Hand in Hand steigen sie hinauf, Du nicht nur mit den Lippen, sondern mit dem ganzen Wesen sprechend, Du seiend.
Im Schein der vierzehn Kerzen nehmen sie Stufe um Stufe.
„Ich möchte Dich kennen, erkennen“, sagt sie unvermittelt.
„Ich auch“, gibt er zurück, „Ich möchte Dein Woher kennen.“
Und indem er dies sagt, finden sie einen Durchlass in der Wand, einen breiten Torbogen, breit genug, das sie bequem, Hand in Hand, hindurchgehen können, und dahinter finden sie einen Raum voller wohlbekannter, teils schon vergessen gewähnter, Bilder, tauchen darin ein, im Schein der vierzehn Kerzen, Bilder ihrer Kindheit.
„Warst Du ein glückliches Kind?“, fragt sie ihn unvermittelt.
Er denkt eine Weile nach, als müsste er die Worte genau abwägen, nicht zu viel zu sagen, nicht zu wenig.
„Ich hatte meine Familie um mich, einen Ort, an dem ich mich zu Hause fühlte und gute Freunde“, resümierte er schließlich, „Ja, ich denke, ich hatte eine glückliche Kindheit.“
„Ich sehe viel Sonne auf Deinen Bildern, Sonne und eine schöne Landschaft“, fügt sie hinzu, „Es lädt ein, es zu entdecken.“
„Du hast recht“, bestätigt er, „Es wäre mir gar nicht aufgefallen, so selbstverständlich ist es mir. Ich sehe mehr, wenn Du mich mit Deinen Augen sehen lässt. Aber dafür erscheinen mir Deine Bilder düster.“
„Voll Einsamkeit und Trauer“, führt sie aus, „Ja, das war es. Ich bin froh, es hinter mir zu haben. Was bleibt ist der Hunger, unstillbarer Hunger, und die Sehnsucht.“
„Dann will ich Dich teilhaben lassen an meinen Bildern“, bietet er an, und sie nimmt sein Angebot gerne an, und sie taucht mit ihm ein, in die Bilder seiner Kindheit, taucht mit ihm ein, um immer mehr, immer tiefer zu verstehen, und teilzuhaben an einem Glück, das sie nicht kannte, teilzuhaben an ihm und seinem Werden, teilzuhaben an einer Geschichte, die nicht die ihre ist, aber in die sie gehen darf, im Schein der vierzehn Kerzen.
Aus dem Buch: Adventreise ins Miteinander
Adventkalenderbücher

Auf der Suche nach dem Sinn von Weihnachten



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