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Life is too short for boring stories

„Du hast etwas getan mit mir“, begann Martinique ohne Umschweife, nachdem sie sich mit aller Selbstverständlichkeit ins Wohnzimmer begeben hatte, wo sie sich auf die Couch fallen ließ.

„Nimm doch Platz“, meinte Christian süffisant, obwohl ihn ihre Dreistigkeit weit mehr amüsierte, als dass es ihn störte.

„Wir haben jetzt keine Zeit für Spielchen“, erwiderte sie ungerührt.

„Also gut, was ist so wichtig, dass es keinen Aufschub duldet“, fügte er sich in das offenbar Unausweichliche, „Was habe ich mit Dir getan?“

„Du hast mich berührt“, kam die kurze, bündige Antwort. Das irritierte ihn. Nicht die Antwort an sich, sondern die Kürze. Es fehlte die Erklärung dazu.

„Ja, das weiß ich. Das war auch offensichtlich“, entgegnete er entsprechend.

„Dass Du meine Haut berührt hast, das war offensichtlich“, gab sie ihm recht, „Aber Du hast noch weit mehr als meine Haut berührt und angerührt. Ich kann nicht einfach hinausgehen und so tun, als ob nichts gewesen wäre, als wäre alles noch so wie vor ein paar Stunden.“

„Ist es das nicht?“, fragte er, weil er immer noch nicht sicher war ob er sie richtig verstand.

„Seit vielen Jahren habe ich gesucht. Zunächst wusste ich noch nicht einmal genau was es war. Das macht eine Suche nicht unbedingt einfacher. Es war nur, ich war mir sicher, dass in meinem Leben etwas ganz Entscheidendes fehlt, etwas, und ich denke, ich habe es jetzt gefunden“, sagte sie rasch.

„Und was ist das?“, zeigte er sich interessiert.

„Das ist jemand, bei dem ich mich aufgehoben und geborgen fühle, der weit mehr kann als meinen Körper zu berühren, eben, der mein Herz, meine Seele, meine Gedanken anrührt und bereichert. So etwas wie ein Ankommen und Bleiben, ein zu Hause“, erklärte sie. Ihre Worte purzelten nur so aus ihr heraus, als müsste sie sich beeilen bevor sie ihr wieder entglitten.

„Und Du meinst, das habe ich getan?“, forschte er weiter.

„Ja, das hast Du getan“, bestätigte sie, seinem Blick ausweichend, als würde sie etwas Verbotenes sagen, etwas, das eigentlich nicht sein dürfte, aber doch so offensichtlich war, dass man es mit Händen greifen konnte. Sie konnte nicht schlicht nicht anders, „Ich denke, ich habe mich in Dich verliebt.“

„Da kann ich mir durchaus Schlimmeres vorstellen“, wollte er eigentlich sagen, doch dann hob sie endlich den Blick. Da wusste er, dass es so war wie sie sagte und er schluckte die Worte hinunter. Stattdessen setzte er sich neben sie, nahm ihre Hände in die seinen, „Eigentlich sollte ich jetzt sagen, dass Du mich kaum kennst. Und ich Dich kaum kenne. Eigentlich sollte ich sagen, dass man sich in unserem Alter nicht mehr so mir nichts Dir nichts verliebt. Aber was besagt das schon? Ich habe bis jetzt nicht darüber nachgedacht, und ich wollte es auch eigentlich nicht. Es war nicht notwendig, und ich kann Dir nur sagen, dass es sich gut anfühlt, wenn Du da bist, dass Du mir gut tust. Auch wenn Du vielleicht zu viel redest, ab und zu. Aber nicht einmal das stört mich. Ich denke, Du tust auch was mit mir.“

„Ich dachte mir, dass es bei Dir anders ist“, meinte sie, da sie ihn ansah, „Aber das macht nichts, ich wollte nur, dass Du es weißt.“

„Ich sagte nicht, dass es bei mir anders ist. Nur, dass ich darüber noch nicht nachgedacht habe. Frauen tun sich offenbar leichter ihre Gefühle zu benennen, oder sie trauen sich einfach mehr zu“, erklärte er, „Aber es könnte durchaus sein. Was meinst Du, willst Du bleiben?“

„Um uns besser kennen zu lernen?“, fragte sie.

„Auch das“, antwortete er umgehend, „Es muss nicht immer alles einen Zweck haben. Es ist einfach gut, dass Du da bist.“

„Und was ist mit dem, was Du zu tun hast?“, zeigte sie sich überrascht.

„Das kann warten. Ich habe jetzt was viel Wichtigeres zu tun“, erklärte er voller Überzeugung.

„Und was ist das?“, fuhr sie fort.

„Was Du Fragen stellen kannst!“, sagte er lachend, „Ich will mich auf den Menschen einlassen, der mich doch ein wenig durcheinandergebracht hat.“ Still kuschelte sie sich in seinen Arm, als er das sagte. Vorerst war es genug. Auf jeden Fall mehr, als sie erwartet hatte. Aber was hatte sie eigentlich erwartet?

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