Von Schafen und Menschen (1)

Von Schafen und Menschen (1) – Alle Geschichten
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Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Margarete von Maltenbrück war eine Dame, die aus den sog. besseren Kreisen stammte, was schon allein das „von“ vermuten ließe, aber wenn man sie sah, bedurfte es keiner weiteren Beweise, denn sie war immer und jeder Situation in teure Designerkleidung gewandet. Darüber hinaus wirkte sie, als hätte sie gerade eine Schönheitsvollbehandlung erhalten, so tadellos, wie ihre Frisur saß, die Fingernägel manikürt waren und der Teint makellos war. Verheiratet war sie, zu ihrem Leidwesen, wohl auch zu seinem, mit Prof. Dr. Valentin de Vries. Als sie ihn kennenlernte, war sie überzeugt, dass das „de“ auch einen Adelstitel andeutete, was sich als falsch herausstellte. Immerhin war der Niederländer ein bedeutender Gelehrter und international anerkannt. Das tröstete sie ein wenig über das fehlende, zusätzliche blaue Blut hinweg, was gar nicht so leicht war, da sie ihre Schwestern, insgesamt sieben an der Zahl, bei jedem Zusammentreffen spüren ließen, dass die arme Margarete, wie sie fürderhin genannt wurde, als einzige einen Mann gekapert hatte, dessen Stammbaum nur bürgerliche Vorfahren aufwies.

Wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, so hatte sie sich darüber hinaus auch noch dazu hinreißen lassen, in der Hitze eines Wortgefechtes mit den geliebten Schwestern, zu behaupten, sie würde in keiner, noch so fragilen Situation, auf ihr damenhaftes Auftreten vergessen. Dies war passiert, weil eine ihrer Schwestern, Elena mit Namen und die jüngste der acht, von boshaften Pressefotografen dabei ertappt worden war, wie sie unentschuldbar unelegant ihre Louboutins trug, während sie tatsächlich mit ihren nackten Füßen die Gehsteige von Monaco entlangschlenderte. Und wenn das noch nicht schlimm genug gewesen wäre, so konnte man auf den brillanten Abbildungen der entblößten Körperteile, ein Hühnerauge ausnehmen. Sie waren also nicht nur unverhüllt, sondern auch noch voller Makel. Ihr selbst, so hatte Margarete getönt, würde so etwas niemals passieren, selbst wenn sie inmitten einer Schafherde in Nordschottland, im tiefsten Hinterland, ausgesetzt werden würde, wäre sie die Etikette in Person. Ihr angetrauter Ehemann, der schon lange aufgehört hatte, ihr zuzuhören, zu eintönig waren ihre Gesprächsthemen, die sich in Adel, Gesellschaft, Schönheit und Mode erschöpften, wurde hellhörig, denn er sah eine strahlende Zukunft auf sich zukommen, wobei eine solche schon alleine darin bestand, ein paar Wochen, ach was Wochen, Tage würden es auch tun, von ihr befreit zu sein.

Die Wette ward geschlossen und Valentin aufgefordert, mit ihr nach Schottland zu reisen, um eine entsprechende Schafherde aufzutreiben. Dann würde sie sich mitten unter diese Tiere begeben, die bekanntermaßen dumm waren, aber dafür gutmütig, um dann die entsprechenden Lichtbildaufnahmen anzufertigen, woraufhin sich ihre jüngste Schwester in Grund und Boden schämen und einen Kurs in Betragen absolvieren müsse, bei der schauerlichen und berüchtigten Dame Catharine d’Ailly, die aufgrund ihrer französischen Abstammung aus höchsten Kreisen, bestens dazu geeignet war, da sie keinerlei Rücksichten auf ihre Schülerinnen nahm, denn -so ihr Motto – wer eine Dame sein will, muss den Schmerz kennen, dieses verweichlichte Ding in Form zu bringen.

Frohlockend verließen sie, Margarete und Valentin, den Stammsitz derer von Maltenbrück und begaben sich, behelfs Flugzeug nach Schottland. Vom Flughafen aus ging es weiter mit einem Mietwagen. Das Ziel war das Ende der Zivilisation, wie sich Margarete klar und deutlich ausdrückte, das für ihre Begriffe dort erreicht war, wo Schafe neben den Straßen weideten. Das dauerte im Norden Schottlands nicht lange. Margarete saß neben ihrem Mann, puderte sich die Nase und langweilte sich, als ihr Mann völlig unvermutet bremste, doch wenn er meinte, dies genüge, sie aus dem damenhaften Gleichgewicht zu bringen, täuschte er sich gewaltig. Elegant fing sie sich und den kleinen Taschenspiegel ab und verstaute ihn in ihrer Handtasche, um dann den Grund herauszufinden, warum er so abrupt gehalten hatte. Tatsächlich fand sie den Wagen von Schafen umringt. Valentin, der sich seinen eigenen Plan zurechtgelegt hatte, verließ das gemietete Cabriolet und machte sich auf und davon. Margarete fragte ihn zwar noch, was er bezwecke, bekam aber keine Antwort. Nun saß sie, aufrecht und perfekt frisiert da, während der Schäfer, der neben den ihm anvertrauten Wolltieren stand, amüsiert vor sich hingrinste. Margarete wusste nicht, was sie tun sollte, denn sie hatte niemals Autofahren gelernt. Schließlich war sie auf ein Leben mit Chauffeur eingestellt, so dass sie nicht einfach zurückfahren konnte. Es schien tatsächlich eine ausweglose Situation zu sein. Nun, für jede andere wäre es so gewesen, nicht aber für Margarete, die immer genau wusste, was zu tun war und das auch noch protokollgerecht. Es musste ihr nur noch einfallen.

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