Leo erbt (2)

Leo erbt (2) – Alle Geschichten

Leo dachte, dass er gar nicht gewusst hatte, dass sein Onkel einen Hund hatte. Allerdings war das nicht weiters verwunderlich, da er so gut wie nichts von ihm wusste. Vorsichtig näherte er sich dem großen Vierbeiner, der weiterhin ruhig dalag, nur leise, aber nachdrücklich knurrte. Sofort zog sich Leo zurück. Das Knurren hörte auf. Offenbar konnte sich der neue Besitzer des Hauses darin frei bewegen, nur dem Hund zu nahe kommen, das durfte er nicht. Deshalb sah er sich weiter um. Die Küche mit dem Kamin und dem gemütlichen Esstisch war sauber und ordentlich, so wie der Rest des Hauses. Neben der Wohnküche fand sich ein kleines Wohnzimmer. Außerdem entdeckte er noch ein Bad und ein Schlafzimmer. Mehr war es nicht, aber es war auch nicht notwendig. Er packte das Wenige, was er besaß aus und verstaute es ohne Probleme in diversen Möbelstücken, um anschließend nochmals nach dem Hund zu sehen, der immer noch unverändert am selben Platz lag. Also ging Leo zurück in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen.

„Mala, Du wartest immer noch?“, vernahm Leo eine Stimme aus dem Vorzimmer, „Schau, ich habe Dir was zu essen gebracht“, sprach die Unbekannte weiter, was Leo dazu veranlasste, sich diese Person anzusehen, die so mir nichts dir nichts in das Haus kam, das nun ihm gehörte. Der Hund lag immer noch unbeweglich da, nur sein Blick ruhte nun auf der zierlichen Gestalt, die in Latzhose gekleidet war und wie ein lebenslustiger Mensch wirkte. Rote, kleine Ringellocken standen ihr wirr vom Kopf ab und ihr Gesicht war mit lustigen Sommersprossen gesprenkelt.
„Ich verstehe, dass Du traurig bist“, fuhr sie fort, sanft und eindringlich, „Das bin ich auch. Der Ladislaus fehlt uns beiden schrecklich, aber deshalb müssen wir jetzt trotzdem weiterleben. Er hätte das so gewollt.“ Tatsächlich nahm der Hund das angebotene Futter an und trank ein wenig Wasser, bevor er sich wieder hinlegte.
„Gutes Mädchen, so ist es richtig“, sagte die Unbekannte, während sie die Hand durch das flauschige Fell des Vierbeiners gleiten ließ, „Es wird leichter, mit der Zeit.“
„Hallo“, unterbrach nun endlich Leo die traute Zweisamkeit von Zwei- und Vierbeiner. Die Person fuhr schnurstracks in die Höhe und sah den Menschen, der sie so unvermutet angesprochen hatte, entgeistert an. Es dauerte einige Moment, aber zuletzt hellten sich ihre Züge auf, als würde sie begreifen, was vor sich ging.

„Hallo. Du musst Leo sein”, sagte das Mädchen, „Ladislaus hat viel von Dir erzählt. Traurig, dass Du Dich nie anschauen ließt.“
„Ich wusste ja nicht …“, begann Leo automatisch, sich zu rechtfertigen, als ihm bewusst wurde, dass es keinen Grund dafür gab, „Ich denke nicht, dass ich Dir eine Erklärung schuldig bin. Wer bist Du überhaupt? Was machst Du hier, hier, in meinem Haus?“
„Entschuldige, ich vergaß, dass Du ja nichts weißt“, erwiderte die Fremde ungerührt, „Ich heiße Lea und wohne gegenüber mit meiner Mama. Ladislaus hat uns unterstützt, weil Mama so krank ist und ich erst jetzt mit der Schule fertig geworden bin. Dafür habe ich mich jetzt um Mala gekümmert, aber es ist nicht leicht. Seit Tagen liegt sie nur so da. Sie hat sich hingelegt, als sie Deinen Onkel holten und wartet hier, dass er wiederkommt. Am Anfang hat sie Futter kategorisch verweigert. Hinaus ist sie nur gegangen, wenn niemand da war. Ich habe extra die Türe offen gelassen, damit sie in den Garten kann.“
„Du meinst, sie trauert um meinen Onkel?“, fragte Leo irritiert, der wenig Berührungspunkte mit Tieren gehabt hatte, bisher.
„So würde ich es nicht sagen, denn sie weiß ja nicht, dass er tot ist, aber sie wartet, weil sie fest daran glaubt, dass er wieder kommt. Schließlich hat er sie gerettet. Da kann er sie doch nicht einfach so im Stich lassen, denkt sie. Glaube ich zumindest“, erklärte Lea.
„Was meinst Du damit, mein Onkel hat sie gerettet?“, fragte Leo, weil er verstehen wollte, bereit sich auf dieses Geschöpf einzulassen, das so bedingungslos vertraute.

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