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Life is too short for boring stories

Eigentlich liebten sie sich. Natürlich hatte es viele Jahre gegeben, in denen sie es einfach getan hatten, ohne viel darüber nachzudenken. Nein, das ist jetzt falsch. Ganz am Anfang, da taten sie kaum etwas anderes, als sich darüber Gedanken zu machen, über einander, über Dich und mich und über ihre Liebe. Damals durchforsteten sie ihr Gefühl füreinander immer und immer wieder. Versicherten sich einander, weil diese Versicherung notwendig war. Weil am Anfang, da fehlt die Sicherheit, wenn man sich noch nicht wirklich so kennt, wenn noch die Einschätzung fehlt und der Weitblick.

Am Anfang ist es so. Viel Energie verwandten sie darauf, dies zu tun, füreinander und für die Versicherung, doch sie hatten sie, damals, weiß Gott woher. Sie war einfach da und gab ihnen die Möglichkeit. Doch die Zeit verging und vergeht nach wie vor, wie die Zeit das eben so tut und sich durch nichts abschrecken lässt. Und mit der Zeit hörten sie auf mit der Versicherung und sie trat in den Hintergrund, weil wieder andere Dinge forderten und die Energie nachließ, weniger wurde. Sie wollten sich etwas aufbauen. Die Gedanken verloren ihre Fokussierung auf das Miteinander und erreichten wieder die Umgebung. Mit der Zeit wurde das Miteinander zur Selbstverständlichkeit. Es war einfach. Und sie bauten sich etwas auf. Neue Menschen traten in ihr Leben und zwischen sie. Die Welt nahm sie so sehr in Anspruch, dass sie kaum mehr aufeinander achteten. Es war auch nicht notwendig, denn es war so, dass sie da waren, immer da waren. Da war nicht einmal der Gedanke an die Möglichkeit, dass es anders sein könnte. Sie behandelten sich auch nicht direkt schlecht, sondern einfach gar nicht mehr. Dass sie sich liebten, das wussten sie, irgendwie wussten sie es, doch sie sagten es nicht mehr und versicherten sich einander ebenso wenig. Sie meinten, dass es so sein müsste und wandten sich dem zu, wovon sie überzeugt waren, dass es eben jetzt wichtiger oder zumindest dringender war. Ihre Leben fanden nebeneinander statt, aber nicht mehr miteinander.

Eines Tages war es, dass sie sich verlassen fühlte, und er keine Zeit für sie hatte, so dass sie sich vertröstet sah, doch das Später, auf das sie vertröstet wurde, das kam nicht, so lange sie auch wartete. Was sollte sie tun? Sie wählte den einfachsten Weg und fand sich ab, so dass sie nichts mehr verlangte und nichts mehr gab. Es war einfach und nicht mehr wert sich Gedanken zu machen, weil es auch keinen Nutzen hatte. Doch dann war es an ihm. Sie schien ihm so weit weg zu sein. Er meinte, sie interessiere sich nicht mehr für ihn, so dass er sie einforderte, die Aufmerksamkeit und das Interesse. Sie waren sehr verschieden. Wo sie zu Akzeptanz neigte, setzte er Bewegung. Sie nahm es hin. Er forderte. Sie konnte seine Forderungen nicht erfüllen. Später vielleicht, irgendwann. Wir werden sehen.

Und dann kam der Tag, da jemand in den Fokus trat, wobei es nichts zur Sache tat ob in ihren oder in seinen. Betroffen waren doch beide. Der eine als derjenige, der einen neuen Anfang erleben durfte, so wie er damals war, und der andere, der merkte, dass es etwas war, was ihnen gehörte und nun mit einem anderen auch erlebbar war. Und der Schmerz breitete sich aus und nahm sie ein, beide, den, der gefunden, ebenso wie den, der verloren hatte. Und mit einem Mal wurden ihnen ihre Versäumnisse bewusst, alles was sie aneinander verbrochen und auch unterlassen hatten. Es war wohl der Punkt, an dem sie endlich begriffen, dass sie vor einer Entscheidung standen, einer Entscheidung für- oder gegeneinander. Eigentlich wussten sie, dass sie wollten. Sie hatten es die ganze Zeit gewusst, doch erst jetzt begriffen sie, dass man Entscheidungen, die zwei Menschen betreffen nicht nur im Herzen und in den Gedanken tragen durfte, sondern auch verbal ausdrücken musste. Woher sollten sie es sonst wissen? Wohl, von sich selbst schon, aber vom anderen? Es hätte auch ganz anders sein können. Es spielte keine Rolle wer oder was sie darauf aufmerksam gemacht hatte, letztlich. Wichtig war nur, dass es geschah, dass sie sich ihrer Lethargie bewusst wurden und wieder zueinander blickten, auch einmal wieder sagen konnten, alles andere könne warten. Es hing am seidenen Faden. Sie hatten zu entscheiden ob er riss oder hielt, sich gar wieder verfestigte und an Tragkraft gewann. Sie sahen einander an wie schon lange nicht mehr.

Eigentlich liebten sie sich. Und endlich sagten sie es auch.

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