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Life is too short for boring stories

Als Du mich hochhobst, so unvermittelt und überraschend, da war es, dass ich nicht wusste, wie ich sollte, im ersten Moment. War ich doch ausgeliefert. Eigentlich. Ohne Ausweg, musste ich bleiben. Mein erster Impuls war, wieder hinunterzuwollen. So wie ich es gewohnt war, wie ich es immer kannte. Wollte ich doch niemals so etwa erleben, dass ich nicht konnte wie ich wollte, und wenn dieses Wollen nur das war zu bleiben, aber wo es keine Wahl gibt, kann es auch kein Wollen geben, und ohne Wollen keine Selbstbestimmheit. Und dabei war es doch nur ein Moment, der mich aus allem Gekannten herausriss.

Als Du mich hochhobst, so unvermittelt und überraschend, da war es, als könnte ich nie mehr ins Gleichgewicht finden, weil sich das Oben und Unten verkehrte, weil ich den Überblick verlor und sich mein Blickfeld einschränkte. Ich hätte mich aufrichten wollen, aber es ging nicht, in der Horizontalen, in die Du mich brachtest. Wohl auch, weil ich müde war, gerade wegen dem Gleichgewicht und dem Überblick, den ich immer anstrebte. Wohl auch, weil ich erschöpft war, gerade weil ich von mir forderte immer alles selbst in der Hand und im Griff zu haben. Da Du es mir abnahmst, wohl nur für einen Moment.

 

Als Du mich hochhobst, so unvermittelt und überraschend, da warst auch Du es, der es mit Geduld abwartete, dass die Unruhe vorbeiging und auch die Ungeduld, die Verwirrung und auch die Angespanntheit. So ruhte Dein Blick auf mir, während Du die Überzeugung behieltst, dass ich die Ruhe finden würde, sogar ich. Wohlwollend, fast liebevoll war dieser Blick, da Du mir etwas zeigen wolltest, was ich bisher nicht gekannt hatte und nicht kennen wollte. Hätte ich mich doch daran gewöhnen können, so dass ich nicht mehr zurückfinden würde in die Eigenständigkeit, dass ich meinen festen Stand nicht mehr einnehmen könnte. Da Du es mir abnahmst, wohl nur für einen Moment.

 

Als Du mich hieltst, so stark und bestimmt, da endlich ließ ich los. alle Vorbehalte und Bedenken fahren, legte meine Arme um Deinen Hals und schloss die Augen. So dass alle Last von mir abfiel und ich mich leicht fühlte, leicht und unbelastet. Vielleicht auch ein wenig leichter für Dich. Wärme durchströmte mich, die die Leichtigkeit des Seins, die mich überraschte und doch nicht mehr verwunderte, wohl mit sich bringt. Meine Hand glitt über Deinen Hals, weil sie es tat. Mein Kopf ruhte mit einem Mal an Deiner Schulter, weil es so war. Und ich schloss die Augen, weil ich es endlich annehmen konnte, dass Du mich hieltst, für diesen einen Moment.

 

Als Du mich hieltst, so stark und bestimmt, da war ich Verbundenheit mit Dir und mit allem andern, anders als ich es gekannt hatte, unverkrampft und entspannt. Durchatmen zu können, ruhend an Deiner Schulter, meine Stirn an Deiner Wange, Deine Haut auf meiner Haut. Geborgen wie ein kleines Kind. Alles was weit weg war, kehrte zurück. Auch die Entdeckung ein Stück dessen gefunden zu haben, was man zu Hause nennen konnte. Auch Liebe. Wenn man das denn will. Ich hatte keine Angst mehr. Auch davor nicht. Und endlich ließ ich es gänzlich zu, dass Du mich hieltst, für diesen einen Moment.

 

Als Du mich sanft zu Boden gleiten ließt, zurück in diesen festen Stand und in den Überblick, da fand ich sofort wieder zurück, und wusste nicht mehr, warum ich je daran gezweifelt hatte. Mehr noch, ich hatte es erfahren, dass es kein Widerspruch war, nicht einmal ein Gegensatz, gehalten zu sein und selbst zu halten, sondern dass es nichts weiter war als die eine und die andere Seite des Ganzen. Alles war wie immer, alles war verändert, da ich mich gehalten wusste, seit Du mich hochhobst, so überraschend und unmittelbar, da Du mich gehalten hattest und hieltst, so stark und bestimmt, da ich mich gehalten weiß, auch da noch, wo ich mich selbst halte.

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