Endlich hatte der kleine Konrad, der nun nicht mehr klein war, sondern ein Jäger-Konrad, alles was er brauchte. Natürlich war er nicht körperlich gewachsen, aber an Ansehen, zumindest außerhalb des eigenen Hauses, aufgenommen im Kreis der Jägerschaft. Er hatte also sein Gewehr, ein Revier, in dem er jagen durfte und zwei Hunde, die für die Baujagd geeignet waren. Damit sie das aber wirklich gut beherrschten, mussten sie trainiert werden. Natürlich stammten sie von einem erstklassigen Züchter, der nur die weitergab, die ihre Jagdinstinkte voll zur Entfaltung gebracht hatten, während die anderen, nun ja, geerntet oder entnommen wurden. Jedenfalls waren sie danach nicht mehr am Leben. Auch das gehört zur natürlichen Auslese dazu. Meinte zumindest der Züchter und seine Anhänger. Denn ein Gebrauchshund ist nun mal zum Gebrauch da und wenn er für diesen Gebrauch nicht gebrauchstauglich ist, kann man ihn für nichts gebrauchen, womit er automatisch seine Existenzberechtigung verwirkt.
Aber der kleine, bewaffnete Konrad hatte zwei vorbildlich ausgebildete Jagdhunde, nur mussten sie noch speziell auf die Baujagd getrimmt werden. Deshalb brachte er die beiden Burschen zu einer Schliefenanlage, in der die Hunde sich bei einem eingesperrten Fuchs abarbeiten können, bevor es hinaus ging ins Freie, in das wahre Leben. „Wie schön ist es doch zu beobachten, wie die beiden Racker sich furchtlos auf den Fuchs oder Dachs stürzen“, dachte Konrad, nachdem er Sepp und Wasti in den Bau einer Füchsin geschickt hatte, die gerade vier Junge versorgte, „Wie sie sich wehrt, aber die Hunde kennen kein Pardon. Und dann, wenn die Füchsin tot ist, dann muss ich halt leider auch die Kleinen erschießen. Ich bin ja schließlich kein Unmensch oder soll ich etwa zusehen, wie die Kinder verhungern, weil die Mama halt leider gestorben ist.“ So machte er es, mit den Füchsen. Schade eigentlich, wenn er nur einen erwischte. Aber dafür gab es, als Ausgleich sozusagen, im Herbst die Treibjagden, bei denen scharenweise Füchse und Hasen und Enten und Rebhühner erlegt werden. Das hat schon was von Tierschutzgedanken. Da werden gleich so viele entnommen, dass man sie dann eine Zeitlang in Ruhe lassen kann. Trotzdem gibt es auch da große Aufregung. Dabei ist es doch so schonend, einmal Angst und Panik und dann die Erholungspause. Ab und an wird ein Treiber getroffen, manchmal geht ein Schuss daneben, aber das Tier, das dann noch angeschossen weiterlebt, dient anderen Raubtieren als Nahrung. Man muss ja nicht weiters darüber nachdenken, dass das Blei, das ihren Körper durchsiebt hat, auch denjenigen tötet, der dieses Tier frisst. So genau muss man nicht sein. Munition ohne Blei kostet so viel mehr. Und dann kommen noch die Bauern, die meinen, wir seien schuld, dass die Mäuse zur Plage werden, weil wir die Füchse schießen. Ganz ehrlich, wozu haben sie das ganze Giftzeug? Ist auch viel effizienter als der Fuchs, wobei wir wieder beim Ausgangspunkt sind, Füchse sind Raubzeug und müssen geschossen werden. Sonst klopft er nächstens an ihrer Haustüre an und verschlingt sie mit Haut und Haaren. Ja, das stimmt, hat der kleine, bewaffnete Konrad aus gut informierten Jägerkreisen gehört. Und das muss stimmen. Jäger sagen schließlich immer die Wahrheit. Also zumindest ihre Wahrheit.
Glücklich und zufrieden kam Konrad an dem Abend mit den fünf toten Füchsen am Bund, von den Hunden umsprungen, nach Hause. Sofort ging die Schimpftirade an. Resi war nämlich der Meinung, dass tote Füchse nichts im Haus verloren hätten und er solle den Dreck wegräumen und vieles mehr. Er lud nochmals durch und erschoss seine Frau. Dann war endlich Ruhe. Das gab zwar eine ziemliche Sauerei in der Küche, aber er trank sein Bier im Wohnzimmer. Das störte nicht. Der einst kleine Konrad war zwar immer noch klein, sowohl körperlich als auch mental, aber er hatte seiner Frau bewiesen, dass er sich durchsetzen konnte. Nie wieder würde sie ihn ankeifen oder widersprechen. Die nächsten Jahre verbrachte er zwar im Gefängnis, aber als er dasselbe wieder verließ fühlte er sich dennoch erhaben. Der Jagdschein war ihm zwar abgenommen worden, wobei er nicht verstand warum, denn er war immer ein guter Jäger gewesen. Und an dieses Märchen glaubt er auch heute noch, das Märchen vom guten Jäger.

