novels4u.com

Life is too short for boring stories

Zum World Voice Day, 16. April 2019

Wie süß sie doch sind, unsere lieben Kleinen. Da kommen sie auf die Welt und können nichts, außer schlafen, essen und Stoffwechselprodukte produzieren. Das weiß man. Aber es kommt mit der Zeit. Da lernen sie nach und nach alles, was man für das Mensch-sein so braucht. Gehen zum Beispiel. Und natürlich reden. Damit beginnt der erste Konkurrenzkampf. Eigentlich ein Stellvertreterkampf. Welches Baby kann als erstes krabbeln, sich aufziehen oder gar gehen? Welches unter den Kleinen trägt die Keime des Genies in sich, indem es sich ein paar Tage früher umdrehen oder artikulieren kann als seine Konkurrent*innen? Und wenn es nicht ins Schema passt, dann beginnt die große Sorge. Das Schöne daran, es ist den Babies egal. Ungerührt von allem Ehrgeiz der Erwachsenen, folgt es seinem eigenen inneren Entwicklungsplan. Was für ein paradiesischer Lebensabschnitt. Es könnte so einfach sein. Und wenn das Kleine dann zum ersten Mal „Mama“ sagt, oder etwas, von dem man sich einreden kann, dass es wie Mama klingt, dann schmelzen sowieso sämtliche Herzen und alles ist gut. Es kann endlich reden.

Wie stolz wir doch sind, wenn die Kinder es dann endlich geschafft haben, selbständig anziehen, gehen, das WC benutzen und plaudern. Sobald dies geschafft ist, beginnt der zweite Teil der Erziehungsprozedur, indem man es den Kindern wieder abgewöhnt. Die Freude an der Bewegung wird nun misstrauisch betrachtet, und das nächste Ideal heißt Still sitzen. Dann wird jede Äußerung unterbunden, denn wo käme man da hin, wenn Kinder ständig plapperten, vor allem, wenn die Erwachsenen ihre ungeheuer wichtigen Dinge bereden. Deshalb wird es zum Stillschweigen genötigt. Ein harter Kampf. Aber irgendwann sitzen sie dann nur noch herum, spielen Computer, schreiben SMS, bewegen sich nicht und reden nicht mehr.

„Die Jugend ist so faul geworden“, heißt es dann, und weiter „Sie können auch nicht mehr kommunizieren. Ständig nur am Handy.“ Aber statt stolz auf sich zu sein, dass die Erziehungsmaßnahmen Früchte trugen, regnet es schon wieder Vorwürfe, und zwar auf die Köpfe der Erzogenen, die doch letztlich nur machten, was man von ihnen verlangte. Eigentlich grotesk, und dennoch scheint es niemand zu bemerken. Aber es hat ja den Erwachsenen auch nicht geschadet, behaupten sie von sich selbst. Es sind ja auch gute Menschen aus ihnen geworden. Sind sie das? So gute Menschen, dass sie seit 40 Jahren ignorieren, dass sie den Planeten zerstören. Aber Hauptsache, sie sind brav in die Schule gegangen. Das hat man von Schule gehen. Vielleicht keinen Schaden, aber die Fähigkeit die Zukunft der eigenen Kinder zu ruinieren, ohne auch nur den Hauch eines schlechten Gewissens.

Deshalb, mein Appell an die Jugend, lasst Euch nichts mehr sagen, gerade nicht von denen, die alles vermasselt haben, was man nur vermasseln kann. Steht auf, findet Eure Stimme wieder und sagt, dass es reicht, dass ihr dieses Spiel nicht mehr mitspielt. Laut und deutlich, schreit es hinaus, seid aufmüpfig und wild und ungehorsam, so lange sich nichts ändert. Fragt nach, immer und immer wieder, wie sie es mit ihrem ach so guten Mensch-sein doch vereinbaren können Euch das Leben zu stehlen? In Grund und Boden sollen sie sich schämen, ob ihrer Dummheit und Ignoranz, an der auch die Schulen nichts ändern konnten oder die sie wahrscheinlich erst hervorriefen. Seid aufrecht und tapfer, und zeigt ihnen, dass ihr den Mut habt, das zu tun, was die meisten Erwachsenen nicht können, sich ihres eigenen Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Und wenn dann die Weichen endlich auf Rettung gestellt sind, dann könnt ihr auch wieder in die Schule gehen, denn so lange das nicht passiert ist, ist jeder Tag in der Schule ein verlorener. Einer Schule, in der wir angeblich fürs Leben lernen. Aber für was für ein Leben sollten wir lernen, wenn der Planet zugrunde geht?

Erhebt Eure Stimme und Euch selbst und fordert ein, was Euer natürliches Recht ist, einen regenerierten Planeten und eine lebenswerte Zukunft, mit sauberem Wasser und klarer Luft, fordert es von denen, die die Macht haben es zu bewerkstelligen. So lange es notwendig ist. Und lasst Euch nicht einschüchtern von kleinkarierten Geistern, die von Disziplin faseln. Wo war ihre Disziplin, als es darum ging eine Kehrtwende zu machen? Nein, sie haben sich von Gier und Macht korrumpieren lassen, zu ihrem Wohl, zum Schaden aller anderen. Sagt es, sagt es ihnen auf den Kopf zu, laut und deutlich und unmissverständlich. Seid die Stimme!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: