Kälbertransporte stoppen

Kälbertransporte stoppen – Aktivismus

Immer wieder finden sie ihren Weg in die Medien, die Berichte über die Kälbertransporte. In den letzten Tagen war es eine Aufdeckung von The Marker, die es zu einem zweiseitigen Bericht in der Kronenzeitung schaffte, was natürlich gut ist, denn es darf nicht mehr verschwiegen werden, dass Kuhbabies, und nichts anderes sind diese kleinen Kälber, in Transportern, in denen wohl im Augenblick Temperaturen wie in einem Backofen herrschen, tausende Kilometer weit transportiert werden, bevorzugt nach Spanien. Dort hat aber ihr Leidensweg immer noch kein Ende, denn sie werden auf Schiffe verladen, auf denen die Bedingungen nicht wirklich besser sind. Nein, das darf man den Leser*innen, die ja zugleich Konsument*innen und sogar Wähler*innen sind, nicht vorenthalten. Oh Moment, diese Berichte gibt es doch schon seit Jahrzehnten, immer und immer wieder und trotzdem, es bleibt immer alles gleich. Warum das so ist? Das ist leicht erklärt.

Am Morgen nach meinem täglichen Spaziergang, war ich bei einer Bekannten auf Besuch. Sie hatte die Kronen Zeitung vor sich liegen und als ich mich gesetzt hatte, schlug sie das Druckwerk an der Stelle auf, an der über den Kälbertransport berichtet wurde. Wohl, weil sie wusste, dass mich dies interessiert. Ich las darüber und nickte wissend, denn es ist immer ungefähr das Gleiche, was passiert. Auch die Reaktion meines Gegenübers ist voraussehbar, so war es auch diesmal.
„Ist das nicht schrecklich, was da passiert?“, fragte sie, als wäre es eine tatsächliche Frage.
„Ja, das ist schrecklich“, antwortete ich trotzdem, denn obwohl ich darüber schon lange Bescheid weiß, erschüttert es mich jedes Mal aufs Neue zutiefst.
„Ich meine, das sind noch kleine Kühe, die da so furchtbar leiden müssen“, fuhr sie fort. Und auch darin musste ich ihr rechtgeben.
„Was sind das für Menschen, die so etwas machen?“, war die nächste Frage, die auch jedes Mal auftaucht, wenn es um Tierleid geht.
„Menschen, die dafür bezahlt werden“, erklärte ich nüchtern und wohl auch wenig gefühlvoll ihr gegenüber, denn hier wich ich erstmal vom Drehbuch ab. Eigentlich hätte ich so etwas sagen müssen wie, die Bösen, die das machen, aber das sind geldgierige Ungetüme, von denen es nur ganz wenige gibt und die mit unseren Landwirt*innen nichts zu tun haben, die so etwas ihren Tieren nie antun würden. Das wäre gelogen. Denn es sind genau die Landwirt*innen, die ihre Kälber, die sie nicht brauchen, zusammenkarren, um sie weit weg zu bringen, denn was nach der Grenze passiert, davon wissen sie offiziell nichts.
„Wie meinst Du das?“, fragte sie deshalb.
„Es gibt für alles einen Markt, auch für Tiere und die werden dann eben dorthin gebracht, wohin sie verkauft wurden. Für den Transporteur besteht kein Unterschied, ob er ein Regal oder ein Kalb verbringt. Er verdient daran“, versuchte ich mich an einer Erklärung.
„Aber da gibt es doch Vorschriften“, erwiderte sie verdattert.
„Natürlich, für Regale und für Kälber“, gab ich ihr recht.
„Dann müssen eben die, die sie nicht einhalten, bestraft werden“, erklärte sie mit fester Stimme.
„Natürlich, aber dass es überhaupt erlaubt ist, diese Transporte mit viel zu jungen Tieren durchzuführen, ist schon schlimm genug, selbst wenn alles gesetzeskonform abläuft. Dass sie überhaupt in Lastwagen gepfercht werden dürfen, in denen sie wahlweise unter unerträglicher Hitze leiden oder klirrender Kälte, ist eine Schande“, gab ich zu bedenken.
„Ja, das ist wohl so“, sagte sie, ihre Worte genau abwägend, „Aber da kann man halt nichts machen!“
„Wieso meinst Du, dass man nichts machen kann?“, fragte ich sie, denn auch damit hatte ich gerechnet und war gewillt auch darin vom stillschweigend vereinbarten Skript abzuweichen.
„Na ja, was es heißt, man kann nichts tun, denn schließlich kann man auch nichts dafür“, erklärte sie überzeugt, „Oder, was kann man denn tun?“
„Um diese Kälbertransporte zu verhindern?“, vergewisserte ich mich.
„Ja, genau, darum geht es schon die ganze Zeit“, meinte sie kopfschüttelnd.
„Es ist sogar ganz einfach, etwas, was jede und jeder sofort in die Tat umsetzen kann und das Problem der Kälbertransporte ganz schnell aus der Welt schafft, einfach aufhören, Milch und Milchprodukte zu konsumieren. Dann gibt es auch keine überzähligen Kälber mehr, die man verschleudern muss“, sagte ich ihr und ich sah, wie sie mit offenem Mund dasaß und nicht wusste, was sie sagen sollte, denn die Lösung war einfach, sofort durchführbar und ohne zusätzlichen Aufwand zu bewerkstelligen. Doch da war etwas anderes, was sie störte.
„Ich trinke halt gerne Milch und Käse mag ich auch“, meinte sie.
„Das kann schon sein, aber dann darfst Du auch nichts gegen Kälbertransporte haben, denn dieses Schreckliche gibst Du mit Deinem Konsum in Auftrag“, erklärte ich.

Ja, so einfach könnte es sein. Wenn man es nicht macht, dann ist man Auftraggeber*in von Tierleid. Das ist die nackte Wahrheit. Und an der Reaktion auf diese Wahrheit merkt man, wem es tatsächlich ernst damit ist, an diesem Leid etwas ändern zu wollen oder wer nur gerne Mitleid heuchelt. Und zu welcher Gruppe gehörst Du?

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