Das Märchen von Hegern, Pflegern und Regulierern (1)

Bild: Regulierer - Daniela Noitz
🎬 Start der Serie!

Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Der Herr Jagdlandesobermufti, kurz JLOM, der der einen oder anderen bereits aus dem Buch „Jäger töten!“[1] bekannt sein wird, traf beim Kindergarten ein. Er war in Sachen Promotion unterwegs, was er sehr gerne übernahm, da er der Meinung war, dass bereits die Kleinsten von den Segnungen der Jagd erfahren sollten. Allerdings musste es kindgerecht sein, auch wenn er nicht verstand, warum man das mit dem Entnehmen der Tiere weglassen sollten. „Die sind alle so angerührt heutzutage, solche Weicheier“, dachte er noch. Er selbst war von seinem Vater bereits mit drei Jahren zur Jagd mitgenommen und zum Schießen erzogen worden. „Alles, was sich bewegt, wird erschossen“, hatte ihm sein Vater immer wieder eingebläut und bis heute hielt sich der, mit überbordender Leibesfülle gesegnete, Mann daran. Bloß ausdrücken musste man es andern. Um nicht die Kinder zu verschrecken und vor allem nicht die Eltern. „Wenn es nützt, dann mache ich es halt“, dachte der JLOM bei sich. Schließlich kommen sie auf das eigentlich Lustbringende selbst drauf, wenn man sie einmal überzeugt davon hat, wie wichtig das Waidwerk ist.

„Hallo liebe Kinder!“, begrüßte er die gespannt wartende Meute von kleinen Menschen, um sich dann auf einen bereitgestellten Stuhl, der zum Glück für große Menschen gemacht wurde, fallen zu lassen, „Ich erzähle Euch heute eine Geschichte, die so wahr ist, wie eine Geschichte nur sein kann. Später, wenn Euch andere etwas anderes erzählen, dann erinnert Euch an diesen Tag und Ihr wisst, was richtig und was falsch ist.“ Damit rückte er seinen Jagdhut zurecht und zog seinen Lodenjanker glatt, denn nur in dieser Bekleidung incl. der kurzen Krachledernen und der Stutzen. „Die Geschichte trägt den Titel: Von Hegern, Pflegern, Regulierern und anderen Helden“, begann er nun endlich zu erzählen, um von so einem Knirps unterbrochen zu werden. „Bitte was ist ein Regulierer?“, fragte er, äußerst frech und naseweis. Der JLOM wollte ihn bereits scharf zurechtweisen, als ihm zum Glück noch rechtzeitig einfiel, dass er das nicht durfte. Deshalb entschied er sich für eine andere Taktik. „Hör mir zu, dann werdet ihr es verstehen. Jedenfalls, werde ich jetzt beginnen. Es war einmal eine Zeit, in der war es um unsere Felder und Wälder, Flüsse, Seen und Meere sehr schlecht bestellt. Das ist sehr lange her, also zu der Zeit, bevor der Loden erfunden wurde, den man unbedingt braucht, als Mann und als Ernährer der Familie. Denn Männer, wie Ihr sicher alle wisst, gehen auf die Jagd. Frauen sammeln. Das kommt daher, weil sich Frauen ihrer Unterlegenheit gegenüber dem Mann bewusst sind und sich immer in demütig gebückter Haltung den Männern zu nähern haben. Eines Tages, als sie so nach vorne gebeugt gingen, was dazu führte, dass sie den Boden genau ansahen, fiel einer von ihnen auf, dass da Dinge herumlagen, die für das Abendessen verwendet werden konnten, also nicht nur herumlagen, sondern auch wuchsen, wie Kräuter, Samen und was weiß ich was noch alles. Da dachte sich diese Frau, ich bin leider für nichts gut, außer die Kinder zu gebären, sie zu säugen und das Feuer zu bewachen. Aber wenn ich das sammle, so war zumindest ihre Meinung, könnte ich einen kleinen Beitrag leisten zu unserer Ernährung und dem armen, heldenhaften Mann ein wenig was abnehmen, ihm sein Leben ein bisschen erleichtern, dieses harte Leben, das er ohne zu murren und zu wehklagen auf sich nimmt. Das erzählte sie auch den anderen Frauen, denen diese Idee ebenso gut gefiel, so dass sie seit diesem Tag sammeln und pflücken und glauben, als aufglauben. Der Mann, der gerecht war, wollte die Frau, die ja eigentlich nichts konnte, aber doch besten Willens war, nicht vor den Kopf stoßen, denn er wusste genau um ihre Eingeschränktheit, also im Denken und im Tun, wofür sie natürlich nichts konnte, aber es war schön, dass sie trotzdem versuchte, etwas Nützliches zu machen. Zumindest das galt es zu schätzen. Also aß er seit diesem Tag auch brav das Gün-, Braun- und anderes gefärbtes Zeug, das sie ihm vorsetzte. Hätte er gewusst, dass er damit etwas lostrat, was ihm seitdem am Schuh klebt wie ein ausgelutschter Kaugummi, hätte er es natürlich sofort unterbunden, aber er wusste es nicht. Denn so beschränkt die Frau ist, so dickköpfig ist sie auch. Daraus entwuchs das Vegetarische und die besonders Verbohrten brachten es zum Veganen. Deshalb, Jungs, die erste Lektion, die ich Euch mit auf Euren männlichen Lebensweg gebe, ist, lasst es nie zu, dass eine Frau ihre Ideen durchsetzt. Es nimmt immer ein böses Ende. Und mein Rat an Euch, ihr Mädchen, sucht Euch einen braven, anständigen Mann, was nur einer in Loden sein kann und folgt in allem seinem Rat und Beispiel, denn er weiß es am besten.“ „Aber meine Mama sagt, dass Frauen und auch Mädchen alles gleich gut können wie Männer und Buben“, vernahm der JLOM ein helles Stimmchen. „Was macht Deine Mama denn so?“, erwiderte der JLOM spitz, „Wohl Hausfrau?“ „Nein, sie ist Atomphysikerin“, meinte das Mädchen. Und der JLOM, der nichts von Atomen und noch weniger von Physik verstand, nahm sicherheitshalber einen großen Schluck von seinem Bier, ein Grundnahrungsmittel, mit dem man Burschen nicht früh genug in Berührung bringen konnte und meinte schlicht, „Siehst Du, wie recht ich habe, sie sammelt und pflückt. Aber nun möchte ich mit der eigentlichen Geschichte fortfahren.“

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[1] Daniela Noitz, Jäger töten!, Wien 2024

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