Die Unschuld der Tierproduktesser

Die Unschuld der Tierproduktesser – Aktivismus

Vegane Produkte hat es immer schon gegeben. Gemüse und Obst, Reis und Nudeln, Brot und Bier, Samen und Sprossen, Margarine und Pflanzenmilch, Tofu und Seitan, Pilze und Kartoffeln. Bloß hat es lange Zeit niemand so genannt, sondern einfach gegessen. Daneben gibt es mittlerweile viele verarbeitete Produkte, die ganz ohne Tierleid auskommen. Und so wie für Teile von toten Tieren, Eutersekrete und Eier Werbung gemacht wird, die oftmals die traurige Wirklichkeit in eine Fantasiewelt verzaubert, wird auch für jene ohne Anteil von Leid, Qual und Schmerz, Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Schließlich leben wir in einer freien Wirtschaft, in der jede ihr Produkt anpreisen darf, so lange sie nicht gegen bestehendes Recht oder die guten Sitten verstößt.

Natürlich darf in der Werbung auch nicht gelogen werden, theoretisch. Doch selbst wenn 99% der Kühe in Anbindehaltung sind und nur 1% auf der Weide und die Bilder für die Propaganda hergenommen werden, ist es keine Lüge. Bloß, dass den Menschen weisgemacht wird dadurch, dass nicht 1% auf der Weide stehen, sondern alle. Selbst schuld, wenn man sich zu dieser Verallgemeinerung verführen lässt.

Mit der Vermarktung von verarbeiteten, tierleidfreien Lebensmitteln, Kosmetika und anderen Dingen des menschlichen Bedarfs, hört für viele das liberale Denken auf, denn sie fühlen sich von dieser Art der Darstellung von Produkten, die sie als störend empfinden, beleidigt oder herausgefordert oder bedrängt. Spannend daran ist, dass sie sich nie über andere Werbung mokieren würden. Es geht sogar so weit, dass sie weinerlich verkünden, dass unschuldige Menschen mit dieser Art des Marketings geradezu belästigt werden. Wobei einem das Wort „unschuldig“ doch zum Nachdenken bringt.

Wir wissen mittlerweile alle, dass Schweinen in der Intensivtierhaltung die Schwänze kupiert, die Hoden ohne Betäubung entfernt, die Zähne abgeschliffen werden, dass Mütter in engen Stahlkäfigen vor sich hinvegetieren, so wie ihre Kinder auf Vollspaltenböden, um mit gerade mal sechs Monaten hingeschlachtet zu werden. Deshalb ist niemand unschuldig, der Schweinefleisch konsumiert, denn dieses Leid müssen sie für jene auf sich nehmen, die sie essen wollen.

Es ist bekannt, dass Kühe für die Milch von ihren Kindern getrennt werden, worunter sie lange leiden, die Mütter zu Hochleistungen hingezüchtet werden, die sie sonst nicht erreichen würden, würde der Mensch sie nicht so deformieren, während die männlichen Kinder als Abfall verramscht und tausende Kilometer transportiert werden und die weiblichen einsam und allein bei jeder Witterung in kleinen Kälberiglus ihrer Bestimmung harren, ebenfalls ausgebeutet zu werden. Deshalb ist niemand unschuldig, der Eutersekret und die Produkte daraus konsumiert, denn er trägt die Verantwortung für diese Ausbeutung.

Es ist kein Geheimnis, dass Hühner für ihr Fleisch in 35 Tagen turobgemästet werden, was zu Brüchen führt und es ihnen oft unmöglich macht, auch nur aufzustehen, weil die Brust viel zu schwer ist, dass in der Eierindustrie die Qualzucht Huhn gezwungen ist fast ein ganzes Jahr lang jeden Tag ein Ei zu legen, was sie so auszehrt, dass sie kaum mehr Kraft zum Leben haben. Jeder, der Eier konsumiert oder Hühnerfleisch isst, macht sich schuldig an diesen Qualen und Schmerzen, die diesen Lebewesen zugefügt werden.

Es ist ebenso weitläufig publik gemacht worden, dass Gänse qualvoll gemästet werden, für die grausliche, ekelhafte, kranke Stopfleber, dass sie für Daunen bei lebendigem Leib gerupft werden, unter horrenden Schmerzen, dass Pelztieren grausamst das Fell abgezogen wird, nachdem sie in engsten Drahtgitterkäfigen ihr kurzes Leben fristen mussten. Niemand ist unschuldig, der Stopfleber konsumiert, sich in seine Decke oder Jacke Daunen stopfen muss oder einen lachhaften Kragen oder Bommel aus Tierhaut mit Haaren anschafft, denn er legitimiert den widerwärtigen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen.

All das ist kein Geheimnis mehr, dank der unermüdlichen Aufdeckungsarbeit von Menschen, die sich bewusst sind, dass all die Schrecknisse sonst verheimlicht werden würden. Es gibt keine Ausreden mehr, denn jeder kann es wissen. Doch sobald man es weiß und diese Industrie trotzdem unterstützt, indem man so weitermacht wie bisher, macht sich schuldig, dass sie auch so weitermachen kann. Denn sie wird erst aufhören, wenn es niemand mehr kauft. Aber statt das Leid, die Qual und die Schmerzen zu beenden, mokiert man sich lieber über die Werbung für vegane Produkte. Denn Tierleidfreiheit ist sehr wohl schrecklich. Tierleid aber offenbar unterstützenswert.

Noch mehr Lesestoff:

Kommentar verfassen