Wo ist mein Platz? (4)

Wo ist mein Platz? (4) – Alle Geschichten

Während sich die Männer mit Gesprächen auf sicherem Terrain ablenkten, offenbarte Susanne nun endlich ihren Freundinnen, was sie getan hatte: „Ich hatte also herausgefunden, dass Ferdinand eine Geliebte hatte, schon seit Jahren. Zunächst war ich verzweifelt. Wie konnte er mir das nur antun, wo ich mein ganzes Leben ihm und unseren Kindern gewidmet hatte? Doch dann beschloss ich, mir diese Frau anzusehen.“ „Du hast sie heimlich beobachtet?“, fragte Sabrina. „Ganz und gar nicht“, erwiderte Susanne, „Ich fuhr zu ihrem Haus und läutete an.“ „Und was hast Du gesagt? Ich meine, wer Du bist?“, fragte Sybille nun. „Sie wusste sehr genau, wer ich war“, meinte Susanne, „Denn sie sah mich nur an und fragte, was ich hier wolle. Und ich sagte ihr, dass ich mir die Frau einmal ansehen wollte, mit der mich mein Mann schon seit Jahren betrügt. Und um ihr zu sagen, dass sie ihn jetzt ganz haben könne, weil ich ihn verlassen habe. Eigentlich wollte ich mich umdrehen und gehen, aber sie hielt mich zurück, bat mich in ihr Haus zu kommen.“ „Das hast Du doch selbstverständlich abgelehnt“, meinte Sabrina voller Überzeugung.

„Nein, ich bin mitgegangen. Wir haben miteinander Tee getrunken und geplaudert. Sie heißt übrigens Stephanie und lebt auf einem ehemaligen Vierkanthof mit einem riesigen Garten. Weil sie ihn geerbt hat. Sie arbeitet freiberuflich als Innenarchitektin und hat Ferdinand bei einem Prozess kennengelernt, bei dem sie eine Expertise abgab. Ihr wisst ja, er kann sehr charmant sein. Jedenfalls hat sie sich offenbar Hals über Kopf in ihn verliebt. Mit der Zeit kam sie immer mehr drauf, dass er eigentlich schäbig und egozentrisch ist, was ihr auch wisst. Langer Rede kurzer Sinn, nachdem ich sagte, sie könne ihn jetzt haben, meinte sie nur, sie würde ihn auch in die Wüste schicken, was sie auch tat.“ „Woher weißt Du das?“, wollte Sybille wissen. „Weil ich dabei war“, meinte Susanne schmunzelnd. „Nein“, entfuhr es den beiden anderen unisono, „Wie das?“ „Wenn ich weitererzählen darf, erfahrt ihr es“, meinte Susanne lapidar, um dann fortzusetzen, ungestört, „Langer Rede kurzer Sinn, ich habe ihr von meinem Obst- und Gemüsevertrieb erzählt und sie meinte, sie hätte so viel Platz, ich könne bei ihr einziehen. Also packte ich meine Sachen und meine jüngste Tochter, um mich bei ihr einzuquartieren, in einer separaten Wohnung und einem Garten, in dem ich schalten und walten darf, wie ich will. Jedenfalls kam ein paar Abende später Ferdinand zu Besuch und ich konnte mitanhören, wie sie ihn vor die Türe setzte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie er sich dabei aufgeführt hat. Zuerst schmeichelte er, dass er sie doch so liebe und mich sowieso verlassen wollte. Da warf sie ein, dass ich ihn doch verlassen habe und sie selbst offenbar jetzt als Notnagel diene. Das machte ihn wütend, woher sie das wisse und solche Dinge, doch Stephanie sagte kein Wort. Er weiß wohl bis heute nicht, wo ich abgeblieben bin und das ist auch gut so. Eigentlich eine skurrile Situation, wenn man es genau bedenkt. Zuletzt beschimpfte er Stephanie als undankbar und herzlos. Das machte es ihr wohl desto leichter, ihr Vorhaben tatsächlich umzusetzen.“ „Das ist großartig“, meinte Sabrina, „Dabei habe ich immer gedacht, ich wäre hier die Starke. Ich glaube nicht, dass ich das fertig brächte. Ich bin mir mittlerweile sehr bewusst, dass mich Frederick nur benutzt. Er hat mich angestachelt, meinen Ehrgeiz entfacht und dabei habe ich übersehen, dass er keinen einzigen Handgriff beiträgt zu Ehe und Familie. Doch ich war so beschäftigt, dass es mir komplett entging. Dein Beispiel gibt mir Kraft, meine Situation zu überdenken und zu sehen, ob es nicht einen Platz gibt, an dem es auch mir gut geht und nicht nur immer den anderen, einen Platz, an dem ich meine Vorstellungen von einem guten Leben verwirkliche. Heute noch werde ich Frederick vor die Wahl stellen. Entweder geht es mit ihm, was wünschenswert ist, aber wenn es nicht mit ihm geht, dann auch ohne ihn, denn ich brauche ihn nicht, er aber mich. Auch das habe ich jetzt begriffen.“

So weit sich Sabrina und Susanne auch offenbart hatten, Sybille hatte nichts beizutragen, da sie genau an dem Platz war, an den sie sich gewünscht hatte, mit einem Mann an ihrer Seite, der sie respektierte und im wahrsten Sinne des Wortes das Leben teilte. „Ich freue mich sehr für Dich, dass Du diesen Platz schon gefunden hast“, sagte Sabrina unvermittelt zu Sybille. „Und ich freue mich, dass ihr das so seht, und wünsche Euch das gleiche“, meinte Sybille nachdenklich. ★

🎬 Ende der Serie!

Dies war das epische Finale. Keine weiteren Teile folgen.

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