Adel enthemmt (1)

Bild: Adel enthemmt (1) - Daniela Noitz
🎬 Start der Serie!

Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Graf Wenzel Weinrich von Wallraff Wölfering betrat mit der geballten Arroganz und dem scheins angeborenen Selbstbewusstsein des Adels, auch wenn dieser offiziell seit 1918 in Österreich verboten ist, das Institut für Wildtierbiologie und Ökologie an der Universität und stand dann einfach einmal da, wohl um seine Anwesenheit wirken zu lassen. Natürlich trug er seine Titel nicht mehr, zumindest nicht öffentlich, selbst wenn er überzeugt davon war, dass ihm diese zustünden. Im Laufe der Zeit hatte er jedoch festgestellt, es war gar nicht notwendig dieselben zu erwähnen, denn einerseits lief ihm sein Ruf voraus und was sollte er dagegen ausrichten, wenn die Menschen sich unter der Hand zuraunten, „Da kommt unser Herr Graf“. Und automatisch fügte ein anderer hinzu, „Ja, mei, die Grafen, die hohen Herren waren immer so gut zu uns.“ Dann folgte ein nostalgischer Seufzer. Wenn allerdings Auswärtige kamen, dann wurden die Herrschaften auch öffentlich verteidigt.

Einstmals kam eine Biologin in das Dorf, an dessen Rand, auf der Spitze des Hügels gelegen, das altehrwürdige Schloss der Familie von Wallraff Wölfering über die Untertanen wachte, wie deren Besitzer. Wobei hier Besitzer zu sagen angebracht ist, denn erbberechtigt war immer nur der älteste Sohn, der auch den Titel übernahm, was sich bis heute nicht geändert hatte. Nicht dazu gesagt wurde allerdings, dass das umgebende Land, das im Eigentum der Adelfamilie stand, als Lehen von irgendeinem Kaiser oder König ergangen war, wohl weil sich die Familie entsprechend in Tötungsangelegenheiten wie Kriege oder andere Scharmützel ausgezeichnet hatte und darüber hinaus die Menschen mit eisernen Hand regierten. Lange genug hatten sie quasi freie Hand gehabt und nach Gutdünken Abgaben eingehoben und sonstige Vergünstigungen eingefordert. Das war zwar heute nicht mehr möglich, aber das Land durften sie behalten und erhielten entsprechende Abgaben, die nicht mehr Abgaben, sondern Zins, Pfand oder Miete hießen, was aber am nicht gerade bescheidenen Einkommen nichts änderte. Es wäre niemand auf die Idee gekommen, zu hinterfragen, wie die hohen Herren, die da oberhalb des Ortes thronten, zu ihrem Besitz gekommen waren. Letztlich hatte sich durch die Entfernung des Titels nichts geändert. Die Menschen liebten ihre Grafenfamilie, wobei sie all die begangenen Grausamkeiten vollends vergessen zu haben.

Nein, ganz stimmt es nicht, dass es niemand wagte es zu hinterfragen. Eines Tages wollte ein junger Mann mehr darüber wissen. Er faselte etwas von Rückgabe des Landes an die Bauern, die Handwerker und die kleinen Gewerbetreibenden. Natürlich war er Kommunist. Das ließen sich die Menschen nicht gefallen. Niemand durfte ihre Grafen angreifen oder gar behaupten, dass sie das Land zu Unrecht besaßen. Schließlich war es schon immer so gewesen. Das stimmt zwar nicht ganz, aber diese Phrase „schon immer so gewesen“ genügte, um alle vernünftigen Argumente im Keim zu ersticken. Der junge Mann, der dieses Unternehmen wagte, wurde dann von der gesamten Dorfgemeinschaft so lange gemobbt, bis er es nicht mehr aushielt und fortzog. Da sieht man, wie gut Solidarität funktioniert. Der alte Graf, der damals noch lebte, der Großvater von Wenzel Weinrich, ließ es sich nicht nehmen, mit der offenen Kutsche durch das Dorf gefahren zu werden, nachdem ihm von dem erfolgreich abgewendeten kommunistischen Umsturz berichtet worden war, um seinen Untertanen huldvoll zuzuwinken. An seiner Seite die angetraute Gräfin, die sich im betulichen Kofpnicken übte, bevor die Kutsche gewendet und zu ihrem Ausgangspunkt zurückgefahren wurde. Die Menschen waren ob soviel Huld verzückt, die gräfliche Familie zufrieden.

Nun kehrte bereits angesprochene Biologin im Dorfladen ein, um sich eine kleine Stärkung zu gönnen. Sie hatte eben ihre Bestellung aufgegeben, als ein junges Mädchen in den Laden gelaufen kam, einen Zettel, auf dem offenbar eine Bestellung geschrieben stand, nebst einem Korb auf dem Verkaufspult platzierte und die Ladenbesitzerin sofort alles andere, also die Zubereitung der Jause für die Biologin, stehen ließ, um alles zusammenzusuchen, was auf jenem Zettel geschrieben stand. Die Frau Dr. Victoria Windisch war einigermaßen überrascht. Als sie die Ladenbesitzerin fragte, was das zu bedeuten hatte, bekam sie die lapidare Antwort, dass die Fini, das junge Mädchen, eine Bestellung vom Schloss gebracht hatte und es müsste doch jedem klar sein, dass diese bevorzugt zu behandeln war. „Die Frau Gräfin lässt man schließlich nicht warten“, beendete sie ihre Erklärung, woraufhin sie der Fr. Dr. einen missbilligenden Blick zuwarf und hinzufügte, „Aber das kann wohl so eine nicht verstehen, die keinen Adel um sich hatte“. Es zeigt, eine bloße Streichung der Titel ändert nichts, weder in den Menschen, die sie umgaben, noch an den Lebens- und vor allem Heiratsgewohnheiten, und schon gar nichts an ihrem Selbstbewusstsein, das sie scheins schon mit der Muttermilch mitbekommen hatten. Und mit selbigen gesegnet stand Graf Wenzel Weinrich von Wallraff Wölfering da und entließ seine Wirkung.

Du willst wissen, wie es weitergeht? Dann lies hier den zweiten Teil. Und um nichts zu versäumen, abonniere die Seite. So wirst Du immer informiert, wenn eine neue Geschichte veröffentlicht wird.

Kommentar verfassen

Noch mehr Lesestoff:

Kommentar verfassen