Hilfe, da ist ein Schwein in meinem Garten! (1)

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Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

An einem Tag waren sie noch nicht da und am anderen schon. An einem Tag war Ruhe im Ort, Gewohntes, Vertrautes und am anderen nicht mehr. Sie standen da, als wären sie gerade aus dem Boden aufgeschossen. So wollte es einem zumindest erscheinen, denn es war so unverhofft geschehen. Niemand hatte sich auf dieses Kommen und schon gar nicht auf die daraus resultierenden Ereignisse vorbereiten können. Denn diese lagen so weit außerhalb jeglicher Erfahrung der Menschen, die in diesem kleinen Ort im Herzen Europas wohnten, dass sie es nicht geglaubt hätten, bevor es geschah. Viele wünschten sich wohl, es wäre nicht passiert, viele, aber eben nicht alle. Manche begrüßten die Abwechslung. Jene, die noch jung genug waren. Auch im Geist.

Hilfe, da ist ein Schweine in meinem Garten

Es hatte wie eine Invasion gewirkt. Dabei waren es nur acht Personen gewesen, doch sie wirkten so fremd und anderes, dass davon auszugehen war, dass sie Übles im Schilde führten. Da waren ein kleiner, gedrungener Mann, der so dunkel wirkte mit dem schwarzen Vollbart und Haupthaar, der sonnengegerbten Haut, die dafür sprach, dass er sich viel im Freien aufhielt und der seltsamen Tracht, die er trug. Nein, das war kein Hiesiger, wie man so schön sagte. Seine Hand hielt die eines kleinen Mädchens, die so niedlich wirkte wie eine Puppe, mit den langen Zöpfen und dem bunten Kleidchen. Dahinter die restliche Truppe bestehend aus zwei Eseln, zwei Schweinen, einer Katze und einem Hund. Da standen sie also, mitten auf der Hauptstraße in diesem verschlafenen Ort, der sich gewünscht hätte, nicht erweckt zu werden. Zumindest nicht von Personen, die von weither kamen. Außer ihnen war niemand da. Der eine oder andere Vorhang flatterte leicht und das eine oder andere Klicken war zu vernehmen, das anzeigte, dass die Türen sorgfältig verschlossen wurden. Es bestand kein Zweifel, die Ankömmlinge standen unter strenger, wenn auch geheimer, Beobachtung. Eine Weile standen sie einfach nur so da und sahen sich um. Wer genau hingesehen hätte, hätte erkannt, dass sie erschöpft waren. Doch es stand zu bezweifeln, dass irgendwer genau hinsah. Endlich, als sie einsehen mussten, dass niemand kam, sie zu begrüßen, nahmen sie seufzend ihre Gepäcksstücke wieder auf, die sie kurz abgestellt hatten, setzten sie ihren Weg fort. Erstaunlich, dass sie genau zu wissen schienen, wohin sie wollten. Am Ende der Hauptstraße bogen sie links ab und schritten voran, bis sie das letzte Haus erreichten, das in dieser Gasse lag. Es war ein kleines, ungepflegtes und wohl auch schon heruntergekommenes Domizil, zu dem allerdings ein großer Garten gehörte. Vor einigen Jahren hatte eine Frau darin gewohnt, die in ihrem Garten auch Tiere gehalten hatte. Alles mögliche Viehzeug war es gewesen, hätte man von den Einheimischen als Auskunft bekommen, wenn man sie denn gefragt hätte. Die Frau, die war nämlich auch seltsam. Dann war sie eines Tages weggewesen. So wie die Fremden eines Tages dagewesen waren. Genau das gleiche, nur umgekehrt. Niemand wusste, wo sie abgeblieben gewesen war, die Frau mit dem Viehzeugs, das sie nicht nutzte, nur hatte und es interessierte auch keinen. Zu ihrer Familie soll sie gezogen sein, hatte es geheißen. Gestorben soll sie sein, sagten andere, auch wenn es dafür keinen Beweis gab. Und jetzt gingen die Fremden auf das Grundstück, das zwar dereinst von einem Zaun umgrenzt gewesen war, aber der nun schon lange nicht mehr stand. Das Haus war nicht mehr das Schönste, aber das Dach war dicht und man konnte was daraus machen. Der Stall im Garten und die Gewächshäuser mussten wohl auch ein wenig renoviert werden. Dennoch gingen die Fremden in den Garten. Die Esel und die Schweine blieben und erkundeten denselben. Die Katze und der Hund folgten den Menschen. Als sie das sahen, die die hinter den Vorhängen standen und das Geschehen heimlich beobachten, wussten sie, dass die auch wieder das Gebäude verlassen mussten, denn das konnte doch nicht rechtens sein. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass das erst am nächsten Tag geschehen konnte. Es war zu spät für einen Anruf beim Bürgermeister oder sonst jemanden, der es wissen musste, was im Falle einer solchen Invasion zu tun sei. Dann gingen alle schlafen, um bereits um sechs Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen zu werden, zumindest jene, die die unmittelbare Nachbarschaft ausmachten, denn ein markerschütternder Schrei zerriss die morgendliche Idylle. Rasch liefen alle aus ihren Häusern, um zu sehen was geschehen war. Zitternd wies die Frau Pruckner in ihren Garten: „Hilfe, da ist ein Schwein in meinem Garten!“

(Lifelover, Daniela Noitz)

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