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Life is too short for boring stories

Ich lernte Dich kennen, wie es eben so ist. Wir wurden einander vorgestellt, reichten uns die Hände und murmelten so etwas wie, „Freut mich“ oder „Schön, Dich kennen zu lernen“. Was wir eben gelernt haben so vor uns hinzusagen, in eben einer solchen Situation. Und es war so dahingesagt, und ein bisschen nicht. Ich sah Dir in die Augen, als mir Dein Name genannt wurde. Das hatte ich mir über die Jahre so angewöhnt, weil ich ein schrecklich schlechtes Namensgedächtnis habe oder einfach gar nicht zuhöre, weil meine Gedanken schon wieder ganz woanders sind. Deshalb sehe ich jemand an, höre genau zu und wiederhole den Namen, so wie „Schön, Dich kennen zu lernen, XXX“ (an dieser Stelle darf jeder den Namen einsetzen, der ihm gerade gefällt), und dann wiederhole ich ihn für mich noch sechs Mal, denn in einem schlauen Buch hatte ich gelesen, es bedarf sieben Wiederholungen, um sich etwas zu merken. Bei Dir war es nicht notwendig. Seltsam. Irgendwie.

Ich dachte auch über die Seltsamkeit nicht nach. Das gewöhnte ich mir im Laufe der Zeit ab. Es ist nicht gut, mehr hineinzuinterpretieren. Was zählt sind die Fakten. Und dennoch, seltsam, was ich mir dachte, aber auch sofort wieder ad acta legte. Danach sahen wir uns immer wieder, zufällig wohlgemerkt. Irgendwann war es dann doch so, dass ich nicht einmal mir selbst vormachen konnte, es wäre Zufall. Vor allem ab dem Zeitpunkt, wo wir begannen uns zu verabreden. Es macht einfach Spaß mit Dir zusammen zu sein, dachte ich mir. Tatsächlich gab es immer viel zu lachen. Ich fühlte mich frei und unbeschwert, wenn Du da warst. Lachte mehr als gewöhnlich, aber das war eben Deine Wirkung auf mich. Meine Körpersprache verriet so manches, was ich mir nicht eingestehen wollte, nämlich, dass ich mich vielleicht ein klein wenig in Dich verliebt hatte. Das nahm ich auch hin. Verliebt sein tut nicht weh, zumindest nicht zu Anfang. Ich musste es ja nicht ausplaudern. Das war mein Geheimnis, vor allem auch, weil ich damit rechnete, dass es wieder geht, wie es gekommen war. Doch es ging nicht, und wir verbrachten mehr Zeit miteinander.

 

Viele Monate später war es immer noch so. Es war gekommen und war geblieben, doch etwas hatte sich verändert. Da hatte sich ein Drittes in unsere Beziehung eingeschlichen, wie ich unsere Verbindung nun schon freimütig nannte. Normalerweise ist etwas Drittes in einer Zweierbeziehung etwas Störendes. Aber in dem Fall nicht, eher verstörend, wenn auch beglückend. Da waren also Du und ich und dann noch die Liebe.

 

Die Liebe, das sagte ich mir, das kannst Du nicht so einfach sagen. Das ist ein so großes Wort, wie ich fand, so übermächtig. Auch hatte ich mich schon das eine oder andere Mal geirrt, während der Jahrzehnte, die ich schon mit diesem Leben verbrachte. Da wurde ich vorsichtiger, wie sich von selbst versteht. In diesem Fall jedoch konnte ich mich hierhin und dorthin wenden, immer wieder traf ich auf das Wort, so dass ich darüber nachdachte, ob es nicht vielleicht doch angebracht war. Seltsam. Irgendwie.

 

Die Liebe, ja, es konnte schon sein. Weil Du mich angenommen hast, wie ich war, damals, als wir uns kennenlernten. Verblüffender Weise auch dann noch, als Du mich näher kennenlerntest, immer mehr von mir erfuhrst. War das schon bemerkenswert genug, so beließt Du es nicht dabei. Du nahmst mich nicht nur, wie ich war, sondern gingst mit mir mit, wenn ich weiterging und mich entfaltete. Ja, Du fordertest mich dazu heraus. Du nimmst mich wie ich gerade bin, um gleichzeitig dafür zu sorgen, dass ich nicht bleibe wie ich bin, sondern werde, dass ich meine Talente entwickle und mein Potential entfalte. Weil Du immer mehr davon kennenlernen willst, sagst Du.

 

Die Liebe, ja, es konnte schon sein. Weil Du mir ein Band an den Fuß gebunden hast. Nicht um mich anzubinden. Ganz im Gegenteil. Meist hängt er bloß so lose herum. Aber wenn ich mal wieder abhebe und die Gefahr besteht, dass ich mich völlig in utopischen Phantastereien verliere, dann ziehst Du mich sanft wieder zurück zum Boden. Nicht, weil Du nicht willst, dass ich fliege, sondern, weil Du verhindern willst, dass ich auf und davon fliege und dann den Weg zurück nicht mehr finde. Du gibst auf mich acht und schützt mich, auch vor mir selbst.

 

Die Liebe, ja, es konnte schon sein. Weil Du mir die Schaufel wegnahmst, wenn ich mir in einem depressiven Anfall ein ganz tiefes Loch gegraben hatte, in dem ich nun stand und begann das Loch, mit mir drinnen wieder aufzufüllen. Du stelltest Dich zu mir, nahmst mich an der Hand und warst bei mir. Einfach da. Bis ich wieder bei mir war. Und bei Dir. Bis ich so weit war, dass Du mir wieder aus dem Loch helfen konntest. Nur die Schaufel hattest Du mir weggenommen.

 

Die Liebe, ja, es konnte sein, und es kann sein, weil es sich gut anfühlt, dass Du in meinem Leben bist und ich an Dich denken kann, weil es gut ist, wenn Du bei mir bist, und wenn ich mich darauf freuen kann zu Dir zu kommen. Weil vieles leichter ist, als es zuvor war. Und weil es manchmal, oder zumeist, oder sogar fast immer, so ist wie es ist, und das ist, dass ich Dich liebe. Kein bisschen seltsam. Einfach trivial. So trivial, dass es schon wieder besonders ist.

2 Gedanken zu “Du & ich & die Liebe oder Die trivialste Geschichte der Welt

  1. hanshartel sagt:

    … eine absolut wunderschöne Geschichte!
    Fast wie im wirklichen Leben …

    Gefällt 1 Person

    1. novels4utoo sagt:

      Danke Dir! In all ihrer Alltäglichkeit – aber warum „fast“ wie im wirklichen Leben?

      Gefällt mir

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