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Life is too short for boring stories

„Es leiden Millionen von Menschen auf diesem Planeten, doch wenn wir uns um die Rechte der Tiere kümmern, kümmern wir uns auch um diese Menschen“, erklärte Martinique.

„Wie darf ich das verstehen? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, fragte Christian.

„Alles hat mit allem zu tun, und nachdem der Mensch auch nur ein Tier ist, ist Tierrechtsaktivismus natürlich auch Menschenrechtsaktivismus, beinhaltet das eine doch das andere, ja macht ersteres viel umfassender“, meinte Martinique.

„Das ist jetzt schon eine gewisse philosophische Bequemlichkeit“, warf Christian ein, „Geht es nicht vielleicht ein bisschen konkreter?“

„Es geschah im Morgengrauen in einem kleinen Dorf, irgendwo in den Weiten Brasiliens. Alle schliefen noch tief und fest. In der Nacht waren zwei Kinder geboren worden, ein Menschen- und ein Kuhkind. Doch das kümmerte die, die gekommen waren um sie zu überfallen, überhaupt nicht“, begann Martinique zu erzählen, „Die Männer, die überraschend kamen, waren bezahlt worden, die Menschen aus dem Dorf zu vertreiben. Sie kamen in das Haus und jagten die Frauen und die Kinder davon. Den Vater erschlugen sie, den des Menschenkindes. Den des Kuhkindes auch. Sie gingen von Haus zu Haus, bis niemand mehr da wäre. Und als alle geflohen waren, bis auf die, die sie erschlagen hatten, brannten sie die Häuser nieder, vernichteten die Ernte. Innerhalb kürzester Zeit war alle Arbeit vernichtet worden. Die Bewohner des Dorfes, die sie überleben ließen, hatten nichts mehr, als die nackte Existenz. All ihr Besitz war ihnen genommen worden. Heimatlos irrten sie herum. Und warum das alles? Weil irgendein Konzernchef in Auftrag gegeben hatte, dass er das Land brauchte. Deshalb waren die Menschen vertrieben oder erschlagen worden. Und es war niemand da, der dagegen Einspruch erhoben hätte, denn wenn ein Konzern Land benötigt, um genveränderten Soja anzubauen, dann muss man es ihm schon überlassen. Sonst würden sie es sich nehmen. Sonst nehmen sie es sich. Bald schon würden kilometerweit nichts als Sojapflanzen zu sehen sein. Wo zuvor ein buntes Treiben aus verschiedensten Farben geherrscht hatte, da war nun Monotonie eingezogen. Wo zuvor Menschen Arbeit gefunden hatten, wurden nun nur mehr wenige gebraucht, die die großen Maschinen bedienen konnten. Tonnenweise werden Pestizide eingesetzt, damit die Pflanzen überhaupt wachsen. Und wenn sie wieder abziehen, neues Land zu erobern, dann ist der Boden ausgebrannt und unbrauchbar geworden. Doch das Soja dient nicht etwa dazu, die Menschen in Brasilien zu ernähren, sondern es wird ausgeführt, in die sogenannte erste Welt, damit die Tiere in den Tierfabriken gemästet werden können, damit wir mit Biosprit unsere Fahrzeuge betreiben. Und die Menschen in Brasilien hungern neben der reichlichen Ernte. Wer in der ersten Welt Fleisch isst, vertreibt die Menschen in allen Teilen Südamerikas von ihrem Land, nimmt ihnen ihr Zu Hause, ihre Zukunft und ihr Einkommen. Wer Fleisch isst, lässt Menschen hungern. Und der Name des Mädchens, das in dieser Nacht auf die Welt kam, war Julia. Irgendwo in den Slums würde sie aufwachsen, zwischen Müll und dreckigen Wasser, so sie es denn überlebte.“

„Wenn wir die Massentierhaltung abschaffen, dann brauchen wir auch kein Soja mehr zu importieren, weil für den menschlichen Bedarf der Soja reicht, der bei uns wächst, und es müssten keine Regenwälder mehr gerodet werden und die Menschen könnten ihr Land behalten“, fasste Christian zusammen.

„Wenn wir die Massentierhaltung abschaffen, dann müssten die Menschen nicht mehr hungern“, stimmte Martinique zu, „Aber das ist noch lange nicht das Einzige, wodurch Tierrechtsaktivismus dem Menschen zugutekommt.“

„Was gäbe es da sonst noch?“, fragte Christian, durchaus interessiert.

„Die Eindämmung der Umweltzerstörung, z.B.“, sagte Martinique lapidar, „Saubere Luft, sauberes Wasser und ungiftige Lebensmittel. Klingt das, als wäre es gut für den Menschen?“

2 Gedanken zu “Ohn-macht (37): Wir stehlen ihr Land

  1. menschen machen sowas…ja…traurig geliked…

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    1. novels4utoo sagt:

      Aber sehr viele wissen es auch nicht …

      Gefällt mir

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