Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Fritzelchen ist groß für sein Alter. Und schwimmringig. Mit einem Jahr ist das noch putzig. Von den Füßchen bis zu den Händchen, alles voller Fettwülste. Es sei die gute Milch, die sie ihm gäbe. Nun ja, die von Hipp, da verdrückt er doppelt so viel davon wie vorgesehen. Hinweise sind auch nur Empfehlungen. Ein Jahr alt und doppelt so schwer wie der Durchschnitt. Die gute Milch der Kuh. Da wird er stark und groß wie ein Ochse. Dick vielleicht. Vollgepumpt wie ein Maststier. Mit Antibiotika. Mit Wachstumshormonen. Muttermilch von Kühen ist für Kuhbabies. Bis sie abgestillt werden. Nicht, bis sie erwachsen sind. Nur Menschenkinder bleiben immer Babies. Nach dem Milchkonsum beurteilt. Aber es schmeckt. Molkereien erzählen es sei gesund. Nur für Babies. Für die richtigen Babies. Das erzählen sie nicht.
Und die Brüste der Mutter bleiben unversehrt. Mächtige Fleischberge gefüllt mit Fett und ungebrauchten Milchdrüsen und Silikon. Die teuren Brüste, die der Mutter ganzer Stolz sind. Gleich danach kommt Fritzelchen. Sie liebt ihn heiß und innig. Wie jede Mutter ihr Kind liebt. Alles würde sie für ihn tun, die liebende Mutter. Nur die Brüste anrühren, das darf er nicht, aber ansonsten doch alles.
Die Kuhmutter liebt ihr Kleines. Da dürfte es die Brüste nicht nur anrühren. Die Mutter hat Freude daran, wenn das Baby trinkt. Sie will nichts, als ihr Kleines bei sich zu haben. Nach der Geburt leckt sie es trocken. Dann achtet sie auf dieses. Zumindest würde sie gerne. Sie darf es nicht. Es wird ihr weggenommen. Denn Fritzelchen soll stark und groß werden wie ein Stier. Und was schert die Mutter seine Prostata. Sie hat schließlich keine.
Mit einem Jahr kann er noch nicht stehen, nicht gehen, aber sitzen und essen. Die Milch im Fläschchen. Die Extrawurst in Scheiben. Es sei so niedlich, wie er die isst, das findet auch die Großmutter. Feines Bübelein, das sich so anstandslos füttern lässt. Nein, Gemüse, das möge er nicht. Was solle sie machen, da könne sie nichts dafür. Natürlich habe sie es probiert. Fleisch wüsste sie zuzubereiten. Aber Gemüse ist nun mal fad. Das findet jeder. Meint sie. Und Salat ist nur zur Deko. Am Teller. Hülsenfrüchte sind ein Armeleuteessen. Sie können es sich leisten. Ihr Kind soll sich anständig ernähren. Sie habe es immer so gehalten und es habe ihr auch nicht geschadet. Deshalb bekommt das Fritzelchen noch ein Scheibchen Wurst. Oder sogar zwei. Die ist auch so billig. Pferde würden es anders sehen. Zumindest manche.
Nein, es ist kein Pferdefleisch in der Extrawurst. Aber Stuten werden dafür geschwängert. Auch wenn es fleischlich ist. Auch Stuten haben einen lebendigen, fühlenden Körper. Obwohl es negiert wird. Ohne es auszusprechen. Es genügt die Handlung. Nicht bei uns, nein, weit weg. Die bösen geschehen nie bei uns. Wir lagern sie aus. Wir sagen, es dürfte bei uns nicht sein. Woanders schon. In Argentinien. Oder Uruguay. Oder Kanada. Na ja, und in Island, aber das ist auch eine Insel. Vielleicht können wir so tun, als würden wir es nicht wissen. Sechs Wochen lang wird den Stuten Blut abgenommen. Viel Blut. Um ein Hormon zu gewinnen. Dicht an dicht stehen sie im Stall. Die Stuten. Es wird alles Blut gebraucht, das sie abgeben können. Ohne draufzugehen. Das Hormon PMSG wird gewonnen.
Das bekommen die Schweine gespritzt. Damit sie zur gleichen Zeit schwanger werden. Zur gleichen Zeit ihre Babies bekommen. Alles berechenbar. In körperengen Käfigen sind sie eingezwängt. Sie können nicht stehen. Sich nicht umdrehen. Nur liegen. Gerade eben so. Das genügt. Sie sind nur der Körper, an dem die Brüste hängen. Stillliegen. Über viele Monate hinweg. Vierzehn Ferkel bei zwölf Brustwarzen. Manche sind zu schwach und können nicht trinken. Natürliche Auslese. So nennt man das. Wie in der Natur. Da überleben auch nur die Stärksten. Der Bauer lacht. Das ist auch zu komisch. Kümmerlingen, zu stark zum Sterben, zu schwach zum Leben, wird nachgeholfen. Beim Sterben. Durch Tritte. Durch Aufschlagen. Blutmauer. Gehirnmauer. Dort kleben die Überreste der Babies, die dagegen geschlagen werden. Bis sie tot sind. Blut bleibt kleben. Gehirnmasse legt sich ab. Es wird manchmal weggewischt. Vor angesagten Kontrollen. Spätestens alle 50 Jahre.
Die Babies, die es überleben, die von den Brüsten trinken können. Genügend, um satt zu werden, die kommen dann in den Vollspaltenbodenstall. Ein Boden aus Beton. Mit scharfen Spalten. Verletzen Hufe. Gelenke. Haut. Die Exkremente sind immer da. Es gibt kein Ausweichen. Schweine sind reinlich. Wenn sie können. Hier nicht. Sie atmen es ein. Den Gestank. Versehrt die Nasen. Die Lungen. Sie sind alle krank. Zusammengepfercht. Vier Monate Langeweile und Tristesse. Das Leben ist Fressen und Schlafen. Von zehn überleben es sechs. Die Robustesten kommen durch. Und dürfen zum Schlachthof. Getrieben in die CO2-Gondel. Wo sie ersticken. Klingt das nicht nett? Gondel? Wie beim Schifahren. Es hört sich nach Urlaub an. Es könnte nicht falscher klingen.
Diese Gondel ist so gebaut, dass den Erstickungstod niemand sehen muss. Nicht direkt. Oben lebend rein. Unten tot heraus. Fast eine Minute Todesangst. Panik. Elendigliches Krepieren. Manche sind nicht tot. Spätestens im Brühbad sterben sie. Zu Tode gekocht. Bei manchen noch bei lebendigem Leib.
Inzwischen wurde der Abort bei der Stute schon längst vollzogen. Medikamentös. Sie brauchen das Hormon. Das Fohlen ist überflüssig. Es wird entsorgt. Wie ein Nebenprodukt. Ein Kollateralschaden. Die Natur ist nicht effizient. Nicht für die Industrie. Man muss mit der Ineffizienz leben. Opfer sind eh die anderen. Macht nichts. Es rechnet sich. Erst wenn es sich nicht mehr rechnet, macht es etwas.
Die Stute wird wieder geschwängert. Und Fritzelchen kann sich weiterhin billige Extrawurst schmecken lassen. Stolz ist die Großmutter über das Pummelchen. Feine Extrawurst bringt sie ihm mit. Manchmal sogar solche aus Kalb. Aber nur sehr selten. Auch die Milch. Vom Bauern von nebenan. Da kostet sie zwar mehr. Die Milch. Die, die nicht Muttermilch genannt wird. Es ist Kuhmilch. Man verheimlicht, dass es Mütter sind, die sie geben. Bloß normale Kühe.

