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Life is too short for boring stories

Es war ein anstrengender Tag gewesen mit Lilly-Kuscheln und in der Sonne liegen und das Leben genießen. Deshalb schlief Pippa sehr schnell ein. Sie träumte. Natürlich von Lilly. Pippa stand neben ihr im Stall. Sie hatte 13 Ferkel zur Welt gebracht. Sorgfältig achtete die frischgebackene Mutter darauf, dass jedes der Kleinen seinen Platz bekam. Zufrieden tranken sie. Dann schliefen sie ein. Ein Bild, das idyllischer nicht sein konnte. Da kam ein Mann in einem weißen Kittel, trat ganz nahe an die Mutter und ihre Babies heran. Kurz betrachtete er jedes einzelne der Kleinen, bevor er gekonnt diejenigen herauszog, die mit Penis und Hoden versehen waren. Eines nach dem anderen legte er auf den Rücken, machte zwei gekonnte Schnitte durch die Bauchdecke, legte die Hoden frei und riss sie aus. Das Blut spritzte Pippa ins Gesicht. Die markerschütternden Schreie der malträtierten Tiere gellten durch den Stall. Sie wollte den Mann wegstoßen, doch sie konnte sich nicht bewegen. Und dabei grinste er noch, als hätte er Vergnügen daran die Tiere leiden zu lassen. Schweißüberströmt fuhr sie aus dem Schlaf.

„Passiert das tatsächlich?“, fragte Pippa ihre Mutter, als sie Minuten später neben ihr in der Küche stand.

„Ja, das wird so gemacht und ist auch erlaubt“, antwortete Sophie traurig.

„Und warum wird das gemacht?“, ließ Pippa nicht locker.

„Weil sonst das Fleisch angeblich einen unangenehmen Eber-Geschmack hat“, meinte Sophie, „Den schmecken allerdings nur 5% der Konsumenten.“

„Aber warum kann man ihnen dann nicht irgendein Schmerzmittel geben?“, fuhr Pippa fort, „Ich meine, Hunde und Katzen werden doch auch kastriert, aber sicherlich nicht so.“

„Da würde ein Aufschrei durch die Welt gehen, wenn man das bei Katzen und Hunden so machen würde“, sagte Sophie süffisant, „Aber es sind ja – unter Anführungszeichen – „nur“ Schweine. Und dann darf man eines nicht vergessen. Wenn man die Kastration so aufwändig betreiben würde wie bei Katzen oder Hunden, käme es dem Landwirt viel zu teuer. Das rentiert sich nicht. Da kommt es immer noch billiger, wenn ein Teil der Ferkel bei der schmerzhaften Prozedur selbst oder an den Folgen sterben.“

„Machen wir das auch?“, stellte Pippa nun die Frage, die ihr am meisten am Herzen lag.

„Nein, natürlich nicht“, antwortete Sophie entrüstet, „Aber wir haben bis jetzt im Direktvertrieb verkauft. Da rechnete sich das. Und jetzt haben wir sowieso umgestellt.“

Erleichtert ging Pippa in den Stall, um nach Lilly zu sehen. Diese lag, zufrieden und glücklich, wie es Pippa erschien, in der Ecke des Stalls, in der sie ihr Nest gebaut hatte. Und siehe da, 13 Ferkel schliefen neben ihr. Lilly sah auf, als sie Pippa hörte. Dann schloss die frischgebackene Mutter die Augen wieder.

„Und das hast Du alles ganz alleine geschafft“, dachte Pippa, und war mächtig stolz auf ihr Lieblingsschwein. 13 Ferkel, wie aus ihrem Traum. Dann erst besah sie sich die Babies genauer. Pippa wollte sie nicht stören, so friedlich wie sie schliefen. Wohlgeformt und gesund sahen sie aus. Alle, bis auf eines. Das schien etwas abseits zu sein und kleiner, zarter als die anderen. Oder bildete sie sich das nur ein? Pippa beschloss noch abzuwarten. Außerdem war es höchste Zeit für die Schule.

Pippa ging relativ gerne in die Schule. Nicht zuletzt wegen ihrer besten Freundin Leo, die sie sprichwörtlich aus der Sandkiste kannte. Eigentlich hieß sie Leonore, doch das war ihr zu umständlich. Deshalb ließ sie sich Leo rufen, was immer wieder zu Missverständnissen führte, die nicht ganz ungewollt waren. Leo jedenfalls war das genaue Abbild von Pippa, nur in dunkel gehalten. Schwarze statt roten Haaren, ein dunkler Teint, was wohl darauf zurückzuführen war, dass ihr Vater Italiener war, aber ebenso lockig und widerspenstig wie Pippas. Diesmal konnte sie es kaum erwarten, dass die Glocke das Ende der letzten Stunde verkündete. So schnell sie konnte wollte sie zu Hause sein. Keine Frage, dass Leo ihre beste Freundin begleitete.

Als Pippa und Leo den Stall betraten, bot sich ihnen ein ähnlich idyllisches Bild wie am Morgen. Der einzige Unterschied war, dass die Babies nun wach waren und mit Hingabe bei der Mutter tranken, alle, bis auf das eine. Es lag ein wenig abseits, so wie am Morgen. Es schien sich seitdem nicht gerührt zu haben. Irgendetwas stimmte da nicht. Vorsichtig traten die Mädchen an das kleine Bündel Leben heran. Es hatte die Augen geschlossen und rührte sich nicht. Aber es atmete. Ohne lange zu überlegen packte Pippa es in eine Decke. Lilly sah ruhig zu, als würde sie wissen, dass Pippa ihrer Kleinen nur helfen wollte. Dann nahm sie das Baby in den Arm und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu Dr. Wagenscheidt. Pippa war fest entschlossen alles zu machen, dass dieses kleine Leben, das doch gerade erst begonnen hatte, es auch behalten konnte. Wirklich alles.

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