Wisente in Europa? (2)

Wisente in Europa? (2) – Alle Geschichten

Wir kehrten zurück, bereichert um einige spannende Begegnungen und das Kennenlernen tatsächlich naturnaher Wälder, wie es sie selten mehr gibt, die kein Mensch nutzt und deshalb ursprünglich sind. Es erfasst einen eine namenlose Ehrfurcht vor der Größe und Differenziertheit der Natur, in der alle ihren Platz haben, nur der Mensch, der hat keinen Platz. Heidegger sprach von der „Unbehaustheit“ des Menschen und ich interpretiere es so, dass er in der Natur seinen Platz verloren hat, wenn er ihn denn je hatte. Er ist für nichts gut, trägt nichts bei und alles, was er anfasst, endet in der Zerstörung. Dann zieht er weiter, wenn alles kaputt ist. Blöd nur, dass wir nirgends mehr hin ausweichen können. Wir durften es noch erleben, denn auch diese altehrwürdigen Wälder wird es nicht mehr lange geben. Ich war ungemein dankbar, das noch sehen zu dürfen.

Zurück in meinem normalen Leben und in der Zivilisation, erfuhr ich von einer Wisent-Begegnung in Deutschland. Hinter einer Reihe von Hochhäusern auf einer Wiese stand plötzlich ein Wisent. Sicher, ein beeindruckendes Tier, aber dass man deshalb gleich in Panik verfallen muss, ist eher dumm. Jedenfalls passierte das einer Dame, die das Tier von ihrem Fenster aus beobachtete, also in keinem Moment in Gefahr war. Sie rief die Polizei, der auch nichts Besseres einfiel, als das Tier zu erschießen. Ich denke, es wäre mit Vergrämung auch gegangen, ist aber nicht so leicht. Aber es ist symptomatische für unseren Umgang mit der Natur. Alles, was wir nicht kennen und möglicherweise gefährlich sein könnte, wird einfach sofort getötet. Einen anderen Weg scheinen wir nicht zu kennen. So geht es dem Wolf, dem Bären, dem Luchs, der Wildkatze, dem Goldschakal und zuletzt auch dem Wisent, als wären wir die allmächtigen Herrscher der Natur und könnten tatsächlich behaupten, das Tier ist in meinem Garten, obwohl der Garten der Natur weggenommen. Wisente sind wichtig für Wälder, denn dadurch, dass sie auch Grünpflanzen essen können, die andere Pflanzenesser nicht bekömmlich finden wie kleine Büsche, halten sie im Wald Lichtungen offen, was vor allem Vögeln und Insekten zu Gute kommt. Damit wäre übrigens auch gleich das Problem gelöst, was denn mit den Almen passiert, wenn sie nicht mehr bewirtschaftet werden und zu verbuschen drohen. Mit Wisenten kann das nicht passieren. Aber das nur ganz nebenbei. Jedenfalls gibt es offenbar immer noch Menschen, die meinen, das Leben gehört 100%ig abgesichert und die wilde Natur hat darin nichts verloren. Doch eine Umfrage ergab, dass die meisten Menschen es gut fanden, dass das Wisent wieder angesiedelt wurde. Allerdings gibt es auch die Gegner*innen, die – wie kann es anders sein – um ihren Profit fürchten, denn Wisente schälen auch Rinden von Bäumen, was dem Baum nicht gut tut, logischerweise. Ein Waldbesitzer tönte groß, dass es in 50 Jahren keinen Wald mehr gäbe, würde das Wisent bleiben. Ein spannender Ansatz insofern, als dass es bereits hunderte Jahre in Europa diese großen Pflanzenesser gab und dennoch gibt es Wälder. Wie passt das zusammen? Kann es sein, dass es nicht eher darum geht, dass sie Angst darum haben, ihre Bäume, die sie lukrativ verkaufen können, brächen weg? Und da zählt jeder einzelne. Schließlich wurde viel Arbeit investiert in die Aufzucht. Vor allem, wenn es sich um eine 130 Jahre alte Buche handelt. Oder kann es nicht einfach sein, dass es das Beste wäre, die Wälder in Ruhe zu lassen. Man möchte es kaum glauben, aber die wachsen ganz einfach ohne den Menschen, wie sie es schon seit Millionen Jahren taten, denn Natur gab es schon lange vor dem Menschen und die hat das recht gut bewerkstelligt. Wie schön wäre es diese wunderbaren Tiere auch in Österreich wieder heimisch zu wissen. Platz genug wäre. Und wenn wir noch mehr Wälder in Ruhe ließen, wäre es optimal.

Wer tatsächlich was für Wälder und deren natürliches Fortkommen tun will, unterstützt die gemeinnützige Stiftung „Zum Urwald zurück“ (ZUZ), deren Zweck es ist, Wälder zu kaufen und für alle Ewigkeit außer Nutzung zu stellen. Einfach lassen und nichts tun, besser kann man es nicht machen. Schaut vorbei und unterstützt dieses tolle Projekt. Jeder Euro zählt!

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