novels4u.com

Life is too short for boring stories

So berichtete ich Dir, von meinem Erleben und meinem Erkennen, von der Symbiose des Kopfes mit dem Herzen, der Pragmatik mit der Liebe. Und weil Du ein Mann bist, konntest Du der Idee der Herrschaftsfreiheit etwas abgewinnen, so lange es eine Idee bliebe und Du der Herr, wie es das Wort Herrschaft beinhaltet. Herrschaft konnte woanders abgeschafft werden, aber nicht bei Dir. Da blieb der Kopf über dem Herzen. Wie es gehört. Wie Du meintest. Und ich sah Dich an, ungläubig, zunächst, ob ich richtig verstanden hatte, ob ich mich nicht verhört hätte, weil ich Dich geschätzt hatte, auch als jemanden, der die umfassende, brennende Leidenschaft für das Leben kennt, auch für die Freiheit. Doch als ich Dir jetzt in die Augen sah, da wusste ich, ich hatte mich geirrt. Vielleicht auch nicht geirrt, sondern Dir einfach etwas zugetraut hatte, was Du nicht leisten konntest. Es tat weh, so verdammt weh, wie das Erkennen der Wahrheit so oft schmerzt, aber ich konnte nicht aus, das Bild nicht mehr tilgen, das ich einmal gesehen hatte. Unauslöschlich war es, in Deinem Blick, wie in jedem anderen. Das Bild, dass ich mich blenden und täuschen ließ, auch von Deiner Fähigkeit zu lieben und eine Kerze so zu halten, dass sie nicht verlöschte, nicht einmal im Regen.

Auch wenn ich wusste, Du hättest mich lieben können, wenn Du es geschafft hättest all die Kleinlichkeit und Borniertheit, die Verdrossenheit und den Argwohn, die Doppelmoral und die Scheinheiligkeit, die Fragwürdigkeit und die Verlogenheit hinter Dir zu lassen, wenn Du den Mut gehabt hättest das Licht statt der Finsternis, die Hoffnung statt der Ausweglosigkeit, die Einmaligkeit statt der Mittelmäßigkeit zu sehen. Du hättest mich lieben können, wenn es Dir nicht so viel Angst gemacht hätte, Dich einzulassen auf das alles Umfassende einer Liebe, die keine Grenzen kennt, keine Regeln und keine Kompromisse, wenn Du nicht so sehr festgesteckt wärst in Dir. Du hättest mich lieben können.

 

Aber ich sah auch, dass Du es nicht zuließt, weder Dir noch mir. Deshalb erhob ich mich, entband Dich, auch einer Zusage, die nicht ernst gemeint war, niemals ernst gemeint sein konnte, entband Dich einer Verantwortung, auch für Dich, so dass ich Dich freisetzte, und mich. Dich, um zu bleiben, in einer Welt der Herrschaft und der klaren Strukturierungen, einer Welt der Befehle und des Gehorsams, in der jeder weiß, wo sein Platz ist, an dem Du Dich wohlfühltest, weil Du Dich auskanntest und alles seine Ordnung hatte, in der man keine neuen Erkenntnisse brauchen konnte, schon gar nicht eine, durch die Du als Herr aus der Herrschaft geworfen wurdest und der Kopf nicht mehr das Herz regierte. Mich um einen Ort zu finden, an dem diese meine Erkenntnis Früchte trüge, einen Ort, an dem es Menschen gab, die um die deren Kraft wussten, auch um das Leben zu befördern, das Leid zu verringern.

 

Nur einmal kehrte ich noch zurück, da ich sah, wie Du auch die Kerze festhieltst, mit beiden Händen. Um die Kerze herum waren Deine Hände. Eben weil Du sie festhieltst und das Festhalten nicht anders gelernt hattest und nicht anders kanntest, als dass Du beide Hände dazu nahmst. Ganz festhalten. Doch der Regen kam von oben und während Du sie unten umklammertest, wundertest Du Dich, dass sie immer wieder ausging. Deshalb musste ich zurückkehren, Dir zu sagen, dass Du nichts weiter tun müsstest, als die eine Hand wegzunehmen vom Festhalten, um mit ihr die Flamme zu schirmen wie ein Dach. Doch Du sahst mich nur an, weil Du nicht verstandst. So zeigte ich es Dir vor. Du versuchtest es mir nachzumachen, doch Du fühltest Dich nicht wohl, wenn Du etwas nicht in den Würgegriff nahmst, was Du behalten wolltest. Was Du besaßt, das musste leblos sein, um sich nicht zu rühren, nicht zu verändern und keine Erkenntnisse zu haben. Selbst um den Preis, dass es kein Licht mehr gäbe, weil es im Regen verlosch. Und wieder durchfuhr mich der Schmerz wie ein brennender Pfeil, da Du mir erneut bestätigtest, dass es keine Annahme und kein Miteinander geben konnte, dass die Oberfläche durchdrang, in einer Welt, in der es nicht möglich war zu lieben, zu lieben ohne Über- und Unterordnung, ohne Kleinlichkeit und Besitzdenken. So dass ich Dich endgültig verließ, und nichts mit mir mitnahm als den Schmerz über die Liebe, die verlosch wie die Kerze in Deiner Hand.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: