Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Amalia Armleuchter war eine jener Menschen, die fröhlich, unbelastet von Wissen und tieferen Gedanken durchs Leben wandeln. An diesem Tag trug sie diese Wandelung über die Felder durch ein kleines Wäldchen, bis sie eine große Halle sah. Die Türe stand offen und trotzdem sie nicht im Geringsten an Neugierde litt, blickte sie ins Innere, nur wie warf ihn nicht, den Blick, das hatte sie noch nie gemacht, denn wenn sie ihn würfe und nicht wiederfände, wäre er für immer verloren. Was sie sah, verwunderte sie ein wenig. Deshalb stand sie still und gab sich ihrer Verwirrung hin.
„Heast, was tust da?“, vernahm sie eine unwirsch klingende Stimme.
„Bist Du der Bauer?“, fragte sie anstelle einer Antwort.
„Ja und Du hast da nichts verloren“, erklärte dieser.
„Das stimmt, ich habe alles bei mir“, meinte sie achselzuckend, „Aber sag mir, was ist mit den Hennen los?“
„Nichts, das ist ganz normal“, antwortete der Bauer.
„Also, ich sehe, dass sie kaum Federn haben und ganz unglücklich aussehen“, erklärte Amalia, „In der Werbung schaut das immer ganz anders aus, da laufen sie glücklich auf der Wiese herum.“
„Das sind auch Wiesenhendl“, merkte der Bauer an.
„Dann will ich sie retten“, sagte sie bestimmt.
„Was, alle 500?“, fragte der Landwirt nach.
„Nein, zehn, ja zehn“, erklärte Amalia, „Ich nehme sie mit nach Hause und sie werden glücklich leben. Was kriegst für die zehn Hennen?“
„Nun, wenn ich rechne, dass diese Hennen noch drei Jahre Eier legen und ich auf all diese Einnahmen verzichte, dann entgehen mir mindestens € 900,– an Einnahmen, die ich verliere, aber weil Du es bist, gebe ich sie Dir hier und heute fĂĽr € 400,–. Und ich fĂĽhre sie Dir, wo Du sie haben willst.“ Und weil das Amalia fĂĽr einen fairen Preis hält. SchlieĂźlich verausgabt sich der Bauer ja offensichtlich, gibt sie ihm € 400,–, die sie zufällig dabei hat, schlieĂźlich weiĂź man nie, was einem auf der Flur und im Wald begegnet, sucht sich die rettungswĂĽrdigsten HĂĽhner aus und der Bauer bringt sie höchstselbst nach Hause, doch auf dem Weg schreit Amalia plötzlich „Halt an, Bauer!“. Seufzend tut er es, denn wer fĂĽr zehn Hennen, die eine Woche später im Suppentopf gelandet wären, bereit ist, so viel zu zahlen, darf auch ein wenig schrullig sein. Aber der Grund der Anhaltung lieĂź den Landwirten doch zu einer KopfschĂĽttlung hinreiĂźen
„Mei, des Kalberl!“, rief Amalia aus, als sie auf ein sehr, sehr junges Kuhbaby zulief, das in einer Box stand. Aus dem Stall hörte man das herzzerreißende Schreien der Mutter.
„Was hast ma denn da für eine bracht, Luis?“, sprach der Kuhbauer den Hühnerbauern an.
„So eine, die jetzt die Viecha retten geht“, antwortete der als Luis titulierte lapidar, „Bringt was, Sepp.“
„Aha“, sagte der mit Sepp angesprochene, der sich darauf zu Amalia wandte, denn er witterte eine zu finden, die keine Ahnung hatte, „Was willst?“
„Ich möchte des Kalberl und die Mutter retten“, meinte die Amalia, „Was willst für die?“
„Na ja, wenn ich mir ĂĽberleg, des Kalb, des warat a starker Stier worn und die Mutter, die hätte noch 15 Jahre Milch gegeben, aber weilst as so lieb hast, die Viecha, gib ichs Dir fĂĽr sag ma, € 2.000,–.“ Amalia gab dem Bauern Sepp die € 2.000,–, denn auch die hatte sie eingesteckt. SchlieĂźlich wusste man nie, was einem begegnet, wenn man so ĂĽber die Flur und durch den Wald schlendert passiert.
„Bringst mas auch zhaus?“, fragte die Amalia. Und der Sepp war nur zu gerne dazu bereit. Wenn er dran dachte, dass die Kuh schon sechs Jahre alt war und sowieso bald zum Schlachter gekommen wäre, der ihm kaum was gegeben hätte, weil an dem Krüppel war nichts dran und Milch gab sie auch nur mehr mäßig. Und das Stierkalb, das hätte auch nicht mehr eingebracht, als ein Kanarienvogel, da war der Transport locker drinnen. Also stieg Amalia wieder beim Luis-Bauern ein, während der Sepp-Bauer ihnen mit dem Kalb und der Kuh im Anhänger folgte. Sie waren noch nicht weit gekommen, da schrie die Amalia wiederum: „Halt an Bauer!“ Er hielt folgsam an, gespannt, wen oder was sie als nächstes retten würde.
Du willst wissen, wie es weitergeht? Der zweite Teil erscheint am 20. Mai. Sei dabei.

