Während Sybille und Sabrina gespannt darauf warteten zu erfahren, was für einen Weg Susanne eingeschlagen hatte, bot sich in einer Kneipe ein sehr alltägliches Bild von drei Männern, die um einen Tisch standen und vorläufig in ihr Bier stierten. Der Anlass ihres Zusammenkommens war alles andere als männlich besetzt. Normalerweise redeten die drei Fs, Fridolin, Ferdinand und Frederick über Fußball, Formel I und ähnlich unverfängliche Themen, doch an diesem Tag schien alles anders zu sein. Es fiel ihnen nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Dass sie sich schon ewig kannten, änderte nichts daran. Männer hatten einfach keine Sprache für Gefühle und Beziehungen. Niemand brachte es ihnen bei. Das war wohl mit ein Grund, warum sie stattdessen in stressigen Beziehungskonstellationen die Fäuste sprechen lassen mussten. Es war auch ein großer Anteil Hilflosigkeit dabei, die der Sprachlosigkeit entwuchs. Doch diese drei waren Akademiker und eigentlich stolz auf ihre Zungenfertigkeit. Vor allem Ferdinand als Jurist war eigentlich überzeugt davon, dass er alles verbal meistern konnte. Dennoch stand er nun da und rang mit sich und dem Ausdruck. „Was ist nun?“, forderte Frederick ihn auf, „Was ist passiert?“ „Sie ist ausgezogen, mit Sack und Pack und der Kleinen und ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Verdammt!“, erwiderte Ferdinand, „Dabei hatte sie es so gut, die Gnädigste.“
„Hatte sie das?“, wagte Fridolin zu fragen. „Willst Du was anderes behaupten, Du Verräter?“, fuhr Ferdinand ihn an. „Lass ihn in Ruhe, er kann nichts dafür“, meinte Frederick beschwichtigend, „Schließlich hast Du sie schon seit Jahren betrogen.“ „Weil sie so langweilig geworden ist, das Hausmütterchen“, erklärte Ferdinand, „Aber ich habe alles bezahlt. Da wird einem hart arbeitenden Mann wohl ein wenig Vergnügen zustehen. Oder nicht? Jedenfalls war sie die letzten 20 Jahre zu Hause, hat sich um nichts Sorgen machen müssen, nicht arbeiten.“ „Das ist wahr“, erklärte Frederick, „Wenn ich da an meine Sabrina denke, die macht das alles und arbeitet auch noch. Besser kann es ein Mann nicht treffen.“ „Auf jeden Fall ist sie jetzt weg und ich finde diese verdammten Socken nicht und der Wäschekorb geht über. Was tue ich damit?“, zeigte sich Ferdinand verzweifelt. „Stell doch eine Haushälterin ein“, schlug Fridolin nüchtern vor. „Weißt Du, was das kostet?“ konterte Ferdinand barsch. „Da siehst Du, was Deine Frau geleistet hat, ohne Bezahlung“, sagte Fridolin trocken. „Du sei ganz still“, meinte Frederick, „Sybille und Du, ihr könnt da gar nicht mitreden, ihr habt keine Kinder und ihr habt so eine Vorzeigebeziehung.“ „Und was ist schlecht daran?“, meinte Fridolin, „Wir teilen die gesamte Lebensarbeit.“ „Ja, ist schon recht“, erklärte Frederick, „Ein echter Mann tut so etwas nicht.“ „Und was tut ein echter Mann?“, fragte Fridolin amüsiert. „Die Frauenarbeit den Frauen überlassen“, erklärte Frederick, „Der Trick dabei ist so simpel, dass ich mich immer noch wundere, dass kluge Frauen darauf hereinfallen. Ganz ehrlich, Gott schütze die Emanzipation. Da muss man sie nur ein wenig am Stolz packen und schon drehen sie auf wie ein Duracell-Häschen. Meiner muss ich nur sagen, moderne Frauen, die schaffen alles. Und schon muss sie es beweisen. Dann habe ich meine Ruhe. Kann ich Euch nur empfehlen. Das mit der ganzen Gleichberechtigung, das ist doch nur Gewäsch. Jedenfalls ist es äußerst zufriedenstellend.“ „Meinst Du, dass das fair ist?“, fragte Fridolin. „Ja klar, sie bekommen nur, was sie wollen“, meinte Frederick, „Und dann kommt sie auch nicht drauf, wenn man ab und zu woanders nascht. Dazu hat sie keine Zeit. So wie Deine Frau.“ „Ich habe es schon verstanden“, meinte Ferdinand, „Aber ich brauche sie zurück. Ich bin völlig aufgeschmissen ohne sie.“ „Die wird so schnell zu Dir zurückgekrochen kommen, wie sie gegangen ist“, versuchte Frederick seinen Freund zu beruhigen, „Wovon soll sie schließlich leben.“ „Das frage ich mich auch. Aber wahrscheinlich hast Du recht“, zeigte sich Ferdinand erleichtert, aber dann fiel ihm etwas ein, „Was ist, wenn sie einen anderen hat und der sie nun aushält?“ Wie falsch er mit dieser Annahme lag, hätte er erfahren, wäre er nicht in der Männerrunde gestanden, sondern beim Gespräch der Frauen dabei gewesen. Denn welchen Weg Susanne gegangen war, dazu reichte die männliche Phantasie bei Weitem nicht aus, die sich darauf beschränkte hinter allem einen anderen Mann zu vermuten. Wie er wohl reagieren würde, wenn er es erführe?
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