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Life is too short for boring stories

Eigentlich. Doch das Eigentlich des Genügens führt unweigerlich zu einem Uneigentlich. Sacht nahm er ihre Arme von seinen Schultern und setzte sich auf. Strahlend wie der junge Frühling und der Mond im Winter waren ihre Augen, bezaubernd wie ihr Lächeln. Als hätte ihr das Leben noch niemals übel mitgespielt. Wenn er sich darin verlor, dann könnte er vielleicht auch daran glauben, dass es sein könnte. Oder betörend wie eine Sirene, die die Männer ins Verderben stürzt. Zaubererin oder Hexe, Elfe oder Schlange, Gedeih oder Verderb, schoss es ihm durch den Kopf. Es war nicht leicht sich zu entziehen, dem Liebreiz und der Weiblichkeit. Nein, es war etwas Anderes. Überbordende, unbedingte Lebensfreude. Vielleicht könnte man es tatsächlich Liebe nennen. Dieses unausgesprochene Versprechen, all das zu umarmen, das sie an Lebendigkeit umgibt, mit aller Intensität und Leidenschaft. Doch er riss sich zusammen. Mühsam schluckte er. Seine Mund fühlte sich trocken an, so wie seine Lippen. Es war doch ein wenig unerwartet gekommen. Und plötzlich wurde ihm seine Verantwortung in vollem Umfang bewusst. War es Torheit oder Durchtriebenheit? Dabei wirkte sie als könnte sie kein Wässerchen trüben. Natürlich, das könnte täuschen, aber er war sich sicher, dass es nur einen gab, vor dem er sie schützen musste, letztendlich, vor sich selbst.

„Du traust Dich ganz schön was“, meinte Christian kopfschüttelnd, weil er sich immer noch nicht sicher war wie er ihr Verhalten deuten sollte.

„Du meinst, weil ich mich wie ein kleines, naives Schaf in die Höhle des Löwen begebe oder wie die Jungfrau in die Fänge des Drachen?“, erwiderte Martinique, ohne von ihrem Lächeln zu lassen, in dem er auch ein wenig Nachsicht vermutete, bildete er sich zumindest ein.

„Wenn Du es so ausdrücken willst“, erklärte er, während er sie amüsiert betrachtete, „Die Dame hat wohl einen leichten Hang zur Dramatik.“

„Wenn Du es so nennen willst“, meinte sie achselzuckend.

„Nun, das ist wohl ein typisch weiblicher Zug, und ich mag Mädchen, die typisch weibliche Züge an den Tag legen.“

„Kann das sein, dass Du ein klein wenig sexistisch bist?“, fragte sie, wie aus der Pistole geschossen.

„Überhaupt nicht“, erklärte er, „Ich wüsste nicht was daran sexistisch sein soll. Ich kann nur sagen, dass es gewisse Dinge gibt, die Frauen eher zu tun geneigt sind als Männer. Das ist alles. Außerdem finde ich es sehr erfreulich, wenn Frauen zu ihrer Weiblichkeit stehen, denn sonst gäbe es keinen Unterschied, der es erst ermöglicht, dass Frau und Mann sich ergänzen.“

„Im besten Fall“, setzte sie hinzu.

„Auch noch im zweit- oder drittbesten Fall“, ergänzte er augenzwinkernd, „Aber es ist trotzdem ein wenig verwegen von Dir Dich einfach so verschleppen zu lassen.“ Und sie spürte die Sorge aus seinen Worten, „Zumal, da Du mich gar nicht kennst. Und nicht weißt ob ich die Situation ausnutze.“

„Nein, ich weiß es nicht. Und ich kann es nie wissen. Jetzt nicht und nicht in vielen Jahren. Jetzt nicht, da ich Dich nicht kenne und auch nicht in vielen Jahren, wenn ich Dich vielleicht kenne, vorausgesetzt Du gibst mir die Chance Dich zu kennen“, erklärte sie zustimmend, um seine Aussage dennoch zu verwandeln, „Wissen im Sinne von Vorhersehbarkeit und Absicherung, aber es gibt ein Wissen, das Jenseits all dessen liegt, eine Gewissheit, die sich mir spricht, weil Du Du bist, quasi als Vertrauen in das, was Du Dir selbst zutraust. Doch was, wenn wir das Vertrauen nicht hätten? Niemals könnte ich Dich kennen lernen, wenn ich Dir nicht ein gewisses Vertrauen entgegenbringe, so wie Du übrigens auch mir.“ Da erst wurde ihm bewusst, dass auch sie durchaus Hintergedanken haben könnte.

„Wie oft wurde schon jemand verleumdet“, nahm sie seine Gedanken vorweg, „Niemand kann es wissen, was Du mit mir getan hast. Ich könnte behaupten was ich will. Alles was sie sahen war, dass Du mich mit Dir mitgenommen hast. Betäubt vielleicht.“

„Das kann natürlich sein“, gab er unumwunden zu, „Und trotzdem, ich kann es mir nicht vorstellen.“

„Siehst Du, aber wissen kannst Du es ebenso wenig“, fügte sie hinzu, ohne ihr Lächeln zu verlieren.

 

Nein, sie hatte sich nicht getäuscht. Er kehrte vielleicht gerne die raue Seite hervor, aber es gab vieles dahinter, was es wert war entdeckt zu werden. So wie die Art sie zu küssen. Unvermittelt zog sie ihn an sich und ließ ihre Lippen mit den seinen verschmelzen, abermals, und es fühlte sich nach mehr an, mehr als noch wenige Minuten zuvor. Es ist gut aufeinander zu zugehen.

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