht, auch nicht auf Dich selbst.

 

Lass Dich gehen – das ist der Weg zur Eigentlichkeit des Selbst und zur Authentizität, dann ist es das Leben selbst, das uns plötzlich wieder zuspricht.

 

Und dann erst, erst dann, an diesem Punkt, weißt Du, ob es Dir gut tut zu bleiben, bei mir oder bei irgendjemand anderen.

 

Und dann erst, erst dann, an diesem Punkt, weiß ich, ob es mir gut tut zu bleiben, bei Dir oder irgendjemand anderen.“

 

„Lass ich mich gehen – kann sein, im Bleiben oder im Gehen“, vollendest Du den Gedanken.

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