Georg Knill, derzeitiger Präsident der Industriellenvereinigung, spricht wohl vielen seiner Artgenoss*innen aus dem Herzen respektive aus der Brieftasche, wenn er fordert, dass Menschen bis 70 Jahren arbeiten sollen, sämtliche Sozialleistungen gekürzt werden, denn dann besinnt sich der Staat seiner eigentlichen Aufgaben, zu denen offenbar die Hilfestellung an Menschen nicht gehört. Der Staat ist, wenn man dieser Argumentation folgt, nur dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass die Vermögen und Erbschaften weiterhin nicht besteuert werden, dass die Menschen, die von der Ausbeutung anderer sehr gut leben, vor dem Pöbel geschützt wird.
Nein, keine Arbeitszeitverkürzung, ganz im Gegenteil, Arbeitszeitverlängerung schwebt dem Herrn vor, auf 41 Stunden bei gleichem Lohn. Das hat auch eine gewisse Logik, denn schließlich sind Lohnkosten der höchste Aufwandsposten in einem Betrieb. Wenn nun die Menschen mehr Leistung erbringen, dann kommt das dem Betrieb zugute und damit dem Arbeitgeber, der die Arbeit weiter geben kann. Außerdem können die Menschen, die dann 3,5 Stunden mehr pro Woche arbeiten weniger Geld ausgeben. Schließlich haben sie weniger Zeit dafür. Wer kauft dann aber den ganzen Krempel, den die Menschen durch längere Arbeitszeiten und letztlich weniger Geld in der Tasche nicht kaufen können? Der braucht nicht mehr produziert zu werden, was dann doch noch zu Arbeitsplatzverlust führt und damit sollten sie Arbeitslosengeld bekommen. Das wird aber dadurch abgefedert, dass das Arbeitslosengeld gekürzt wird, so dass man davon nicht mehr leben kann. Das zwingt Menschen irgendwann jede Arbeit anzunehmen, die sich bietet und müssen dafür auch noch dankbar sein. Gekauft wird übrigens dann bei Temu & Co., was wiederum nicht unbedingt den Produktionsstandort Europa stärkt, aber Hauptsache, die Berge an Geld, das durch die Renditen und sonstiges arbeitsloses Einkommen erzielt wird, wächst unaufhörlich. Das kann der gute Herr Knill wahrscheinlich nicht nur bis 70 sondern sogar bis 90, wenn er es denn erlebt, ohne Probleme leisten, vor dem Kontostand sitzen und zusehen, wie er durch die Arbeit und die Leistung anderer unaufhörlich wächst. Wer in einem klimatisierten Büro sitzt, sich von der Sekretärin Termine machen und Kaffee bringen lässt, ein wenig konferiert, auch mal ein bisschen Verantwortung trägt, so lange es notwendig ist, denn wenn mal was schief geht, ist es doch nur recht und billig, dass der Staat zuschießt und das gefallene Unternehmen auffängt, was allerdings auch eine Sozialleistung ist, letztendlich, auch wenn es nicht so betitelt wird, jedenfalls sind all diese schweren, körperlich anstrengenden Arbeiten durchaus mit denen eines Dachdeckers, eines Maurers, einer Altenpflegerin etc. vergleichbar. Deshalb ist es doch auch nur recht und billig, dass all diese faulen Falotten auch bis 70 hakeln. Das arbeitsscheue Gsindl will noch Work-Life-Balance, Balance zwischen Arbeit und Leben. Doch wer braucht schon Leben, wenn er Arbeit hat? Wer will schon keine Kinder wach sehen? Genügt es nicht, wenn man ihnen in der Früh über den Kopf streicht, wenn sie noch schlafen und am Abend das gleiche tut? Das trägt, wenn man es genau nimmt zur Work-Life-Balance bei, denn so hat man des Abends seine Ruhe. Wichtiger wäre eine Work-Balance, eine Balance der Arbeit, vielleicht zwischen Vormittag und Nachmittag oder den Wochentagen. Und es ist, wie wir alle wissen, kein Problem, wenn man mit über 50 seinen Arbeitsplatz verliert, z.B. aufgrund der Entwicklungen, wie sie oben angesprochen wurden. Da spaziert man wohlgemut aus dem einen Betrieb hinaus, klopft beim Nachbarn, der einen natürlich mit offenen Armen und vor allem Arbeitsplatz empfängt. Mit über 50 kann man sich vor Jobangeboten kaum retten. Wäre dem nicht so, käme ein hochgebildeter Mann wie der Herr Knill nicht auf die Idee, eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu fordern. Und damit die Herren und Damen Proletarier nicht auf die Idee kommen, sich zu besinnen, sorgen wir dafür, dass sie am Existenzminimum herumgrundeln, keine Zeit und keine Kraft haben, sich politisch zu organisieren oder überhaupt nur über ihre Lage nachzudenken. Zur Ablenkung gibt es immer noch Unterhaltung von der seichtesten Art durch die privaten Sender jeder Art. Und wenn noch mehr gefordert wird, von Menschen, die tatsächlich arbeiten, im Gegensatz zum Herrn Knill, dass sie bis 70 arbeiten, so hat das denn unwiderlegbaren Vorteil, dass sie viel früher sterben und damit weniger Kosten in Form von Pensionszahlungen verursachen. Das rettet das Pensionssystem endlich. Und wer es unter den Umständen nicht geil findet, bis 70 zu hakeln, dem kann nicht mehr geholfen werden. Das ist entweder ein Kommunist oder ein Faulpelz oder beides. Wie gut, dass nach wie vor die Menschen das Sagen haben, die sich an der Leistung anderer gütlich tun. Wie gut, dass es Menschen wie den Herrn Knill gibt, der der Ausbeutung zu ganz neuem Ansehen verhilft. Und wenn es dann noch mit der Zusammenarbeit mit der FPÖ klappt, dann sind sämtliche Arbeitnehmer*innenrechte verspielt. Und das ist das eigentliche Ziel. Gut gemacht, Herr Knill, Sie sind auf einem guten Weg.


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