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Life is too short for boring stories

Wiederum folgen sie der Treppe, immer weiter hinauf, bis sie ausläuft in eine satte, grüne Wiese, bis sie den Turm hinter sich lassen.

Hier führt der Weg weiter, ein Weg, der sie so viele Hindernisse überwinden ließ, der von einem fraglos selbstverständlichen in ein bewusst bejahtes, erobertes Miteinander geführt hatte, den Weg, den der Zufall beginnen ließ, wo sie sich trafen, wie man sich eben so trifft, ohne betroffen zu sein, wo man die Tür einen Spalt breit öffnet, ohne sich wirklich einzulassen.

An so vielen Stellen dieses Weges hätten sie eine andere Richtung einschlagen können, doch sie taten es nicht, überwanden die Hindernisse, weil sie eines wollten, bewusst und willentlich beieinander ankommen, weil sie sich Ankunft und Annahme sein wollten.

Wie viel freier atmet es sich doch, hier auf der Weite der Wiese, außerhalb des gemauerten Gebäudes?

Wie viel klarer sind der Blick und die Gedanken?

Wie viel inniger ist das Zueinander nach all der Enge?

Sie nehmen sich in den Arm, Schatten der Vergangenheit abstreifend und hinter sich lassend.

Nähe zulassend, ohne sie einzufordern, Miteinander wollend, ohne es zu verordnen.

Wir sprechend, ohne das Selbst zu verlieren, Behaustheit bietend, ohne die Tür zu verschließen und den Schlüssel zu verstecken, In-einander ankommend, ohne das Eigen-Sein zu verraten.

„Wie weit Du mich werden lässt“, sagt sie unvermittelt.

„So weit, dass das Gestern, das Heute und das Morgen, das Gewesen-sein, Dein Sein und Dein Werden darin Platz finden“, fügt er hinzu.

„In Dir und in Dich kann ich atmen. Aus Dir kann ich werden“, fährt sie fort.

„Ich gehe aus, um in Dich zurückzukehren, Ort meines Fortgangs und meiner Ankunft“, sagt er, und sie stehen, Arm in Arm, auf der weiten, satten, grünen Wiese, in der sich ihre innere Weite spiegelt, im warmen Schein der siebzehn Kerzen.

Hier geht es zu Tag 18.

Aus dem Buch: Adventreise ins Miteinander

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