Leo erbt (1)

Leo erbt (1) – Alle Geschichten
🎬 Start der Serie!

Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Leo igelte sich immer mehr ein, in seiner kleinen, miesen Wohnung im Dachgeschoss eines großen Mietshauses. Mehr konnte er sich nicht leisten, nachdem ihn seine Freundin vor die Türe gesetzt hatte. Irgendwie hatte er sie verstanden. Schließlich hatte er seinen Job verloren, zum Trinken begonnen und dann war ihm doch einmal die Hand ausgerutscht, weil sie das Geld nach Hause gebracht hatte. Ein totaler Verlierer war er gewesen. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, so hätte er wohl an ihrer Stelle genauso gehandelt, doch was nützte seine Einsicht. Wenn es so weiterginge, würde er noch auf der Straße landen. Während er sich in Selbstmitleid suhlte, vernahm er von der Türe her ein Geräusch. Der Briefträger warf die Post ein. „Das werden wohl nichts als Rechnungen sein“, sagte er sich, ging aber trotzdem die paar Schritte bis zum Eingang und hob die Briefe auf. Zum Glück waren es keine Rechnungen. Bloß Werbung. Aber unter all den bunten, lustigen Drucksorten stach ein Briefumschlag heraus. „Dr. Eduard Fitzig, Notar“, war auf dem Umschlag zu lesen. Rasch riss Leo denselben auf und las.

„Sehr geehrter Herr Leirer! Ich bitte Sie höflichst, am 24. April d.J. in meiner Kanzlei anwesend zu sein, um der Testamentseröffnung Ihres Großonkels Ladislaus Winkel beizuwohnen. Hochachtungsvoll, Dr. Eduard Fitzig, Notar.“
Das stand da und Leo begriff es. Und auch nicht. Warum sollte er bei einer Testamentseröffnung anwesend sein, wenn nicht, um was zu erben. Aber warum sollte ihm der Ladsl Onkel was vererben? Er hatte ihn mindestens 15 Jahre nicht gesehen. Vielleicht 20. Damals, als Kind, war er gerne bei ihm, in diesem kleinen Häuschen am Stadtrand. Der Onkel liebte den Garten, der voll war mit Gemüsebeeten, Obstbäumen, Beerensträuchern und Blumen. Hinter dem Garten erstreckte sich der Wald und ein kleiner See. Wie gerne half Leo dem alten Mann bei der Arbeit. Das war auch der Grund, warum er unbedingt Gärtner werden wollte. Das war er nun, aber was hatte er davon? Arbeits- und Beziehungslosigkeit. Eigentlich wollte er sich selbständig machen, aber ihm hatte der Mut gefehlt. Andererseits kam er mit einem Chef oder mit irgendeiner anderen Autorität noch nie zurecht. Sein Traum war, dass ihm jemand sagte, gestalte meinen Garten ganz nach Deinen Vorstellungen. Oder zumindest so, dass man seine Expertise anerkannte. Aber was musste er stattdessen tun? Sterile Trauergärten anlegen, ohne Leben oder Verspieltheit. Ordentlich und langweilig. Das war es, was er nicht ausgehalten hatte. Vielleicht gäbe es doch noch eine Chance für ihn, dachte er. Beseelt von dieser Hoffnung fand er sich an besagtem Tag in den notariellen Räumlichkeiten ein, um zu erfahren, wie der letzte Wille des Verstorbenen Onkel lautete.

Das erste, was Leo auffiel war, dass er der einzig Geladene war. Der Notar begrüßte ihn förmlich und bat ihn sich zu setzen.
„Nachdem Sie der einzige Erbe sind, wird es wohl schnell gehen“, erklärte der Jurist trocken, um sogleich zur Tat zu schreiten. Er eröffnete einen Umschlag, zog ein einziges Blatt Papier hervor und las:
„Mein letzter Wille und Testament! Im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, vermache ich, Ladislaus Winkel, meinen gesamten, irdischen Besitz meinem Neffen Leo Leirer. Die einzige Bedingung ist, dass er sich um alles kümmert, was in Haus und Garten lebt. Falls er dieser Vorgabe nicht nachkommen sollte, wird ebenjener Besitz an seine Schwester gehen. Gezeichnet, eigenhändig, Ladislaus Winkel.“
Das war der Inhalt und Leo könnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als dass dieses idyllische Fleckchen an seine geldgierige Maklerin gehen sollte, zu der sich seine Schwester ausgewachsen hatte.
„Sind Sie bereit das Erbe anzunehmen?“, hörte er den Notar fragen. Und wie er bereit war.
„Ja, das bin ich“, erklärte Leo feierlich, woraufhin der Notar ihm die Schlüssel aushändigte.
„In genau einem Jahr wird eine Kontrolle erfolgen, ob sie die, im Testament ihres Onkels gestellten, Bedingungen erfüllen. Alle weiteren Papiere und Unterlagen sind im Haus. Ich darf Ihnen mein Beileid und meine Glückwünsche aussprechen, mein Beileid zum Verlust des geliebten Verwandten, meinen Glückwunsch zum Erbe. Leben Sie wohl!“ Und damit verließ der Notar das Büro, um kurz darauf wieder zu erscheinen. Ihm war wohl doch noch eingefallen, dass es seine Räumlichkeiten waren, die Leo zu räumen hatte. Das tat er denn auch. Nachdem er die paar Habseligkeiten, die ihm verblieben waren, zusammengepackt und mit Freude seinem Vermieter gesagt hatte, was er mit seiner Wohnung oder besser diesem Loch, das sich Wohnung nannte, anstellen solle, war er bereit, sein neues zu Haus zu beziehen. Die Sonne ging gerade glänzend unter und tauchte das Häuschen mitsamt Garten in ein goldenes Licht, als Leo ankam, bereit, es zu beziehen. Er schritt durch die Pforte und die Eingangstüre. Nichts hatte sich geändert, wie er sofort feststellte. Oder fast nichts, denn gegenüber der Türe lag ein großer, schwarzer Hund und rührte sich nicht. Was hatte das wohl zu bedeuten?

Du möchtest erfahren, wie es weitergeht? Was es mit dem schwarzen Hund auf sich hat? Dann kannst Du hier den zweiten Teil am 07. April lesen. Schau vorbei oder abonniere den Blog, um keine Geschichte mehr zu verpassen.

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