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Life is too short for boring stories

Einfach sein, leben, nichts weiter. Kann es denn sein, einfach zu leben und sonst nichts. Die unterste Reihe des Kartenhauses. Eines neben dem anderen. Kein Ballast von oben. Die unteren Reihen müssen die oberen nicht stützen, weil es keine gibt. Einfach sein, in den Bedürfnissen, aber nicht in der Bedürftigkeit. Wohlfühlen, was braucht es dazu? Ist es wirklich all das, was wir ansammeln, in den Häusern und Garagen und wo auch immer? Befriedigt es denn unsere Wünsche, oder trägt es nicht mehr zu unserer Belastung bei? Die nächste Reihe im Kartenhaus. Noch ist das Konstrukt recht robust, doch es muss schon gestützt und getragen werden. Bedürftigkeit, die hintangestellt wird, hinter die Bedürfnisse. Bedürftigkeit des Menschen nach Zuwendung, Austausch und Miteinander. Keine Zeit. Wir müssen die obere Reihe stützen.

Einfach sein, inmitten einer Zivilisationsmaschinerie, die Reihe um Reihe baut, und jeder kleinste Luftzug kann das ganze Kartenhaus zum Einsturz bringen. Umso komplexer und diffiziler der gesamte Bau, desto leichter kann er angegriffen und zu Fall gebracht werden. Einfach sein, indem man die Bedürfnisse hinterfragt und sich auf die Bedürftigkeit rückbesinnt.

Einfach sein, inmitten einer Landschaft, in der keiner leben will, wo sich nicht Haus an Haus reiht, Geschäft an Geschäft, Licht an Licht, Lärm an Lärm. Einfach sein, in einer Umgebung, die noch weitgehend verschont blieb von den Eingriffen des Menschen, die selbst noch atmen und wachsen kann. Natürlich. Unbeschnitten. Unbelastet. Einfach sein, in jenem kleinen Haus, das alles bietet, was der Bedürftigkeit Rechnung trägt. Gemeinsam leben, gemeinsam arbeiten und Rückzug.

Einfach sein, als ein sich Hinausbegeben in die Welt, die noch heil ist. Kalt ist es, mitten im Februar in den Transsilvanischen Alpen. Sobald wir vor die Türe treten überfällt uns der Winter mit aller Unerbittlichkeit, fährt uns unter die schützende Bekleidung, auf die wir als nackte Affen angewiesen sind, unter die Haut, in die Knochen. Am liebsten würden wir umdrehen und uns zum warmen Ofen setzen. Verkriechen. Nicht mehr ausgeliefert sein. Doch die unberührte Landschaft lädt auch ein. Die jungfräuliche Schneedecke, die kein Fuß zuvor berührt hatte, als wäre die Welt um uns für uns an jeden Morgen neu erschaffen worden, und doch auch die Sicherheit des schon immer Dagewesenen zu tragen. Verlässlichkeit. Die erste Reihe des Kartenhauses. Einfach sein. Schritt um Schritt vorwärts zu setzen. Der Schnee knirscht unter den Füßen, wenn sie darin einsinken. Langsam kommt der Körper in Schwung. Zweibeinige. Vierbeinige. Still bleibt die Welt, während sie vorwärts gehen. Schritt um Schritt. Nichts weiter. Sich einlassen auf das, was sich zeigt, was sich hören und riechen lässt. Mitten drinnen zu sein, statt Herrschaft zu üben.

Einfach sein inmitten von all dem Belebten, das auch nichts weiter will, als einfach sein. Nichts Aufregendes, nichts Spektakuläres. Das banale Wunder des Lebens an sich. Hier wird es unverbraucht erlebbar. Nicht von Lärm, nicht von Lichtkaskaden überdeckt. Vierbeinige Begleiter stürmen voran. Sie erkunden die Umgebung, kehren wieder zurück. Die zweibeinigen sind so langsam, doch sie bewegen sich vorwärts, denn die Beweglichkeit kehrt zurück. Muskeln werden warm. Die Aufmerksamkeit erwacht. Die Weite des Erlebbaren öffnet sich. Rückbesinnung auf die Bedürftigkeit. Miteinander erleben. Schritt um Schritt. Innehalten. Nach dem eigenen Rhythmus, um die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Weitergehen. Bis sich das Tempo einpendelt. Bedürftigkeit zu verstehen, die kein Wort fordert, sondern sich im gemeinsamen Tun erfüllt.

Einfach sein. Ausgangs- und Endpunkt. Die oberen Reihen des Kartenhauses bewusst abzutragen, bis nur noch die bleiben, die stabil genug sind, um die Bedürfnisse zu erfüllen, die wirklichen Bedürfnisse. Einfach sein, in der Hinwendung. Und wenn am Abend das Feuer im Kamin lodert und eine heiße Tasse Tee dampft, wenn der Körper zur Ruhe kommt und der Geist, dann ist es ein Wenig an Brauchen und ein Viel an Empfangen. 

Einfach sein – indem die Ankunft Annahme findet in gemeinsamen Sein, ein kleines Fest, mitten in der Normalität.

Einfach sein und einfach sein.

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