Singvogelfang

Bild: Singvogelfang - Daniela Noitz

Im Salzkammergut, da kann man nicht nur gut lustig sein, wie es in einem sehr bekannten stimmungsvollen Liedchen heißt, man kann sich auch ergötzen an Tierqual und Ausbeutung. Natürlich gilt das für die sog. Nutztiere für die Erzeugung von tierlichen Produkten. Doch das wäre noch nichts Salzkammergutspezifisches. Nein, im idyllischen Salzkammergut hatte und hat man viel Zeit und Muße sich eine besonders perfide Art der Tierquälerei auszudenken, die so perfide, pervers und obskur anmutet, dass sie die UNESO so sehr überzeugte, sie zum immateriellen Weltkulturerbe zu erklären. Vielleicht verstanden sie nur „Songbird“, schließlich spricht man im Salzkammergut Englisch mit Salzburger Dialekt, was doch nett ist.

Singvögel sind wunderbar. Sie singen. Sie singen schön. Deshalb dachten sich die im Salzkammergut lebenden Menschen, damals vor vielen Jahrzehnten, als es weder Fernseher noch Video, geschweige denn Internet gab, es wäre doch nett sich die langen, trüben, kalten Winternächte durch den hübschen Gesang der Singvögel zu verschönern. Deshalb begann man, diese zu fangen und in Käfige zu setzen, um sie singen zu lassen. „So schee“, dachte er und weil es bei den Herren in Tracht und Loden niemals ohne Schwanzvergleich abgehen kann, machte man auch flugs einen Wettbewerb daraus, bei dem der schönste Singvogel prämiert wurde. Da stehen sie dann, die Weidmänner für Arme, erkennbar an kurzen Hosen und dem Gestrüpp im Hut und brüsten sich, den schweren Kampf mit der minderen Kreatur für sich gewonnen zu haben. Da kann man schon mächtig stolz auf sich sein, wenn man einen Lockvogel ansetzt, um andere herbeizurufen, die dann brutalst eingefangen und verwahrt werden. In einem Sackerl zum Beispiel. Und das gibt es auch heute noch. Jedes Jahr dieselbe Zeremonie. Und weil es das schon so lange gibt, das Fangen und Misshandeln, nennt man es flugs Tradition und schon hat es etwas geradezu Feierliches. Obwohl Tierquälerei ohne Sinn und Verstand wird auch mit dem Etikett „Tradition“ nichts anderes als Tierquälerei ohne Sinn und Verstand.

Für alle, die es nicht oder noch nicht wissen: Ja, das gibt es bis heute, wo es keinen wirklichen Grund mehr gibt, dies zu tun, aber es wird trotzig hochgehalten. Es wurde zwar kurzfristig verboten, aber danach wieder erlaubt. Eine politische Entscheidung, die damit auf gewisse Weise sakrosankt zu sein scheint. Natürlich werden diese Machenschaften im Wald verübt, also der Fang, immer zur gleichen Jahreszeit, so dass es Tierschützer*innen möglich ist, diese zu beobachten und dokumentieren. Wenn diese Herren etwas machen, was doch so eine schöne Tradition ist, dann dürften sie auch kein Problem damit haben, wenn es fotografiert und gefilmt wird. Sollte man meinen. Dennoch hielten sie es für angebracht, die Polizei zur Hilfe zu rufen, da sie durch die bösen Tierschützer*innen bedroht wurden. Worin bestand die Bedrohung, die die sonst so taffen Herren so zum Schlottern brachte, dass sie die Exekutive zu Leib- und Lebensverteidigung hinzuzuziehen sich genötigt fühlten? Rein darin, dass ihr Tun dokumentiert und festgehalten wurde. Nichts weiter. Und doch war das bereits eine Bedrohung. Man mag sich wundern, muss es aber nicht, denn letztlich geht es nur darum, dass niemand das Recht haben sollte dieses anachronistische Tun zu hinterfragen oder gar an eine Öffentlichkeit zu tragen, die angeblich davon nichts versteht.

Ich verstehe tatsächlich nicht, was daran schön sein soll, kleine, hilflose Vögel einzusperren, was daran artgerecht ist, diese wunderschönen Tiere in Volieren zu sperren und seien sie noch so groß. Artgerecht ist nur, und das müsste jedem, dessen Gehirn nicht durch vorsintflutliche Narrative aufgeweicht ist, klar sein, wenn ein Vogel in der Natur herumfliegen kann, durch keinerlei Begrenzungen in seiner Bewegungsfreiheit eingeengt. Deshalb kann es nur eines geben, diese miesen Machenschaften ans Licht zu bringen und dafür einzutreten, mit aller Vehemenz, dass es endlich ein Ende hat. Was für ein Glück, dass es Menschen gibt, die sich von den angeblichen Hütern dieser Tradition nicht abschrecken lassen, diese Vorgänge zu dokumentieren. Und damit verbunden die vage Hoffnung, dass es nun doch endlich verboten wird.

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