Adventreise ins Miteinander (15): Wo

Adventreise ins Miteinander (3): Der Weg – Advent

„Lass uns weitergehen“, fordert er sie auf, die noch immer in die Bilder versunken ist, um so viel wie möglich mitzunehmen.

„Nun, wenn Du mir versprichst, dass Du mir noch mehr erzählst von Dir“, wendet sie ein, und nachdem er ihr dieses Versprechen gegeben hat, lässt sie sich ohne weiteren Widerstand zurück zur Treppe führen, um weiter hinauf zu gehen, im Schein der fünfzehn Kerzen.

„Wo wir wohl stehen? Wer sind wir?“, fragt sie gedankenverloren, und es öffnet sich ein weiterer Durchlass in der Mauer.

Wiederum betreten sie den dahinterliegenden Raum.

Auch hier zieren Bilder die Wände, Bilder vom Jetzt, aus seinem und ihrem Leben, wie es sich darstellt.

Und wenn sie auf die jeweils eigenen Bilder sehen, so erscheinen sie ihnen wohlvertraut und heimelig, aber doch auch schal und leer, langweilig und öde.

Es fehlt der Glanz darin, was mehr als alles ist, und das kann auch der Schein der fünfzehn Kerzen nicht ausgleichen.

„Mein Leben ist wie jedes andere“, sagt sie.

„Nichts weiter, als eine scheins endlose, zusammenhanglose Aneinanderreihung von Tagen“, führt er ihren Gedanken weiter.

„Könnte es denn anders sein?“, fragt sie leise, beinahe so, als hätte sie Angst vor der Antwort.

„Ja, es könnte anders sein“, sagt er so bestimmt und überzeugend, dass sie weiterfragen muss:

„Woher nimmst Du die Sicherheit, diese Gewissheit?“, und sieht ihn unwillkürlich an, seine lächelnden Augen wiederzufinden, und die Antwort.

Sobald sie ihr Leben durch den Blick, durch das Mitgehen des jeweils anderen sehen, erhält es einen Glanz, den es sonst nicht gehabt hätte, einen Ausdruck, den sie im Miteinander finden.

„Ich werde, indem ich Dir werde“, bricht sie das Schweigen.

„Ich bin, indem ich Du bin“, setzt er fort.

„Und ich war, um reif zu werden für die Begegnung“, schließt sie den Gedanken.

Im Schein der fünfzehn Kerzen finden sie zum Du, im Hier und Jetzt, kommen sie ineinander an, Kraft, Glanz und Fülle schenkend, und was gerade noch schal und leer, langweilig und öde anmutete, erwacht nun zu Lebendigkeit und Kraft.

Wo wir einander Du sind, da sind wir.

Hier geht es zu Tag 16.

Aus dem Buch: Adventreise ins Miteinander

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