„Mach was aus Dir!“, wurde mir immer wieder gesagt. Es war ein Befehl. Immer. Manchmal mit Sanftmut, ja beinahe Güte vorgebracht, manchmal Zutrauen transportierend, zumeist aber Ungeduld ausdrückend, dass es doch allerhöchste Zeit wäre, dass ich eben etwas aus mir mache. Schließlich vergehen die Jahre und ich hätte so viele Möglichkeiten gehabt. Doch immer noch habe ich nichts aus mir gemacht. Aber was bedeutet das eigentlich, etwas aus mir zu machen?
Oft genug ist damit gemeint, dass man sich doch gefälligst selbst verwirklichen möge, seine Fähigkeiten und Talente entfalten. Das ist nicht schlecht, denn wozu habe ich meine Fähigkeiten und Talente, wenn ich sie nicht entfalte. Aber auch dafür braucht es einen Grund, einen für den ich meine Fähigkeiten und Talente zum Einsatz bringe. Manche tun das, um viel Geld zu verdienen. Das ist ein Grund, aber keiner, der tatsächlich das Leben vorwärtsbringt. Geld verdienen ist natürlich notwendig, in unserer Gesellschaft, einfach, um sich das Grundlegendste leisten zu können, denn was man braucht, muss man sich kaufen. Essen. Kleidung. Strom. Unterkunft. Selbst Kunst und Kultur, Wissen und Bildung sind nicht gratis. Das ist klar. Auch viel Geld zu verdienen, indem man sich seiner Fähigkeiten und Talente bedient, ist nicht schlecht, denn mit viel Geld kann man auch viel Gutes bewirken. Man kann anderen helfen oder an Organisationen spenden, deren Zweck man gut findet. Aber das ist meist nicht gemeint, sondern man soll seine Fähigkeiten und Talente einsetzen, um viel Geld zu verdienen, damit man sich viel leisten kann, viel mehr, als man benötigt. Und das dann eigentlich nur belastet. Nein, Besitz macht nicht glücklich, nicht einmal zufrieden, sonst müssten sich diese Herrschaften nicht ständig etwas Neues anschaffen.
Es kann aber auch bedeuten, dass ich Verantwortung übernehme für mein eigenes Leben und Entscheidungen selbst treffe. „Mach was aus Dir“ wird zum Anspruch an mich selbst, mein Leben nach meinen Wünschen und Vorstellungen und Möglichkeiten zu gestalten, denn wir leben in einer Welt, in der das alles möglich ist. Außer mein Wunsch ist es, mich in der Gemeinschaft einzubringen, wie viele andere und dann aus dem privaten Eigentum ein kommunales wird, was allen zur Verfügung steht und wofür sich jede verantwortlich fühlt. Wenn es heißt, dass ich überzeugt bin, dass es besser ist, die individuellen, egozentrischen Schranken hinter sich zu lassen und dass jede ihre Talente zur Beförderung der Gemeinschaft einbringt. Jemand, die gut kocht, kann dies für die Gemeinschaft tun, anstatt nur für sich selbst. In einer Gemeinschaftsküche. In einem Haus, in dem man gemeinschaftlich wohnt. Dann sind die entlastet, die nicht kochen wollen. Abgesehen davon, dass es sowohl einen Zeitgewinn darstellt, als auch weniger kostet, als wenn jede für sich alleine wurschtelt. Damit haben jene, die meinen, sie könnten sich im handwerklichen Bereich verwirklichen, mehr Möglichkeiten dies zu tun. Mit gemeinsamen Maschinen. Einer Werkstatt, die allen zur Verfügung steht. Das riecht schon sehr nach Sozialismus. Nein, das Private muss bleiben, ohne Wenn und Aber. Jedoch, warum soll ich dann Entscheidungen treffen und meine Wünsche äußern, wenn ich es doch nicht darf, letztlich.
Es kann aber auch bedeuten, dass ich daran arbeite zu wachsen, bereit bin, an mir selbst zu arbeiten, um ein besseres Leben zu führen. Trotz aller Selbstoptimierung und unausgesetzter Verbesserung, geht es immer mehr Menschen immer schlechter. Nicht nur finanziell, sondern auch körperlich und vor allem mental. Das ist allerdings leicht zu erklären, denn es geht immer um die Nabelschau einer Selbstoptimierung um der Selbstoptimierung willen in einer egofixierten Gesellschaft, die vereinsamen lässt, Einzelkämpfer züchtet, sich in allem genötigt fühlt, anzunehmen, es handle sich um knappe Ressourcen. Dabei leben wir im Überfluss. Im Überfluss an Dingen. Aber im Mangel an Miteinander, Gegenseitigkeit und Gemeinschaft. Selbstoptimierung ist ein Trugschluss, denn der Mensch ist kein Einzelgänger, sondern ein Gruppentier, das eigentlich den Sinn in einem gelungenen Miteinander findet.
Und in diesem gelungenen Miteinander, ja da mache ich gerne was aus mir.
Und, wie sieht es bei Dir aus? Hast Du schon etwas aus Dir gemacht? Wenn nein, warum nicht oder warum siehst Du es nicht so? Wenn ja, was hast Du aus Dir gemacht? Ich freue mich auf Eure Erfahrungen, aber auch Gedanken und Meinungen.


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