Wer einmal das Leid gesehen hat, das wir verursachen, das Elend, die Misshandlung, den Schmerz und die Qual, ich meine wirklich gesehen und nicht nur zur Kenntnis genommen, all das, was wir unseren Mitgeschöpfen antun. Nicht nur, dass wir sie auf engsten Raum zusammenpferchen und sie in Rekordgeschwindigkeit mästen, sie werden auch noch geschlagen und verletzt, vor allem auf Transporten, im Schlachthof, mehr als notwendig, aus reinem Sadismus. Wer das also wirklich gesehen hat, der kann nicht anders, als eine Veränderung zu fordern, ein richtiges Leben in Freiheit und Verbundenheit.
Wenn man beschlossen hat, sich für diese Veränderung einzusetzen, dann geht man hinaus und erzählt es den anderen Menschen, in der Hoffnung, dass sie auch sehen und sich der Forderung nach einem besseren Leben anschließen. Sehr schnell muss man erkennen, dass es den meisten egal ist. Nicht das Leid an sich, denn da haben sie schon noch ein Gespür dafür. Aber wenn sie an die Konsequenzen denken, kein Fleisch mehr zu essen, denn nur dann werden Tiere nicht gemästet, keine Milch mehr zu trinken, denn nur dann dürfen die Kälbchen bei ihrer Mutter bleiben, keine Eier mehr zu essen, weil nur dann werden die Küken nicht geschreddert, keine Wolle mehr zu tragen oder Pelz oder Leder, denn nur dann dürfen die Tiere leben, wenn sie all das bedenken, dann kommen die Ausreden, die letztendlich nichts anderes bedeuten als, ja, wenn ich dann das alles weglassen muss aus meinem Leben, dann können sie ruhig weiterleiden. Denn ich sehe nicht ein, warum ich mich selbst – aus ihrer Perspektive – schlechter stellen soll, nur damit es den Viechern besser geht. Dann soll es besser so bleiben, wie es ist.
Gut, denkt man sich dann, das sind Ausnahmen und man spricht mit immer mehr Leuten, verbreitet das, was man gesehen hat, auf Social Media und erhält in den meisten Fällen dieselbe Reaktion. Mehr noch, man wird angefeindet dafür, dass man auf dieses Elend hinweist, wird als jemand beschimpft, der anderen alles verbieten will. Doch wozu ein Verbot, wenn man einsieht, dass dieses Leid völlig unnötig ist? Bloß, dass sie es als notwendig in Kauf nehmen, um ihre eigenen selbstsüchtigen, egozentrischen Gelüste zu befriedigen, denen die Opfer, die andere dafür bringen, egal sind.
Trotzdem hält man durch, denn man hat vielleicht noch nicht genug probiert. Es wird sicher besser, wenn man noch mehr Menschen erreicht, noch mehr darüber spricht. Doch dann wird man bekämpft. Man solle doch den Mund halten und sich nicht in anderer Leute Angelegenheiten einmischen, weil jeder so leben darf, wie er will. Aber genau darum geht es, die Opfer dieser Egomanie dürfen eben nicht leben, wie sie wollen, überhaupt nicht lange leben.
Dann kommt die Frustration, weil man offenbar nichts ausrichtet und sich nichts ändert. Viele geben auf und ziehen sich zurück, fallen vielleicht sogar in alte Gewohnheiten zurück. Dabei gilt es zu verstehen, dass Veränderungen Zeit brauchen. Wenn man sich die Entwicklung der letzten 30 Jahre ansieht, dann entdeckt man, dass sich schon viel getan hat. Immer noch nicht genug, weit nicht genug, doch es zeigt, dass man Jahrzehnte braucht, und nicht nur ein paar Jahre. Und jede und jeder Einzelne zählt, sich gegenseitig Mut zuzusprechen, sich zu versichern, dass jede Tat, jedes Gespräch einen Unterschied macht im Gesamten, so dass wir die Zuversicht, diese unverbrüchliche, energetisierende Zuversicht, die man am Anfang hegte. Wir müssen füreinander da sein, denn wir sind mehr, als wir glauben. Die Kraft stammt aus der Gemeinschaft derer, die sich für die selbe Sache einsetzen, für die Befreiung von Mensch und Tier. Ja, wir werden bekämpft, aber das ist ein gutes Zeichen, denn sie nehmen uns ernst. Wir sind eine Gefahr. Lasst Euch nicht unterkriegen und nicht verunsichern. Gerade die Anfeindungen zeigen unsere Kraft und nur, wenn wir beharrlich bleiben, werden wir Erfolg haben. Und ja, wir werden Erfolg haben. Und wenn Du einmal wieder daran zweifelst, dann erzähl es jemanden, der Dich versteht und Dir wieder Mut zuspricht. Dann werden wir gemeinsam siegen! Für unsere Mitgeschöpfe und die Umwelt, für alles, was lebt.

