Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Dominik Nörgl drückte ein letztes Mal für diesen Abend auf Enter, dann fuhr er den PC herunter und nahm den letzten Schluck aus seinem Bier. Während das Gerät sich zur Ruhe begab, lehnte er sich zufrieden in seinem Stuhl zurück. Wie sehr sich sein Leben doch zum Positiven verändert hatte. Nicht einmal ein Monat hatte es gedauert, dass er fast alles erreichte, was er sich gewünscht hatte. Die harte Arbeit hatte sich schließlich gelohnt. „Das Glück des Tüchtigen“, das war auf seiner Seite gewesen. Davon war er überzeugt. Und all das, hatte er diesem komischen Gerät zu verdanken respektive den darin schlummernden sozialen Medien.
Alles hatte damit begonnen, dass er missmutig dasaß und nichts mit sich anzufangen wusste. Während seine Mutter eilfertig um ihn herumwuselte, die von ihm achtlos auf den Boden gefallenen Bierdosen und Chipssackerl aufhebend. „So hat diese arme Frau eine Aufgabe“, dachte er, von sich selbst und seiner überbordenden Rücksichtnahme tief berührt und gerührt. Aber er selbst war unzufrieden. Wohin mit seiner Unzufriedenheit, dem Gefühl, ungerecht behandelt zu werden und seiner Missgunst? Da fiel es ihm ein. Er könnte es doch einmal mit diesen Sozialen Medien probieren. Bis jetzt hatte er damit nicht viel am Hut gehabt, also eigentlich, genauerhin, gar nichts, aber das ließe sich leicht ändern. Rasch richtete er sich diverse Accounts ein, suchte sich Menschen zusammen, die er kannte und die so dachten, wie er, die er aufforderte, sich mit ihm zu befreunden und begann seinem Unmut Luft zu machen. Er schrieb über den verdammten Bettler, Taugenichts, Obdachlosen, der den Ausblick auf den Platz vor seiner Wohnung verschandelte. Der solle doch gefälligst was hackeln gehen, so wie jeder anständige Österreicher. Prompt erhielt er jede Menge Beifall. Nun, es waren auch kritische Stimmen darunter, die er aber prompt löschte und die Schreibenden blockierte. War der erste Post schon ein durchschlagender Erfolg, bedachte man, dass er gerade erst begonnen hatte, so war der nächste ein wahrer Triumphzug. In diesem ließ er sich über die sog. modernen Frauen aus, die es nicht mehr zu schätzen wussten, sich um einen armen, geplagten, fleißigen Mann zu kümmern, der sie doch am besten beschützen konnte. Als leuchtendes Beispiel führte er seine eigene Mutter an, die ihr Leben lang danach getrachtet hatte, ihn und seinen Vater, den vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, alles so angenehm wie möglich zu machen, denn schließlich wusste sie wie erschöpfend und aufreibend solch ein Dasein als Mann in der feindlichen Welt war. Dominik fragte sich ernsthaft, warum er keine Frau fand. Dabei verlangte er nur drei Dinge von ihr, Gehorsam, Demut und Schönheit. Als wenn das zu viel wäre. Es war doch in der Natur ganz klar geregelt. Er, der Mann, war der Starke und Beschützende. Sie, die Frau, war die Untergebende und Beschützte. So war es schon immer gewesen. Und alles Leid, alle Zwietracht, diese ständigen Trennungskriege, die waren dem Umstand geschuldet, dass die Frauen ihren Platz nicht kannten. Hatte sich seine Mutter nach dem Tod seines Vaters sofort wieder nach einem Mann umgesehen? Natürlich nicht. Sie würde für den Rest ihres Lebens eine tugendhafte Witwe bleiben. Schließlich war sie schon angebrochene Ware, die kein anständiger Mann mehr anrühren würde, aber als Witwe, da verdiente sie Hochachtung. All das und vieles mehr legte er auf den Sozialen Medien offen, zunächst nur als Text mit Bild, erweiterte er bald sein Repertoire um Videos. Der Erfolg war atemberaubend. Es gab offenbar so viele da draußen, die genauso dachten wie er selbst, wagten es aber nicht, das auszusprechen. Er war zu ihrem Sprachrohr geworden und sie folgten ihm.
Er hatte dieses Unterfangen erst wenige Tage verfolgt, konnte aber schon eine beachtliche Anzahl an Veröffentlichungen vorweisen und war sehr stolz auf seine Leistung, die ihn nicht zu halsbrecherischen Aktionen veranlasste, wie körperliche Betätigung. Deshalb war er auch Sicherheitsmann geworden. Alles wäre ihm möglich gewesen, schließlich hatte er einen Schulabschluss der Hauptschule. Doch er wusste, es genügte, sich hinzusetzen und zu denken, dann käme das Geld ganz von selbst. Eines Tages, er hatte so gesessen wie immer, als er auf einem der Monitore, die er überwachte, das Bild eines Mannes auftauchte, der die Mauer mit seinem Spray bearbeitete. Dominik stemmte sich mühsam hoch und wackelte, schließlich ist es nicht leicht 130 kg Lebendgewicht in Fahrt zu bringen, zu jener Mauer. Der Sprayer sah ihn und lief nicht etwa verängstigt davon. Nein, er begann schallend zu lachen. „Na warte, Bürschchen“, hatte Dominik erbost gedacht und ging noch näher, meinte schon ihn packen zu können, da sprang das dünne, drahtige Kerlchen grazil wie eine Gazelle davon. Monate später musste er sich dafür noch aufziehen lassen. Aber jetzt war alles anders. Dominik war ein Star geworden und dann kam der Anruf, der von der Partei.


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