Nur ein Tanz

Fraglos geschah es. Nicht einfach mit jener Fraglosigkeit, die sich nicht stellt, sondern mit jener Gewissheit, die sich nicht einmal mehr dessen bewusst ist, dass es Fragen gibt. Auch nur irgendeine, jetzt oder später oder vorher oder gar irgendwann. Fraglose Gewissheit, die mich erwachen und wiederfinden ließ in Deinem Arm oder erträumen und erstmals gefunden sein.

Fraglos geschah es, als die Melodie anhob, als verstreute, noch vereinzelte Töne. Aufsehend, wie aus oder in einen Traum lebend, sah ich in Deine Augen. Zusammenhanglos wie die Töne und der Wind, der mich hierher geweht hatte. Es war der Wind, irgendeiner, von irgendwoher. Planlos, ziellos, zerstreuend, einfach so, wie er uns trug, und die Töne. Und so wie die Töne, die sich noch nicht eins waren, zusammenfanden, anordneten, verdichteten, aneinanderhängten und –drängten, so hoben sich unsere Arme, fanden zusammen, ordneten, verdichteten sich, damit sie ihre Aufgabe erfüllen konnten, zu halten. Einander und uns. Ohne Andeutung, ohne Missverständnis, nur Bewährung. Nicht halten und gehalten werden, sondern nur gehalten und sein. Und die Töne wurden Melodie und der Halt ein Forttragen in die Melodie.

 

Fraglos geschah es, als die Melodie sich als solche und als unsere zu erkennen gab. Niemals zuvor hatten wir sie gehört und nie mehr danach würden wir sie hören, und doch war es die eine, die immer war, die uns begleitete, Dich und mich, zuvor, bloß, und sich nun ineinander spann, als wäre es nie anders gewesen, nie und nirgends, jetzt oder später oder vorher oder gar irgendwann. Doch immer und überall und ein Leben. Melodie und Leben, in eins, wie Du und ich, Melodie des Lebens, wie Du des Ich, Leben der Melodie, wie Ich des Du, ineinander versponnen, wie die Arme und der Körper und die Bewegung. Mit der Selbstverständlichkeit dessen, das keine Selbstverständlichkeit kennt.

 

Fraglos geschah es, mit jener Ernsthaftigkeit, die nur die Unbestimmtheit kennt. Unbedenklichkeit, weil es nichts zu bedenken gab, nur die Wachheit in den Traum, in den Du mich führtest, in den ich Dich führte. In den Traum eines Wachseins, in den ich Dich wiegte, in den Du mich wiegtest, während sich die Melodie verstärkte und uns einnahm, ohne uns anzutasten. Durch uns hindurch ging, ohne zu verwunden. Als wenn es ein Leben ohne Verwundung gäbe. Als wenn es ein Leben trotz der Verwundung gäbe. Gewährten wir uns, in jenes Vertrautsein des Unerkannten, das es immer gab, immer und überall, jetzt und später und vorher und irgendwann.

 

Fraglos geschah es, mit jedem Schritt, den wir uns wiegten, in der Verbundenheit, mit uns, mit der Melodie, die einfach da war. Wie der Wind, der uns trug. Wie der Atem, der uns durchströmte. Wie die Wärme, die wir um uns webten. Wie die Sanftheit, in die wir uns betteten. Wie die Zärtlichkeit, die uns nährte. Es war und es ist und es wird sein, auch wenn es niemals war und niemals ist und niemals sein wird. So dass ich Dich lieben kann, als wäre es immer gewesen und wäre es und wäre es immer. So dass ich Dich lieben werde, bis die Melodie sich wieder zerstreut, bis sich die Töne verirren und sie ganz erlischt, der Tanz endet und der Wind uns fortträgt, wer weiß wohin.

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