Sich im Leben verlieren

Sich im Leben verlieren – Aktivismus

Da war nichts weiter, als Du und ich, das Land und die Möglichkeiten. Sie wiederzufinden, nach langer Zeit, sich zu halten, um nicht verloren zu gehen, nicht in den Erinnerungen und nicht in der Schwammigkeit einer Zukunft, die so offen wie gewohnt, ungewiss wie vorhersehbar ist, zumeist. Das Vergangene als das Bekannte. Unser Vergangenes. Wir waren dabei. Auch, wenn wir es nicht deckungsgleich in Erinnerung haben. Schließlich ist es immer je Dein und mein Erleben. Aber man kann es zusammenführen, indem man redet, darüber und auch über uns. Es ist nicht mehr wichtig, außer als das Vorspiel zu einem Miteinander, das ein Vertrautsein und Kennen voraussetzt, das in diesem Damals gegründet wurde.

Die Zukunft als etwas, das wohl keine weiteren Überraschungen bereit hält. Es ist davon auszugehen, weil es diese schon lange nicht mehr gibt. Was die Träume und die Wünsche, die Hoffnungen und die Sehnsüchte nicht ausschließt. Es gibt so vieles, was unvorhersehbar bleibt. Auch an Begegnungen, wo man sie nicht mehr erwartet. Möglichkeiten, an die man nicht mehr geglaubt hat. Verführerisch sich diese vorzustellen, wobei die Vorstellung oftmals die Gelegenheit verbaut, die sich tatsächlich ergibt, weil sie sich nicht mit unseren Vorstellungen deckt und deshalb nicht erkannt wird. Deshalb muss man sie nicht lassen, sondern offen bleiben für das Unvorhersehbare und deshalb nicht Vorstellbare. Aber auch das tut nichts zur Sache.

Es ist das Jetzt das zählt. Du und ich in diesem Jetzt, das wir uns zu unserem erkoren haben. Ein paar Tage nur, aber das ist nicht spürbar, wenn man nicht daran denkt, wenn man sich nicht wieder heimlich davonstiehlt aus dem Jetzt, in das, was kommen wird, in das was war. Ankommen. Eine Umarmung. Gemeinsam Kaffee trinken. Durch die Straßen flanieren. Wo gehen wir hin? Egal, wir gehen und schauen und reden und lachen und scherzen. Wir fühlen uns wohl. Du mit mir. Ich mit Dir. Weil es das ist, was zählt, gerade weil es sonst nicht gefragt ist. Ich entdecke etwas, was ich interessant finde. Ich weise Dich darauf hin. Du siehst etwas in der Menge der Eindrücke. Du machts mich darauf aufmerksam. Es erinnert mich an. Es erinnert Dich an. Du erzählst mir davon. Auch davon, vor allem davon, was es mit Dir gemacht hat und warum es jetzt relevant ist. Es ist ein Unterschied den Weg zu verfolgen von diesem Menschen, der Du damals warst und das erlebtest, was Du erzählst, und der, der Du heute bist und erkennst, was es für Dich verändert hat. Du bleibst und beginnst zu verstehen. Es ist die Gewissheit, angenommen zu sein, die es ermöglicht, dass Du Dich öffnest. Im ersten Schritt Dir selbst. Dann auch mir. Es gibt keine Zweifel mehr. Anfangs ist es noch ein gewisses Unwohlsein, das Deine Öffnung zu mir begleitet. Aber nach und nach gewinnst Du an Sicherheit. Es gibt Dinge, über die Du nicht sprichst, weil sie Dich verletzlich machen. Du weißt, ich werde es nicht ausnutzen. Du wirst sicherer. Es tut gut, sich anzuvertrauen. Du suchst meinen Blick und findest ihn zugewandt. Da gibt es keine Vorwürfe, keine Besserwisserei, keine Beurteilung, die immer schon eine Verurteilung ist, sondern nur Annahme, die Dir bestätigt, dass es richtig war, Dich mir näher zu bringen. Es ist auch der Schmerz wieder da, aus jenem Damals, aber Du findest ihn abgefangen, ein wenig abgemildert. Du erlebst, dass eine Versöhnung möglich ist, auch mit Dir in diesem Damals. Es ist nicht mehr zu ändern, aber es besteht die Möglichkeit, sich auszusöhnen, Ruhe zu finden, indem Du es mir vermittelst. Es führt zu einem tieferen Verstehen, auch Deiner Selbst. Anzuerkennen, dass Du wohl keine andere Wahl hattest, damals zumindest. Und zuletzt nehme ich Dich in die Arme. Oder Du mich? Oder wir uns? Es ist letztlich egal, so lange wir uns gehalten wissen, uns stärken, in diesem Jetzt, das nur uns gehört und in dem wir uns schrankenlos verlieren, so wie in das Leben, diese Tage des gemeinsamen Lebens, das sich fügt und doch etwas Besonderes bleibt. Auch danach.

Es ist gut, uns im Leben zu verlieren, ohne verloren zu gehen, da wir uns halten, auch im Verlieren in eine Versöhnung und eine Annahme, ineinander.

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