Glücksschweinchen?

Foto: Gluecksschweinchen - vegane österreichische Autorin aus Österreich

Schweinchen, Schweinchen, Schweinchen, überall, kleine, süße Schweinchen, rosa Pummelchen mit herzigem Grinsen. In Plastik oder Plüsch, in Metall oder Marzipan, in Stoff oder Schokolade. Von klein bis groß, in allen Größen und Materialien. Manche stehen auf Skiern. Oder fahren Motorrad. Oder haben ein Kleeblatt im Mund. Doch eines haben alle gemeinsam, sie sehen glücklich aus. Sie bringen auch Glück. Gerne werden sie zu Silvester verschenkt. Weil sie knuddelig und süß und rosa sind. Und deshalb mein Wunsch:

Möge Euer Leben so glücklich sein, wie das der Schweine, die Ihr esst …

Schweinchen, süße, kuffelige Schweinchen werden verschenkt und daneben wird das Schweinchen am Grill gedreht. Das ist wahrscheinlich tatsächlich glücklich. Es hat ein Leben voller Qual, Leid und Krankheit hinter sich, zunächst neben der Mutter, die im Kastenstand vor sich hinvegetierte, wo es sich um den Platz an der Brust raufen musste. Es gibt gewollt mehr Babies als Brustwarzen. Wer es nicht schafft, stirbt. Es hat sich viel erspart. Dann kommen sie in Buchten. Langweilige, reizarme Buchten mit Vollspaltenboden. Scharfkantiger Beton mit Spalten für die Entsorgung der Exkremente. Das müssen sie aushalten. Weitere vier Monate. Langweilig. Eintönig. Stinkend. Verfall. Trübsinn. Aggression. Frustration. Wieder sterben etliche. Weitere eingerechnete Kollateralschäden. Aufgemästet in kürzester Zeit. Herausgetrieben und hinein. Heraus aus dem Stall. Hinein in den LKW. Heraus aus dem LKW. Hinein ins Schlachthaus. Es riecht nach Angst und Tod. Sie wollen fliehen. Deshalb schlägt man sie. Mit Stöcken. Elektroschocker kommen zum Einsatz. Hinein in die CO2-Gondel. Der grausame Erstickungstod. Man sieht es nicht. Man hört es, ein wenig. Tod kommen sie heraus. Manche leben noch. Hinein in das Brühbad. Egal ob tot oder lebend. Also irgendwie lebend.

Das sieht man dem Schwein am Spieß nicht an. Es schmeckt. Das kommt auch vom Bauern nebenan. Es hat glücklich gelebt. Wie die glücklich grinsenden Glücksbringerschweinchen, die bald im Regal verstauben. Bekanntermaßen leben nur 0,05 Prozent der Schweine in Österreich beinahe artgerecht. Im Freien. Auf der Wiese. Aber 60% auf Vollspaltenböden. Das wird verkauft. Jemand kauft es. Massenhaft. Es will niemand gewesen sein. Das sind immer nur die anderen. Die, die nicht aufs Tierwohl achten. Die, die immer alles so billig wie möglich haben wollen. Die, die sich nichts anderes leisten können. Die, die viel zu viel fressen. Die, die fett sind. Niemals wir. Wir wissen um das Glück des Schweinchens. Auch am Spieß. Wir wissen vom glücklichen Schlachten. Wir wissen wie sehr es sich freut von uns am Spieß gesteckt und gegessen zu werden. Das ist sein Lebenssinn. Im Wirtshaus steht „Fleisch aus Österreich“. Oft noch mit „AMA-Gütesiegel“. Ein Bild von den Schweinen im Freien. 0,05%. Trotzdem stimmt es. Verschwiegen wird. Auch der Vollspaltenbodenbetrieb ist AMA zertifiziert. Verschwiegen wird. Zertifiziert wird, wer sich an die gesetzlichen Mindeststandards hält. 0,7m2 für ein 110 kg Schwein. Bald schon 0,8m2. Im neuen Tierwohlstall der ÖVP. Geglaubt wird an das Glück der Schweinchen.

Im Stroh. Die Mutter baut ein Nest. Sie singt ihnen vor. Das ist das vermittelte Bild. In Wahrheit liegt sie im Kastenstand. Die Mütterlichkeit wurde schon lang weggezüchtet. Sie liegt und lässt sich besaugen. Sie hat keine Wahl. Dann kommen sie weg. Die nächste Befruchtung. Ihr Leben lang. Schwanger sein. Gebären. Es muss ihr geholfen werden. Stillen. Die nächste Runde. Bis sie nicht mehr kann. Dann kommt sie auch weg. Hinaus. Hinein. Dasselbe Spiel wie mit ihren Kindern.

Aber wir glauben. An das Glück. Das schöne Leben. Die leeren Werbeaussagen. Lügen darf man nicht sagen. Schließlich gibt es sie wirklich. Die 0,05% fast artgerecht Gehaltenen. Der Rest. Wir fragen nicht. Nicht im Wirtshaus. Und wenn niemand hinsieht, nehmen wir das billigste Fleisch aus dem Regal. Schließlich ist Geiz geil. Und Lippenbekenntnisse kosten nichts. Aber wenn ich mich irre, dann wird es Euch nicht stören. Dann wird es Euch freuen, wenn ich wünsche:

Möge Euer Leben so glücklich sein, wie das der Schweine, die Ihr esst.

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